Für die AHV-plus-Initiative wird es knapp

Junge lehnen höhere Renten klar ab, Alte sind dafür. Das zeigt die neuste Tamedia-Umfrage. Auch die Initiative «Grüne Wirtschaft» findet keine Mehrheit mehr.

TA-Grafik ib / Quelle: Tamedia-Abstimmungsumfrage. Zum Vergrössern anklicken.

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Ihre besten Tage haben die Initianten fast jeder Volksinitiative zu Beginn ihrer Kampagne. Dann, wenn alles möglich, eine Mehrheit greifbar ist. Den Gewerkschaften mit ihrer AHV-plus-Initiative erging es genau so: Noch vor einem Monat schien ein Sieg an der Urne realistisch, doch inzwischen ist die Unterstützung deutlich gesunken. 49 Prozent stimmen dem Anliegen zu, 49 Prozent lehnen es ab, 2 Prozent sind unentschieden: Das ist das Resultat der dritten Welle der Tamedia-Umfrage zu den eidgenössischen Abstimmungen vom 25. September.

Damit bestätigt sich der Abwärtstrend, den bereits die letzte Erhebung angedeutet hatte. Eine Mehrheit findet die AHV-plus-Initiative nur im links-grünen Lager – allerdings ist auch dieses nicht geschlossen. 73 Prozent der SP- und 74 Prozent der Grünen-Wähler stimmen der Initiative zu, Tendenz leicht steigend. Immer noch recht grosse Sympathien hat sie auch bei Wählern der BDP (44 Prozent Ja-Stimmende), der SVP (42 Prozent) und der CVP (41 Prozent).

Deutlicher Altersgraben

Mehr als 65 Prozent der Teilnehmer, die 65 Jahre oder älter sind, befürworten die von der Initiative verlangte Erhöhung der Renten um 10 Prozent. Auch die 50- bis 64-Jährigen sprechen sich mit 63 Prozent klar für die Initiative aus. Ganz anders die Jungen: Bei den 18- bis 34-Jährigen fällt die Initiative durch. Nur 26 Prozent sind dafür. Auch die Gruppe der 35- bis 49-Jährigen lehnt das Anliegen ab.

Bei den Gewerkschaften hat man eine Erklärung für diesen Unterschied. «Die Gegner reden mit durchsichtigen Motiven einen Generationenkonflikt herbei», sagt Paul Rechsteiner, SP-Ständerat und Präsident des Gewerkschaftsbunds. Dabei müssten gerade die Jungen ein Interesse an höheren AHV-Renten haben: Weil die Umwandlungssätze bei den Pensionskassen stark gesenkt würden, blieben künftigen Rentnern keine anständigen Leistungen aus der zweiten Säule mehr. «Diesen Punkt verschweigen die Gegner komplett.» Die Bürgerlichen sehen sich bestätigt. Auch an der Basis seiner Partei werde zunehmend klar, dass eine Erhöhung der AHV-Renten den Fortbestand des Alterswerks insgesamt gefährde, sagt SVP-Nationalrat Thomas de Courten. Nichts gebracht habe offensichtlich auch der «linke Aufschrei» über den kürzlichen Beschluss der nationalrätlichen Gesundheitskommission, das Rentenalter 67 in die laufende AHV-Reform einzubauen: «Man hat verstanden, dass das eine Notmassnahme wäre, die frühestens 2036 greifen würde.»

Noch klarer fällt der Umfragetrend bei der Volksinitiative «Grüne Wirtschaft» aus, mit der die Grünen die Umweltbelastung in der Schweiz bis 2050 um zwei Drittel senken wollen. Auch dieses Anliegen fand in der letzten Tamedia-Abstimmungsumfrage noch eine Mehrheit, wenn auch nur eine relative. Inzwischen wird sie noch von 42 Prozent der Befragten befürwortet, 52 Prozent lehnen sie ab.

Besonders gross ist das Nein bei den Anhängern von SVP und FDP, die sich mit 77 respektive 81 Prozent dagegen aussprechen. Noch sei die Sache nicht entschieden, sagt Grünen-Fraktionschef ­Balthasar Glättli. Er hofft, dass sich Wortmeldungen wie jene des Roche-Erben André Hoffmann auszahlen, der sich für die Initiative aussprach: «Das Streben nach einer nachhaltigen Wirtschaft ist keine Frage von links und rechts.»

Gefestigt scheint inzwischen die Haltung zum Nachrichtendienstgesetz: Die Zustimmung ist mit 58 Prozent unverändert hoch. Die Befragung zur dritten Welle der Tamedia-Umfrage fand vom 8. bis 10. September online statt. Teilgenommen haben knapp 14 000 Personen aus der ganzen Schweiz.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2016, 20:41 Uhr

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