Schweiz

«Grüezi, es ist mir eine Ehre, hier zu sein»

Aktualisiert am 11.09.2012 66 Kommentare

Zum Jubiläum des Schweizer Beitritts hielt erstmals ein Generalsekretär der UNO eine Rede im Parlament in Bern. Im Sicherheitsrat müsste die Schweiz harte Entscheidungen treffen, sagte Ban Ki-moon im Anschluss.

Standing Ovation im Nationalratssaal: Ban Ki-moon sprach am Mittag vor den Parlamentariern.
Video: Screenshot SF1

Didier Burkhalter und Ban Ki-moon vor dem Palais des Nations in Genf. (10. September 2012) (Bild: Reuters )

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UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat dem Schweizer Parlament zur zehnjährigen UNO-Mitgliedschaft der Schweiz gratuliert. Mit einer Begrüssung in allen Landessprachen erwies er dem ganzen Land seinen Respekt und lobte die hierzulande gelebte Vielfalt.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon bewies zu Beginn seines Besuches, wie charmant er sein kann: «Grüezi, es ist mir eine Ehre hier zu sein. Dankeschön für die Einladung», begrüsste der für seine Zurückhaltung bekannte Südkoreaner am Dienstag das Schweizer Parlament und die anwesenden Bundesratsmitglieder. Damit aber nicht genug: «Bonjour», fuhr der Diplomat fort, bevor er das Publikum auch in Italienisch und Rätoromanisch ansprach. «Sie haben aus der Vielfalt eine Stärke gemacht», sagte Ban darauf in Englisch. Das lateinische Sprichwort «Einer für alle, alle für einen», das die Bundeshauskuppel ziere, sei auch das Credo der Vereinten Nationen.

Grosszügiges Geberland

Ban gratulierte der Schweiz zum 10-jährigen UNO-Jubiläum und strich die Leistungen des kleinen Landes hervor. Er lobte die Verdienste der Schweiz unter anderem bei der Gründung des UNO-Menschenrechtsrates, als Gastgeber für zahlreiche UNO-Organisationen und -Mitarbeiter oder als grosszügiges Geberland.

Es sei nicht selbstverständlich, dass die Schweiz ihre Beiträge an die Entwicklungszusammenarbeit erhöhe, während fast alle anderen Länder angesichts der Krise ihre Zahlungen kürzten, sagte Ban. Nur rund zwei Stunden zuvor hatte der Ständerat die Rahmenkredite für die Entwicklungszusammenarbeit für die nächsten vier Jahre auf insgesamt 11,35 Milliarden Franken angehoben.

Das Geld und die Hilfe der Schweiz seien allerdings bitter nötig, führte der UNO-Generalsekretär aus. Die UNO müsse jeden Tag Frieden sichern und Flüchtlingen beistehen, die Menschenrechte fördern, die Demokratie verteidigen, die Gesundheit der Ärmsten stärken und die Armut lindern.

Vielfältig wie ein Sackmesser

Die Organisation sei so vielfältig wie ein Schweizer Armeemesser, zog der Südkoreaner eine weitere Parallele zwischen der Schweiz und der UNO. Auch die Vereinten Nationen seien polyvalent, zuverlässig und wirksam. «Die Schweizer sind ja geradezu Experten im Umgang mit diesem Sackmesser», fügte er an.

Die beiden Ratspräsidenten, Nationalratspräsident Hansjörg Walter (SVP/TG) und Ständeratspräsident Hans Altherr (FDP/AR), zeigten sich erfreut und geehrt über den hohen Besuch.

Noch nie habe ein UNO-Generalsekretär im Nationalratssaal eine Rede gehalten, würdigte Walter den Anlass. «Bei uns ist internationale Politik auch eine Angelegenheit des Parlaments – und wie es die Abstimmungen zum UNO-Beitritt zeigten - auch eine Angelegenheit des Volkes», sagte er zu Ban.

Die Bundesversammlung liess sich von der Begeisterung der beiden Präsidenten anstecken und verabschiedete den Südkoreaner mit einer Standing Ovation. Dieser war danach mit Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf, Aussenminister Didier Burkhalter und Umweltministerin Doris Leuthard zum Mittagessen verabredet.

Neutralität auch im Sicherheitsrat

Auf dem Landgut Lohn in Kehrsatz BE streifte die Runde verschiedene Themen – von der nachhaltigen Entwicklung über Syrien bis zum Verhältnis der Schweiz zum mächtigsten UNO-Gremium, dem Sicherheitsrat.

Falls sich die Schweiz für einen Sitz bewerbe, müsse sie darauf vorbereitet sein, harte Entscheidungen zu treffen, sagte Ban anschliessend vor den Medien in Bern und spielte damit auf die traditionelle Schweizer Neutralität an.

Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf betonte, der Bundesrat habe diese Frage bereits erörtert. «Wir wissen, dass es im Sicherheitsrat Entscheide gibt, die eine klare Haltung verlangen», sagte sie. Dies sei aber mit der Neutralität der Schweiz vereinbar. Gemäss Widmer-Schlumpf ist die Bewerbung der Schweiz für einen Sitz im Sicherheitsrat 2023/2024 in Vorbereitung.

Am Montag vor zehn Jahren ist die Schweiz als 190. Staat der UNO beigetreten. Als erstes Land beschloss sie den UNO-Beitritt in einer Volksabstimmung. Die offiziellen Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der Schweiz in der UNO fanden bereits am Montag in Genf und in New York statt. (bru)

Erstellt: 11.09.2012, 11:39 Uhr

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66 Kommentare

samuel wehrli

11.09.2012, 12:40 Uhr
Melden 269 Empfehlung 0

Die SVP'ler welche den Saal verlassen haben, sollen schnellmöglichst zurück treten. Diese Art der Intoleranz und Verachtung gegenüber der UNO ist in unserem Land unwürdig und verdient ein klares Zeichen. Herr und Frau Schweizer merkt Euch die Namen für die nächsten Wahlen. Unglaublich sowas! Diese Leute leben nicht Demokratie! Antworten


Peter Burri

11.09.2012, 12:23 Uhr
Melden 99 Empfehlung 1

Die wollen mehr Geld von der Schweiz, ist doch klar
Wir sollten aus diesem Verein austreten
Antworten



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