Schweiz
«Ich bin nicht die beste Wahl»
Von Mirko Plüss. Aktualisiert am 08.06.2012 9 Kommentare
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Herr Schlup, waren Sie von Ihrer Wahl überrascht?
Ja, ich habe das absolut nicht erwartet. Ich muss mich nun zuerst noch an den Gedanken gewöhnen, von Freude spüre ich bis jetzt noch nichts.
Warum wurden gerade Sie gewählt?
Ich bin ein Kompromisskandidat. Die FMH traut mir wohl zu, die Vertreter der verschiedenen Schweizer Landesteile und auch die Fachgruppen innerhalb der Ärzteverbindung zusammenführen zu können.
Hätte man auch Ihren FDP-Parteikollegen Urs Stoffel wählen können?
Absolut, er wäre aus meiner Sicht sogar die bessere Wahl gewesen.
Warum haben Sie dann nicht Forfait erklärt und sich aus der Wahl zurückgezogen?
Nach dem Ausscheiden des Noch-Präsidenten Jacques de Haller war die Wahl Stoffels eigentlich eine sichere Sache. Doch dann tauchte plötzlich ein Überraschungskandidat auf, da es offenbar Gruppen innerhalb der FMH gibt, die Stoffel nicht unterstützen können.
Und um diesen Überraschungskandidaten zu verhindern, kamen Sie ins Spiel?
Ja, es war ein taktisches Manöver und ich ging überraschend als Sieger der Wahl hervor.
Welchen Ausschlag gab Ihre Parteizugehörigkeit?
Dass ich in der FDP bin, wird wohl keine Auswirkungen gehabt haben.
Herr de Hallers SP-Zugehörigkeit war im Gegensatz dazu stets ein umstrittenes Thema innerhalb der Ärzteschaft.
Die Frage war, ob das Präsidium der FMH zu vereinbaren ist mit einem Nationalratsmandat, für das sich Herr de Haller beworben hatte. Meiner Meinung nach sind eine Tätigkeit als Nationalrat und das FMH-Präsidium kaum vereinbar.
Sie werden das Präsidialamt im Dezember übernehmen. Werden Sie Ihre Praxis danach weiterführen?
Voraussichtlich nicht, das wäre statutarisch nicht erlaubt.
Welche Projekte werden Sie als erste angehen?
Prioritär ist, die Zusammenarbeit unter den Ärzten und mit den Partnern im Gesundheitswesen zu vertiefen und zu verbessern. Der gemeinsame Auftritt muss besser klappen, es braucht viele runde Tische. Zudem muss mehr «Bodenkontakt» zu den Ärzten in den Spitälern und den Praxen geschaffen werden. Dies braucht aber alles Zeit und ist sehr aufwendig.
Gegenüber DerBund.ch/Newsnet sprachen Vertreter der FMH von grossen Strukturproblemen. Die Interessen innerhalb der Ärzteschaft liessen sich teilweise gar nicht vereinbaren. Wie verhindern Sie eine Spaltung der Organisation?
Das Ziel muss eine Verbesserung der internen Kommunikation sein.
Was werden Sie konkret tun?
Wie gesagt: Mehr runde Tische eröffnen und mehr Kompromisse eingehen. Gegen aussen aber soll die FMH geschlossen auftreten und einheitlich agieren.
Heisst das, unter de Haller ist die Kommunikation gegen aussen gestört?
De Haller hat sicher stark versucht, für eine einheitliche Stimme der FMH zu kämpfen. Gelungen ist ihm dies aber nicht immer.
Als Einheit gegenüber der Öffentlichkeit auftreten: Warum gelingt dies der FMH nicht aber beispielsweise dem Bauernverband sehr gut?
Die Spezialisierung innerhalb des Bauernverbands ist viel kleiner als bei der FMH. Zudem sind Ärzte sehr individualistisch. Die Arbeit gestaltet sich sicher schwieriger als bei anderen Berufsverbänden.
Werden Sie es dennoch schaffen, die Reihen innerhalb der Ärzteschaft zu schliessen?
Wie gesagt, wird dies sehr schwierig. Ärzte haben prägnantere eigene Meinungen, man kann sie bloss argumentativ motivieren.
Wie stehen Sie zur Managed-Care-Vorlage, die am 17. Juni zur Abstimmung steht?
Dazu sage ich nichts. Der Abstimmungskampf wird durch den jetzigen Präsidenten zu Ende geführt.
Die FMH hat sich im Abstimmungskampf nicht gerade sehr glaubwürdig präsentiert. Erst war der FMH-Präsident ein vehementer Befürworter, dann ein vehementer Gegner der Initiative.
Auch die SP und die SVP haben diese Kehrtwende in den letzten Monaten vollzogen. Natürlich waren die Manöver aber sehr schlecht für die inhaltliche Diskussion.
Jacques de Haller hat sich während seiner Amtszeit auch zu breiteren politischen Themenfeldern geäussert. Beispielsweise machte er sich für die Waffeninitiative stark. Haben Sie auch solche Engagements eingeplant?
Nein, die FMH sollte sich nur zu Themen äussern, welche die Ärzteschaft direkt betreffen. Dann aber müssen wir stark lobbyieren und uns einbringen, denn die Diskussionen im Gesundheitswesen sind heute leider politischer denn je. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.06.2012, 14:29 Uhr
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