«Good morning Schweiz. Endlich aufgewacht?»

Das Interview mit Ökonom Eichenberger zu den Problemen durch die Personenfreizügigkeit hat die Leser von DerBund.ch/Newsnet in höchstem Grade interessiert. Hier eine Auswahl der besten Kommentare.

Wir müssen nur genug Arbeitsplätze für die eigene Bevölkerung stellen und nicht zusätzlich für halb Süddeutschland»: Meinung zur Einwanderungspolitik der Schweiz.

Wir müssen nur genug Arbeitsplätze für die eigene Bevölkerung stellen und nicht zusätzlich für halb Süddeutschland»: Meinung zur Einwanderungspolitik der Schweiz.
Bild: Keystone

«Da haben wir uns ein Riesenproblem eingebrockt», bilanziert Professor Eichenberger zu den Auswirkungen der Personenfreizügigkeit. Die Leute kämen scharenweise in die Schweiz. Der Lohndruck steige deutlich. Leser Stefan Bucher applaudiert: «Was haben die Euroturbos uns doch alles versprochen und uns hinters Licht geführt. Ein mutiger Artikel, der ein Tabu anspricht.» Leser Matthias Erzinger jedoch schreibt: «Da ist der Tages-Anzeiger aber der SVP-PR-Strategie mit sogenannten unabhängigen Experten ganz schön auf den Leim gekrochen.» Und meint, dies sei eine pauschale, undifferenzierte und unpräzise Angstmacherei.

In seinem Kommentar meint Leser Martin Müller: «Mehr Menschen bedeutet mehr Markt und mehr Dienstleistungen, der Wirtschaftsraum wächst. Früher oder später sinken also die Arbeitslosenzahlen wieder.» Das sieht Roland Meier gar nicht so: «Was interessiert uns ein hohes Wirtschaftswachstum? Dann kommen halt Google und Co. nicht in die Schweiz. Na und? Wir müssen nur genug Arbeitsplätze für die eigene Bevölkerung stellen und nicht zusätzlich für halb Süddeutschland.»

Aus dem grossen Kanton

Und Luki Müller erzählt: «Mir als Schweizer wurde vor 4 Jahren bei einer hiesigen Versicherungsgesellschaft aus ‹reorganisatorischen Gründen› gekündigt. Meine Stelle wurde selbstverständlich durch einen Arbeitnehmer aus dem grossen Kanton besetzt! Allen Befürwortern der Personenfreizügigkeit wünsche ich, dass sie selbst einmal durch einen Arbeitnehmer aus dem EU-Raum ersetzt werden. Vielen herzlichen Dank an die Euro-Turbos.»

Leser Andreas D. Meier entgegnet: «Im Gesundheitswesen ist es schwierig, genügend qualifizierte Schweizer zu finden. Wer wird in einigen Jahren in die Sozialversicherungen einzahlen und die immer zahlreicher werdenden alten Menschen pflegen?» Und Simon Marti ergänzt: «Jeder weiss doch, dass alle alternden Industriegesellschaften qualifizierte Zuwanderung dringend benötigen, um wirtschaftlich zu wachsen. Warum sollte das in der Schweiz anders sein? Und dafür, dass Schweizer für die gleiche Arbeit keine höheren Lohnforderungen stellen können als Ausländer, dafür gibt es ein Wort: Gerechtigkeit.» Leser Samuel Meier gibt sich kämpferisch: «Die Zeiten ändern sich langsam und es ist ein Wandel den wir alle nicht aufhalten können. Wichtig wird, dass man schaut, dass man im Rennen bleibt. Darum sich ausbilden und schauen, dass man auf dem Arbeitsmarkt attraktiv bleibt.»

«Viel, viel spannender»

Leicht anders sieht es Tim Thalmann: «Die Schweiz ist in Europa angekommen. 20 Jahre nach dem Mauerfall begreift der Eidgenosse, dass die Sonderrolle der Schweiz nicht mehr akzeptiert wird. Und das ist gut so: Denn ausserhalb der Ländergrenzen ist es bunter, vielschichtiger und bei allen Unzulänglichkeiten – viel, viel spannender. Doof nur – angekommen heisst auch, dass sich alles auf europäischem Niveau nivelliert, also auch Löhne und Preise.»

Leser Marino Schönenberger meint: «Nur mit Panikmache wurden die Freizügigkeitsabkommen durchgeboxt. Es ist immer dieselbe alte Drohung: Wenn ihr nicht ja sagt, dann... Wir Schweizer begreifen es immer erst, wenn es fünf vor zwölf ist. Der Schweizer ist wohl der einzige Mensch auf Erden, der es immer erst allen anderen rechtmachen will. Mehr Egoismus täte unserer Nation wahrlich gut.»

«Neoliberaler Turbo»

Ein Jürg Schmid äussert sich zum interviewten Professor Eichenberger: «Wer auch liest was Reiner Eichenberger sonst so tut und schreibt, merkt dass er ein neoliberaler Turbo ist. Somit der letzte, auf den ein Arbeitnehmer hören sollte. Er passt bestens zu den Kreisen, die auf den Profit und nicht das Landesinteresse schauen.»

Einen der kürzesten Kommentare schrieb Hansjürg Meier: «Good morning Schweiz. Endlich aufgewacht?» (sam)

Erstellt: 25.11.2009, 11:39 Uhr

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