Schweiz

«Göldis Begnadigung wird wahrscheinlich erkauft»

Aktualisiert am 23.02.2010

Der Libyen-Kenner Jean Ziegler glaubt, dass Göldi noch vor Mai freikommen könnte – allerdings nicht ohne Gegenleistung.

«Vor der Uno-Generalversammlung kann man keine Wahl gewinnen, wenn man Völkerrecht bricht»: Jean Ziegler.

«Vor der Uno-Generalversammlung kann man keine Wahl gewinnen, wenn man Völkerrecht bricht»: Jean Ziegler. (Bild: Keystone)

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Der Genfer Soziologe, Libyen-Kenner und Autor des Buches «Der Hass auf den Westen» Jean Ziegler glaubt, dass in der nächsten Phase der Geiselaffäre Geld eine Rolle spielen wird. «Die Begnadigung von Max Göldi wird wahrscheinlich erkauft», sagt er. Göldi arbeitet für den Technologiekonzern ABB, (ABBN 15.61 0.13%) der in Libyen Projekte mit einem Auftragsvolumen im zweistelligen Millionenbereich laufen hat und daher erpressbar sei.

Ziegler ist überzeugt, dass die Libyer das Feld bis im Mai auf pragmatische Art und Weise bereinigen werden: Dann finden nämlich die Wahlen in den Uno-Menschenrechtsrat statt, in den Libyen unbedingt aufgenommen werden will. «Vor der Uno-Generalversammlung kann man keine Wahl gewinnen, wenn man Völkerrecht bricht, zum Beispiel mit Geiselnahmen», so Ziegler.

Göldi als Bauernopfer

Verschiedene Beobachter deuten die spektakulär inszenierte Festnahme von Max Göldi als Propaganda-Aktion des libyschen Machthabers Moammar al-Ghadhafi. Ein Grossaufgebot der Polizei drohte am Montag erst damit, die Schweizer Vertretung zu stürmen und führte anschliessend den ehemaligen ABB-Mitarbeiter wie einen Schwerverbrecher in Handschellen ab. Wegen angeblicher Missachtung libyscher Visabestimmungen soll er vier Monate im Gefängnis absitzen - nachdem er bereits 19 Monate festgehalten wurde.

Göldi sei ein «Bauernopfer», das seinen Kopf für die Ghadhafi-Affäre hinhalten müsse, urteilte Amnesty International. Der Geschäftsmann sei ganz einfach im falschen Moment am falschen Ort gewesen. Die Anklage gegen ihn sei unbegründet, das Verfahren unfair gewesen.

Frage der Ehre

Ungeachtet der Kritik will Ghadhafi den Anschein erwecken, sein Land verfüge über ein unabhängiges Justizsystem. In Tat und Wahrheit dient ihm Göldi als Pfand im Kampf um die Ehre seines Sohnes Hannibal und im diplomatischen Zwist um dessen Verhaftung in Genf.

Die Schweizer Regierung lässt die Propaganda Libyens vorerst über sich ergehen. Sie ist zum Schweigen verdammt, um Göldi nicht weiter zu gefährden. Ihr einziger Trumpf bleibt die Aufrechterhaltung der Sperren für Schengenvisa, welche die libysche Elite offenbar hart trifft.

(cha/oku/sda)

Erstellt: 23.02.2010, 18:07 Uhr

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