Schweiz

Im Tessin herrscht für Schulkinder Italienisch-Zwang

Aktualisiert am 11.05.2012 25 Kommentare

In der Deutschschweiz gilt die freie Schulwahl. Dieses Gebot gilt im Tessin nur beschränkt. Dort wurde eine Beschwerde von Eltern abgewiesen, die ihr Kind in eine englischsprachige Privatschule schicken wollten.

Privatschulen haben im Tessin einen schweren Stand: Schüler im Tessin läuft vor einem Abstimmungsplakat durch. (Archivbild)

Privatschulen haben im Tessin einen schweren Stand: Schüler im Tessin läuft vor einem Abstimmungsplakat durch. (Archivbild)
Bild: Keystone

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Der Kanton Tessin darf verlangen, dass die obligatorische Schulzeit in italienischer Sprache absolviert wird. Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines Elternpaars abgewiesen, das seine Tochter in eine englischsprachige Privatschule schicken wollte.

Die italienisch-schweizerischen Eltern hatten 2010 darum ersucht, ihre Tochter das erste Schuljahr in einer Privatschule absolvieren lassen zu dürfen, in der mehrheitlich auf englisch unterrichtet wird. Die Behörden verwehrten ihnen diesen Wunsch.

Keine Verletzung der Sprachenfreiheit

Sie stützten sich dabei auf eine spezielle Regelung im Tessiner Schulgesetz, die vorschreibt, dass Kinder in der obligatorischen Schulzeit auf italienisch unterrichtet werden müssen. Eine Ausnahme kann bei Familien gemacht werden, die sich nur vorübergehend im Tessin niederlassen.

Das Bundesgericht hat die Beschwerde der Eltern nun abgewiesen. Sie hatten eine Verletzung der in der Bundesverfassung verankerten Sprachenfreiheit geltend gemacht und argumentiert, dass der Besuch der Privatschule keinerlei negativen Auswirkungen auf ihre Tochter haben werde, zumal sie bereits italienisch spreche und verstehe.

Schutz des Italienischen

Im Gegenteil werde sie nur profitieren können, weil die englische Sprache immer wichtiger werde. Die Richter in Lausanne erinnern in ihrem Entscheid daran, dass die Sprachenfreiheit nicht absolut gilt. Im Tessin sei die offizielle Sprache das Italienische. Die italienische Sprache sei zwar nicht vom Aussterben bedroht.

Die Notwendigkeit, diese Sprache gegen die steigende Übermacht vor allem des Deutschen zu schützen, sei aber in der Vergangenheit spürbar geworden. Die Regelung im Tessiner Schulgesetz widerspiegle dieses Anliegen. Insgesamt überwiege das öffentliche Interesse die privaten Interessen der Eltern. (mrs/sda)

Erstellt: 11.05.2012, 11:45 Uhr

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25 Kommentare

lucius mayer

11.05.2012, 11:54 Uhr
Melden 70 Empfehlung 0

Bravo Ticino! Italienisch ist eine unserer Landessprachen und gehört zu unserer Kultur, Englisch, die Sprache der Welthegemonie, eben nicht. Antworten


Werner Hürlimann

11.05.2012, 12:01 Uhr
Melden 60 Empfehlung 0

Ein gutes und richtiges Zeichen. Die Volksschule muss man stärken, private Institut folgen anderen, rein betriebswirtschaftlichen Zielen, die Doktrin ist nicht immer klar und der Schaden für die Gesellschaft gross. Antworten



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