Schweiz

Für den Wolf zieht sich die Schlinge in der Schweiz zu

Von Richard Diethelm, Lausanne. Aktualisiert am 28.07.2010 13 Kommentare

Zwei Angriffe auf einer Rinderalp im Wallis sind ideale Argumente für die Wolfsgegner. In der politischen Debatte um Isegrimm könnte Frankreich Vorbild sein.

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Wars der Wolf? Das gerissene Rind auf einer Alp im Wallis. (Bild: Le Nouvelliste)

Seine Feinde mehren sich: Wolf in der Schweiz. (Bild: Keystone )

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Ein oder zwei Wölfe fielen letzte Woche auf einer Alp oberhalb der Ferienstation Aminona zwei Rinder an. Nach Aussagen des Pächters der Alp in der Walliser Presse, wurde ein über 200 kg schweres Rind von hinten angegriffen und getötet. Das andere Rind überlebte die Attacke mit diversen Verletzungen. Erst wenn die Ergebnisse der laufenden Analyse von DNA-Proben vorliegen, wird man zweifelsfrei wissen, ob das Raubtier ein Wolf war. Der Adjunkt des Walliser Jagddienstes, Jacques Blanc, hegt aber keine Zweifel: «Wildhüter schliessen aufgrund von Spuren vor Ort auf einen Wolf. Sie haben sich noch nie getäuscht.»

Deutlich weniger Wolfsrisse

Laut Thomas Briner von der Sektion Jagd, Wildtiere und Waldbiodiversität im Bundesamt für Umwelt (Bafu) greift ein Wolf sehr selten Grossvieh an. Bisher gab es in der Schweiz vereinzelte Risse von Kälbern. «Wölfe ernähren sich zur Hauptsache von Wildtieren. Aber wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet, reissen sie Schafe und Ziegen», sagt Briner.

Gemäss der Bafu-Statistik über Entschädigungszahlungen an Schaf- und Ziegenhalter, rissen Wölfe im letzten Jahr etwas mehr als 350 Tiere. Davor wurden zwischen 100 und 200 Nutztiere pro Jahr getötet. Im laufenden Jahr registrierte das Bafu bisher «deutlich weniger» Wolfsrisse als im Vorjahr.

Fournier eifrigster «Jäger»

Gleichwohl heizen die mutmasslichen Wolfsangriffe auf Rinder die Debatte an, ob der Wolf in der Schweiz zu streng geschützt sei. Auf Bundesebene sind derzeit zehn parlamentarische Vorstösse hängig. Besonders eifrig jagt Ständerat Jean-René Fournier (CVP) politisch das europaweit geschützte Tier. Fournier hatte in seinem früheren Amt als Walliser Staatsrat nationales Aufsehen erregt, als er im November 2006 trotz eines hängigen Rekurses des WWF eine Abschussbewilligung erteilte und später in seinem Büro den erlegten und ausgestopften Wolf aufstellte.

In der Juni-Session des Ständerats erzielte Fournier in seinem Kampf gegen den angeblich zu rigorosen Schutz des Wolfs einen Teilerfolg. Dank den Stimmen aus den anderen Bergkantonen hiess der Rat eine Motion Fourniers gut. Sie beauftragt den Bundesrat, Verpflichtungen zu relativieren, welche die Schweiz 1980 bei der Unterzeichnung des Übereinkommens über die Erhaltung der europäischen wild lebenden Pflanzen und Tiere eingegangen war. Die von 48 Staaten unterzeichnete «Berner Konvention» führt den Wolf als «streng geschützte Tierart».

Fournier will erreichen, dass die Schweiz einen Vorbehalt zu dieser Konvention anbringt. Danach dürfte der Wolf in der Schweiz wieder gejagt werden, damit «seine starken negativen Auswirkungen auf Nutztiere, auf alle anderen Güter und auf Jagd und Tourismus verhindert werden können». Bezüglich der Stossrichtung der Motion erklärte sich Umweltminister Moritz Leuenberger «völlig einverstanden». Er lehnte aber Fourniers Forderung ab, diese Konvention zum Schutz der ganzen Biodiversität zu kündigen, falls die Partnerstaaten den gewünschten Vorbehalt ablehnen. Im Nationalrat beantragt eine Mehrheit der vorberatenden Kommission, die Kündigung aus dem Motionstext zu streichen.

Frankreich als Vorbild?

Der WWF Schweiz hält es für verfehlt, die Berner Konvention aufzuweichen oder die Jagdverordnung so zu ändern, damit Wölfe nach Schafrissen leichter abgeschossen werden können. «Man darf nicht regulierend eingreifen, bevor sich kein tragfähiger Wolfbestand gebildet hat», sagt Sprecher Stefan Inderbitzin. Priorität räumen der WWF sowie grüne und linke Politiker dem Herdenschutz von Schafen und anderen Nutztieren ein, der in den letzten Jahren ausgebaut wurde.

