Im Dioxin-Skandal fehlt es der Schweiz an Informationen
Von Dario Venutti. Aktualisiert am 06.01.2011 22 Kommentare
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In Deutschland ist dioxinverseuchtes Tierfutter vertrieben worden, worauf giftige Eier und Geflügel in den Handel gelangt sind. Theoretisch ist es möglich, dass kontaminierte Produkte auch in hiesige Verkaufsregale gelangen. Bis die Behörden das erfahren, geht aber Zeit verloren.
Die Schweiz ist nämlich nicht Vollmitglied des europäischen Schnellwarnsystems für Lebens- und Futtermittel (RASFF). In dieser Institution recherchieren Behörden der EU-Länder die Vertriebswege und tauschen Indizien aus. Als Teilmitglied des Alarmsystems wird die Schweiz erst informiert, wenn sich ein Verdachtsfall erhärtet hat. So hat Eva Reinhard, Vizedirektorin des Bundesamts für Landwirtschaft, aus den Medien vom Dioxin-Skandal erfahren, wie sie dem Schweizer Radio DRS sagte.
Freihandelsabkommen fehlt
«Für uns wäre es von Vorteil, von Anfang an dabei zu sein», so eine Sprecherin des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Aufgrund der Tonalität unter den EU-Behörden lasse sich besser abschätzen, wie ernst ein Problem zu nehmen sei. Vollständigen Zugang zum Alarmsystem wird die Schweiz aber erst erhalten, wenn ein Freihandelsabkommen in der Agrarwirtschaft mit der EU abgeschlossen wird. Doch das dürfte noch Jahre dauern.
BAG: Schweiz nicht betroffen
Im aktuellen Fall geht das BAG davon aus, dass weder Futtermittel noch tierische Produkte von den betroffenen Betrieben aus Deutschland in die Schweiz gelangt sind. Man wisse, aus welchen Regionen Deutschlands Eier in die Schweiz exportiert würden, sagte die BAG-Sprecherin. In den letzten beiden Tagen hätten Experten beim Bundesamt für Landwirtschaft die Importlisten überprüft – und Entwarnung gegeben.
Dennoch werde man die Zahl der Stichproben bei den Futtermittel-Importen aus Deutschland erhöhen. «Wir wissen, wohin die Ware geliefert wurde. Dort werden wir vermehrt Proben entnehmen und auf Dioxin kontrollieren», sagt Reinhard vom Bundesamt für Landwirtschaft. Man bleibe jedoch auf Stichproben und damit «auch auf etwas Glück» angewiesen. Jedes Importprodukt systematisch zu analysieren, sei nicht bezahlbar.
Wieder mehr auf Qualität achten
Reinhard fordert nun strengere internationale Regeln, um Futtermittelskandale zu verhindern. Zugleich appelliert sie an die Konsumenten, nicht immer nur die billigsten Produkte zu kaufen. Damit steige der Druck auf die Futtermittel-Industrie, billiger zu arbeiten und weniger Wert auf Qualität zu legen. «Vielleicht bremsen solche Skandale die Preissenkungsmanie bei den Grossverteilern wie bei den Konsumenten, und es wird wieder vermehrt auf Qualität geachtet», sagt auch Jean Ulmann, Präsident der Schweizer Eierproduzenten.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.01.2011, 21:45 Uhr
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22 Kommentare
Man sollte gleich die Grenzen schliessen für alle Europäische Esswaren die Eier, Hühner- und Schweinefleisch (welches angeblich auch betroffen ist) enthalten. Erst wenn die EU alle notwendige Information liefert kann man die Erzeugnisse wieder zulassen. In Zukunft nun wird die EU mit Sicherheit die Schweiz von Sich aus Warnen um keine unnötige finanzielle Einbüssen zu erleiden, ohne Verhandlungen. Antworten
Die grenzen schliessen geht nicht, mit oder ohne Cassis de Dijon kommt viel essen immer schon aus dem ausland. Wenn nicht als fertigprodukt dann mindestens ingredienten oder tierfutter. Eine autarkie ist nicht realistisch, es sei denn man will Nord Korea als modell für die Schweiz nehmen. Besser sorgt man dafür, bei dem EU informationssystemen dabei zu sein. Antworten
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