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Schweiz

«Ghadhafi fügt Libyen grossen Schaden zu»

Der libysche Diktator opfert das wirtschaftliche Wohlergehen seines Landes, um seine Rachegelüste zu befriedigen. Nicht alle im Land freue das, sagt Libyen-Experte Beat Stauffer.

Rief den Jihad gegen die Schweiz aus: Muammar al-Ghadhafi an einer Feier zu Ehren des Propheten Mohammed vor einer Woche.

Rief den Jihad gegen die Schweiz aus: Muammar al-Ghadhafi an einer Feier zu Ehren des Propheten Mohammed vor einer Woche.
Bild: Keystone

«Der libysche Herrscher betreibt keine rationale Politik»: Beat Stauffer.

«Der libysche Herrscher betreibt keine rationale Politik»: Beat Stauffer.

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Beat Stauffer

Beat Stauffer ist als freischaffender Journalist für verschiedene Medien tätig, so etwa für die «Neue Zürcher Zeitung» und Schweizer Radio DRS. Sein Spezialgebiet ist Nordafrika, mit den Schwerpunkten Libyen, Integration und Islam.

Der libysche Aussenminister sagte gestern, die Krise mit der Schweiz werde bald gelöst. Am Abend jedoch verhängte Ghadhafi ein Wirtschaftsembargo gegen die Schweiz. Was geht im Regime vor?
Nach der Kritik aus den USA wegen des Jihad-Aufrufs gegen die Schweiz wollte Muammar al-Ghadhafi wohl unter Beweis stellen, dass er zu mehr als nur verbalen Kraftmeiereien imstande ist. Dies tut er, indem er den Jihad auf wirtschaftlicher Ebene umsetzt und den Handel mit der Schweiz einstellt. Dass das libysche Regime widersprüchliche Signale aussendet, ist nicht neu. Eher ungewöhnlich ist, dass Muammar al-Ghadhafi nun aber seinen Aussenminister derart desavouiert.

Was will Ghadhafi mit seinem Hin und Her erreichen?
Der libysche Herrscher betreibt keine rationale Politik. Ghadhafi scheint sich in erster Linie von Rachegelüsten leiten zu lassen, die Interessen seines Landes sind ihm offenbar egal.

Letztlich schadet das Wirtschaftsembargo Libyen mehr als der Schweiz.
Ja. Ghadhafi wird mittelfristig Probleme mit einem Teil der Bevölkerung bekommen. Die libyschen Unternehmer ärgern sich ungemein über die Politik des Diktators, sie haben die Nase voll. Wenn die libysche Bevölkerung merken wird, welchen Preis sie für Ghadhafis unsinnige Politik zu zahlen hat, wird ihm das schaden. Libyen ist angewiesen auf Investoren aus dem Ausland. Diese werden sich jedoch zweimal überlegen, ob sie den Schritt nach Libyen wagen. Ghadhafi fügt seinem Land grossen Schaden zu.

Experten glauben, dass im Ghadhafi-Clan ein Machtkampf um die Nachfolge des Diktators entbrannt ist.
Die Tatsache, dass Ghadhafi aufs Ganze geht und sich mit der Ausrufung des Jihad auch als islamischer Herrscher positionieren will, lässt sich nur innenpolitisch erklären. Um Rache an der Schweiz zu nehmen, könnte er ja einfach Geldforderungen stellen. Mit seiner Kriegserklärung versucht er, die konservativen und die islamistischen Libyer auf seine Seite zu ziehen. Die Frage ist nur, ob Ghadhafi seine Glaubwürdigkeit nicht schon längst verspielt hat.

Welche Rolle spielen Ghadhafis Söhne Saif-al-Islam und Hannibal?
Beide Söhne haben unlängst ihre Richtung gewechselt. Saif-al-Islam Ghadhafi, das bis anhin prowestliche Aushängeschild des Regimes, hat unlängst einen Positionswechsel vorgenommen. Der Anwärter auf die Nachfolge seines Vaters verfolgt nun aus machtpolitischen Gründen einen konservativeren Weg. Ihm gegenüber steht sein jüngerer Bruder Mutassim Bilah. Dieser wurde zum Sicherheitsberater des Vaters befördert. Hannibal jedoch zählt nicht zu den Anwärtern auf den Thron. Er ist vor allem als «Enfant terrible» und Lebemann in Erscheinung getreten. Beim PR-Treffen mit Max Göldi mimte er den barmherzigen Sohn des Staatschefs, der zu vermitteln versucht.

Wackelt Ghadhafis Thron?
Wie der Machtkampf ausgehen wird, weiss niemand. Der Ghadhafi-Clan kontrolliert die Armee und die Geheimdienste. Die Sicherheitskräfte könnten zurzeit jeden Aufstand niederschlagen. Man darf nicht vergessen, dass mehrere Hunderttausende Libyer Nutzniesser dieses Systems sind; die wollen ihre Privilegien nicht verlieren. Ghadhafi verteilt Milliarden pro Jahr in Form von Löhnen und Renten. Wie gross der Widerstand gegen sein Regime in Libyen ist, ist daher ausserordentlich schwer zu sagen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.03.2010, 14:09 Uhr

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