Um den Konflikt zwischen Wolfschutz und Berglandwirtschaft zu entschärfen, kann sich der WWF einzig mit einer Motion des Bündner BDP-Nationalrats Hansjörg Hassler anfreunden. Er fordert ein international abgestimmtes Grossraubtiermanagement, «um Schäden von Wolf, Luchs und Bär langfristig zu minimieren».

Hassler nimmt das französische Wolfsmanagement zum Vorbild, das die Vorgaben der Berner Konvention erfüllt. In Frankreich dürfen Hirten in offiziell anerkannten Gebieten mit hohen Schäden Wölfe abschiessen. Zudem ist es in Regionen mit einem tragfähigen Bestand an Grossraubtieren erlaubt, jährlich 5 bis 15 Prozent der Tiere abzuschiessen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.07.2010, 11:14 Uhr

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13 Kommentare

Alina Remund

29.07.2010, 17:19 Uhr
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@Daniel Jaggi: Sehr interessant, dass gerade eine Person wie Sie uns Wolfsbefürwortern vorhält , keine Ahnung von der Natur zu haben. Wenn Sie wirklich über ein solches Wissen verfügen, dann sollten Sie auch darüber Bescheid wissen, wie Wichtig der Wolf für die Natur is!. Nehmen Sie sich mal die Zeit und recherchieren Sie! Sie werden staunen wie sich Ihr Horizont plötzlich erweitern wird! :-) Antworten


Ruedi Lais

29.07.2010, 10:15 Uhr
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@Hans Meier. Am 11.07.2007 hat Rot-Grün im Nationalrat GEGEN die Subventionierung der Schafwolle-Entsorgung gestimmt. Das war die bisher letzte Abstimmung in dieser Sache. @Jaggi. Ich kenne die Schafgebiete in den Südalpen sehr gut. Die Subventionsschafe im Sopraceneri suchen auf Gräten und Gipfeln von 1800-2400m Kühlung. Dort ist alles mit Schafmist bedeckt und stinkt zum Himmel. Antworten


Patrik Walther

29.07.2010, 10:00 Uhr
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@Jaggi: Mensch&Reichtum über alles? Erdöl, Regenwaldholz, Artenvernichtung... Gebrüder Grimm und viele Andere haben uns beigebracht den Wolf zu fürchten. Eine gnadenlose Ausrottung die Ihresgleichen sucht war die Folge. Der Testjäger wäre langfristig ein Gewinn für das biologische Gleichgewicht - etwas Respekt vor diesem bitte!. Ein achtvolles Nebeneinader wie z.B. in den Abruzzen geht. Antworten


Alina Remund

28.07.2010, 21:44 Uhr
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Streicht endlich die Subventionen für die Schaf- und Viehzüchter. Warum braucht es heute in der Schweiz noch soviele Schafe, wenn deren Wolle kaum noch sinnvoll genützt wird. In meinen Augen geht es hier um nichts anderes als um Protektionismus einer Hobb- Lobby. Ich persönlich heisse den Wolf herzlich willkomen. Antworten


Daniel Jaggi

28.07.2010, 21:38 Uhr
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Es ist zu hoffen, dass die Walliser kurzen Prozess mit dem Wolf machen. Solche Raubtiere haben in der von den Befürwortern der Raubtiere überbauten Schweiz leider keinen Platz. Dieselben Kreise haben keinen Schimmer mehr von der Natur. Wanderer denen ein bisschen Schafmist auf dem Weg ein Problem bereitet, gehören eindeutig nicht in die Natur, sondern auf geteerte Pfade! Antworten


Maria Halder

28.07.2010, 20:45 Uhr
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Wenn die Bergbauern so eifrig jegliche Schutzmassnahmen bekaempfen, sollten wir sofort die Subventionen streichen. Besonders im Wallis koennen damit Unsummen gespart werden. Antworten


Hans Meier

28.07.2010, 20:19 Uhr
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@Lais Das schlimmste und für mich unbegreiflich ist, das Rot-Grün weiterhin diese Umweltzerstörung durch die Landwirtschaft im Parlament brav ab nickt. Selbst wenn sogar Naturschutz-Subvention ins Gegenteil verkehrt werden. In meiner Wohngemeinde wurden z.Bsp. bestehende Hecken abgeholzt und neue mit Subventionen angepflanzt. Mit Subventionstreichungen könnte oft mehr erreicht werden. Antworten


Rolf Schumacher

28.07.2010, 15:11 Uhr
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@Lais: Danke für die Aussage. Es sieht auf der Schrattenfluh (Biosphärenreservat, