Schweiz

«Herr Wermuth, das nehmen Sie zurück!»

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 09.11.2010 112 Kommentare

Der Juso-Präsident Cédric Wermuth trat auf TeleZüri gegen Schnellredner Roger Köppel an und schaffte es, das rhetorische Schwergewicht aus der Reserve zu locken.

Gehässige Diskussion: Cédric Wermuth (links) verteidigt sich gegen Roger Köppel.

Gehässige Diskussion: Cédric Wermuth (links) verteidigt sich gegen Roger Köppel.

In der SP schwelen Grabenkämpfe zwischen links und ganz links. Massgeblich mitgeprägt hat sie der Aargauer Jungpolitiker Cédric Wermuth, der seit dem SP-Parteitag kritisiert, belächelt oder bewundert wird. Am Montagabend trat der Präsident der Jungsozialisten auf TeleZüri gegen «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel an.

Eine nicht ganz leichte Prüfung für Wermuth, gegen das inhaltliche und rhetorische Schwergewicht Köppel anzureden. Erstaunlicherweise zeigte sich Köppel trotz dieser Ungleichheit mehrmals ungehalten, teilweise drohte er beinahe die Fassung zu verlieren. Etwa dann, als die Runde auf die Juso-Plakate, die Brady Dougan, Oswald Grübel und Daniel Vasella nackt zeigen, zu sprechen kam. «Die SP hat das Recht verwirkt, jemals wieder ein Wort zu sagen über den Stil der SVP», sagte Köppel enerviert und fügte wie zur Bestätigung an: «Mich empört das wirklich.»

Noch grösser wurde die Empörung, als Wermuth ihm im nächsten Satz vorwarf, die Minarett- und Schäfli-Plakate der SVP zu verteidigen, weil sie von «seinen Geldgebern» kämen. «Herr Wermuth, Herr Wermuth, ich habe keine Geldgeber, das nehmen Sie da zurück. Das ist einfach dummes Zeug, was sie da erzählen», konterte Köppel in schrillem Ton.

«Sie haben überhaupt nichts begriffen»

Cédric Wermuth kann das Duell mit Köppel als geglückt verbuchen. Es gelang ihm, Köppel aus der Reserve zu locken und seine eigenen Standpunkte zu vertreten, ohne ins Schleudern zu geraten. So antwortete er auf einen Kuba-Vergleich von Moderator Markus Gilli: «Nein, Fidel hätte überhaupt keine Freude an uns. Wir wollen eine Demokratisierung, in Kuba herrscht das Gegenteil.»

Die Verteidigung des neuen SP-Programms fiel Wermuth schwer, es sind unpopuläre Forderungen. Besser ging es, als der Juso-Präsident die Reichtums-Studie von Soziologe Ueli Mäder heranzog und sagte, angesichts solcher Erkenntnisse brauche es Mut für Köppels Standpunkt. Köppel wich vom Inhalt ab und versuchte der Studie wegen sachlicher Fehler die Glaubwürdigkeit abzusprechen.

Letztlich drehte sich die Diskussion im Kreis, wie das zwischen ideologisch fest verankerten und polarisierenden Diskussionspartnern zu erwarten ist: Köppels Rede, wonach hohe Löhne okay seien, wenn der Eigentümer sie absegne, prallte an Wermuth ab, der wiederholte, die Zahl der Armutsbetroffenen sei inakzeptabel. Bis Köppel härteres Geschütz auffuhr: «Wenn Sie nicht begriffen haben, dass Löhne Sache der Eigentümer sind, haben Sie in Ihrem Politologie-Studium überhaupt nichts begriffen.»

Herr Leuzingers Steilpass

Glück hatte Cédric Wermuth bei den Zuschauer-Kommentaren. Die Stimmen der meistens mit der bürgerlichen Seite sympathisierenden Tele-Züri-Zuschauer verteilten sich diesmal ziemlich gerecht. Die Frage von Herrn Leuzinger, ob Herr Wermuth überhaupt schon mal gearbeitet habe, erwies sich sogar als Steilpass: «Ich arbeite beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk, einer privaten Organisation, für monatlich 5000 Franken netto», antwortete Wermuth, nicht ohne sich für die Frage zu bedanken und darauf hinzuweisen, dass die Juso selber sechs Teilzeitstellen schaffe.

Schwieriger war es, seine Fahrt in der Limousine zu verteidigen. Herr Wermuth solle sich einfach schämen, sagte ein weiterer Zuschauer, Herr Jud. «Wenn Sie sich herumchauffieren lassen mit der Limousine von Frau Bruderer, dann seien Sie einfach still.» Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer hatte Wermuth eingeladen, mit ihrer Dienstlimousine zu einem Anlass zu fahren. «Natürlich habe ich das genossen», sagte Wermuth lediglich dazu. Und Köppel landete einen unterhaltsamen Schlusspunkt: «Sie müssen das noch geniessen. Wenn Sie Ihre Ordnung durchsetzen wollen, gibt es nachher nur noch Trabi.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.11.2010, 14:53 Uhr

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112 Kommentare

Andreas Diethelm

12.11.2010, 04:56 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Tja, zuviel Eitelkeit trübt die nötige Selbsteinschätzung. Kein Wunder ist der eine gar nicht übers Luft holen und Japsen hinausgekommen und ist dem andern seine Arroganz wie die Pelle von der verkochten Kartoffel abgeblättert, da konnte auch der Moderator nicht mehr helfen. Ich hätte die beiden Gockel für intelligenter gehalten, sie haben sich selber aus dem Spiel genommen. Chapeau M. Wermuth! Antworten


johannes müller

09.11.2010, 19:15 Uhr
Melden 1 Empfehlung

AHV, IV, ALV, PK und weitere gesellschaftliche Errungenschaften. Wer hat sie erfunden? Antworten



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