Schweiz

Gratis-Pille für junge Frauen

Von Iwan Städler. Aktualisiert am 19.11.2010 34 Kommentare

Um Abtreibungen zu vermeiden, wollen Linke Verhütungsmittel für kassenpflichtig erklären – zumindest für Jugendliche. Das kommt auch bei Initianten der neusten Abtreibungsinitiative gut an.

Bald kassenpflichtig? Anti-Baby-Pillen.

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Was kosten Abtreibungen?

Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch kostet 500 bis 1000 Franken. Wird er chirurgisch ambulant durchgeführt, kostet er 1000 bis 2000 Franken – bei einer Übernachtung im Spital etwa 4000 Franken. Insgesamt zahlen die Krankenkassen laut Bundesrat jährlich 15 bis 20 Millionen für Abtreibungen. Das entspricht 0,08 Prozent der gesamten Grundversicherungskosten. Verhütungsmittel müssen heute selbst bezahlt werden. Die Anti-Baby-Pille kostet monatlich 15 bis 25 Franken, die Hormonspirale mit einer Wirkungszeit von 5 Jahren rund 500 Franken, eine Sterilisation beim Mann 700 bis 1000 und bei der Frau 1000 bis 2000 Franken.(is.)

Der Schweiz steht eine erneute Abtreibungsdebatte bevor. Diesmal geht es vor allem darum, wer die Schwangerschaftsabbrüche bezahlen soll. Bis anhin mussten die Krankenkassen dafür aufkommen. Doch nun will eine Volksinitiative, die in den nächsten Monaten eingereicht wird, die Frauen selbst zur Kasse bitten.

Bereits 83'000 Schweizerinnen und Schweizer hätten das Begehren unterschrieben, sagt Elvira Bader, Co-Präsidentin der Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache». Die CVP-Nationalrätin zweifelt nicht daran, dass sie und ihre Mitstreiter bis zum Ablauf der Sammelfrist im Juli 2011 die nötigen 100'000 Unterschriften zusammenbringen.

10'000 Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr

Damit rechnet auch die Gegenseite. Mehr noch: Die Aargauer SP-Nationalrätin Doris Stump schliesst nicht aus, dass die Initiative vor dem Volk erfolgreich sein könnte. Denn sie treffe nur einen kleinen Teil der Bevölkerung. Einen Teil, der nicht die Mittel habe, um sich dagegen wehren zu können.

Gegenwärtig kommt es in der Schweiz jährlich zu gut 10'000 Schwangerschaftsabbrüchen, welche die Krankenkassen 15 bis 20 Millionen Franken kosten. Diese Zahl will auch Doris Stump senken: «Man muss bei der Prävention ansetzen, damit es gar nicht erst zu ungewollten Schwangerschaften kommt.» Konkret sollen Frauen für medizinisch verschriebene Verhütungsmittel wie Pillen und Spiralen nichts mehr bezahlen müssen. Dasselbe gälte für Unterbindungen, deren Kosten ebenfalls die Krankenkassen übernehmen sollen.

Heute verzichten finanziell schlecht gestellte Frauen laut Stump oft auf Verhütungsmittel und riskieren damit eine ungewollte Schwangerschaft. Für einen allfälligen Abbruch müsse dann die Krankenkasse aufkommen. Da zahle sie besser gleich die Verhütungsmittel.Einen entsprechenden Vorstoss hat die SP-Nationalrätin in diesem Frühjahr eingereicht. Im Parlament wurde er noch nicht behandelt. Doch der Bundesrat empfiehlt, die Motion abzulehnen. Allein die Kostenübernahme der Anti-Baby-Pille und der Spirale mache jährlich rund 100 Millionen Franken aus. Eine solche Mehrbelastung sei den Prämienzahlern nicht zuzumuten.

Migrantinnen treiben öfter ab

Stump macht sich denn auch keine Illusionen, dass das Parlament ihrer Motion zustimmen wird. Stattdessen setzt sie auf eine abgeschwächte Version, die sie in der Dezembersession einreichen will. Danach hätten nur Jugendliche Anrecht auf kostenlose Verhütungsmittel.

Allenfalls, so Stump, beziehe sie auch die Migrantinnen mit ein. Untersuchungen zeigen nämlich, dass Schwangerschaftsabbrüche bei Migrantinnen rund dreimal häufiger sind als bei Schweizerinnen. Der Bundesrat erklärt sich dies unter anderem damit, dass Migrantinnen in der Regel finanziell schlechter gestellt sind. Seiner Ansicht nach ist es aber Sache der Kantone, solche Frauen zu beraten und ihnen allenfalls subventionierte Verhütungsmittel abzugeben. In einigen Kantonen sei dies bereits der Fall. «Das Problem lässt sich so lösen, ohne der Krankenversicherung – und damit den Prämienzahlern – neue Kosten aufbürden zu müssen», findet der Bundesrat.Der Migrantinnen-Aspekt dürfte auch in der Diskussion um die Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» noch zu reden geben. Manch einer wird sich wohl darüber empören, dass Schweizerinnen und Schweizer mit ihren Prämien für Schwangerschaftsabbrüche von Migrantinnen bezahlen müssen.

Bundesrätliche Kehrtwende

Sind die Initianten mit ihrem Anliegen erfolgreich, wollen sie die Krankenkassen von weiteren Leistungen wie Geschlechtsumwandlungen, Schönheitsoperationen und Drogenabgaben entlasten. «Die Kassen sollten nur für die Gesundheit zuständig sein», sagt Co-Präsidentin Elvira Bader. Gegen eine Übernahme der Verhütungsmittelkosten hat sie aber nichts. Im Gegenteil: Viele Initianten würden dies begrüssen, denn so liessen sich Abtreibungen vermeiden.

Auch der Bundesrat hat sich vor zehn Jahren noch für die Kassenpflicht von Verhütungsmitteln ausgesprochen. Damals empfahl die Landesregierung – mit Ruth Dreifuss als Gesundheitsministerin – ein entsprechendes Postulat der CVP-Nationalrätin Rosmarie Dormann zur Annahme. Das Parlament hat aber nie darüber diskutiert, sondern schrieb das Geschäft 2002 ab – weil es mehr als zwei Jahre hängig war.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.11.2010, 23:33 Uhr

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34 Kommentare

Sylvia Maag

22.11.2010, 11:24 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ich finde Die Krankenkasse soll die Pille übernehmen. Unsere Tochter muss sie nehmen, seit sie 16 Jahre alt ist, wegen zu starker Blutung alle 14 Tage! Also aus gesundheitlichen Gründen, wurde aber nicht akzeptiert, müssen sie selber zahlen, trotz ärztlichem Zeugnis S. Maag Antworten


Roland Moser

19.11.2010, 06:51 Uhr
Melden

Wenn eine Frau nicht in der Lage ist, ein paar Präservative dabei zu haben, dann wird sie wohl auch nicht in der Lage sein die Gratis-Pillen abzuholen, und diese konsequent einzunehmen. Wir haben das Jahr 2010. Eine ungewollte Schwangerschaft ist nicht mehr möglich, wenn die Frau wirklich will. Antworten



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