Schweiz

Grübel «sticht ins Wespennest»

Von Samuel Reber. Aktualisiert am 27.05.2009 94 Kommentare

Heute wird im Ständerat darüber entschieden, ob die UBS einen Lohndeckel erhält. Konzernchef Oswald Grübel hält unerbittlich dagegen. Auch in einem internen Mail an seine Mitarbeiter.

Zahlt weiter Millionensaläre aus: UBS-Konzernchef Oswald Grübel.

Zahlt weiter Millionensaläre aus: UBS-Konzernchef Oswald Grübel.
Bild: Keystone

Umfrage

Soll die staatlich unterstützte UBS einen Lohndeckel erhalten?

Ja

 
64.6%

Nein.

 
32.2%

Ich bin unschlüssig.

 
3.2%

2447 Stimmen


Artikel zum Thema

Initiativen angekündigt

Wird der Ständerat heute den Lohndeckel für die UBS ablehnen, könnte dieses Thema vors Stimmvolk kommen. SVP-Vizepräsident Christoph Blocher will auf jeden Fall dagegen ankämpfen. «Notfalls mit einer Initiative», sagt er im «Blick». SP-Präsident Christian Levrat im gleichen Blatt zur möglichen Abfuhr heute in der Kleinen Kammer: «Dann müssen wir vors Volk.»

SP-Ständeratin Anita Fetz verlangt in einer Motion, dass UBS-Chefs nur noch so viel verdienen wie Manager der Post oder Swisscom. Dies so lange, wie die Grossbank staatlich unterstützt ist. Der Nationalrat hat dies bereits beschlossen.

Wie entscheidet heute nun die Kleine Kammer? Dies wird wohl erst am späteren Nachmittag bekannt werden (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz berichtet live). Laut Medienberichten wird erwartet, dass die Linke und die SVP geschlossen für den Lohndeckel votieren, während die FDP sicher dagegen ist. Wie stimmt die CVP? Das ist die entscheidende Frage.

«Marktgerecht» entlöhnen

Die UBS hält von einem Lohndeckel gar nichts. Stattdessen hat man in jüngster Zeit von Lohnerhöhungen gesprochen. Es wird vermutet, dass Investmentbanking-Chef Carsten Kengeter zehn Millionen pro Jahr erhält. Dies berichtete auch das Nachrichtenmagazin «10 vor 10» in seiner gestrigen Sendung. Der «Trick» sei, dass man statt üppiger Boni zum Jahresende nun einfach den Fixlohn erhöhe, berichtete das TV-Magazin. Die Bank nahm dazu keine Stellung.

«10 vor 10» berichtet weiter von einem Mail von UBS-Chef Oswald Grübel, in welchem er die hohen Löhne verteidigt. Diese Millionensaläre seien nötig, um Mitarbeiter «marktgerecht» zu entlöhnen. Laut Finews.ch steht da weiter: «Daran halten wir fest, auch wenn uns dies in der emotionalen Debatte über die Gehälter mitunter Kritik einträgt.» Die Lohnerhöhungen der letzten Wochen habe Grübel zudem als «ausserordentlich» bezeichnet.

Grübel scheint unbeirrt an den Millionensalären festhalten zu wollen. «Damit sticht er in ein Wespennest», kommentiert «10 vor 10». Auch sei der Zeitpunkt für Lohnerhöhungen für die Manager zum jetztigen Zeitpunkt «denkbar ungünstig».

Personalverband ist entsetzt

Der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) hat die Lohnerhöhungen bei der UBS massiv kritisiert. Insbesondere die höheren Saläre bei der krisengeschüttelten Investmentbank in den USA und in Grossbritannien sind dem Verband ein Dorn im Auge.

«Nachdem die Bank ein Rekord-Defizit angekündigt hat, ist äusserste Zurückhaltung auf allen Ebenen und auf der ganzen Welt angebracht», hatte der SBPV in der vergangenen Woche in einer Mitteilung geschrieben.

Die UBS sei mit öffentlichen Geldern gerettet worden. Demzufolge seien von der Finanzmarktaufsicht (Finma) Einschränkungen bei der Lohn- und Bonuspolitik gemacht worden.

«Dass nun jedoch zugunsten des Top-Managements die Bonusreduktion mit einer durchschnittlichen 50-prozentigen Lohnerhöhung wettgemacht werden soll, ist eine Provokation gegenüber der Bevölkerung und den Bankangestellten, welche nicht im Top-Management tätig sind», urteilt der SBPV. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.05.2009, 15:12 Uhr

94

Kommentar schreiben







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

94 Kommentare

Rolf Schumacher

27.05.2009, 11:26 Uhr
Melden

Mit einem Lohndeckel sind die Probleme nicht gelöst. Die Politik rennt dauernd alten Problemen nach. Sie macht Dauerpropaganda und schiest am Ziel vorbei. Die UBS ist frei und muss frei bleiben, in ihrer Lohgestaltung. Es ist Aufgabe der GV Saläre in Frage zu stellen, nicht der Parlamentarier. Die Politik muss dafür sorgen, dass die FINMA und die Kommissionen neutral und transparent agieren. Antworten


Markus Christen

27.05.2009, 13:33 Uhr
Melden

Herr Grübel hat recht. Stellt Euch vor wie tief die Wirtschafts- und Finanzkrise wäre, wenn nicht die besten Leute im Finanzsektor beschäftigt gewesen wären. Das Risiko diese Leute mit einem Minimallohn zu vergrämen und damit die Krise zu verschärfen, ist zu gross. Oder vielleicht ist einfach niemand mehr bereit ohne 7-stelligen 'Schadenersatz' seinen Namen mit der UBS in Verbindung zu bringen. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!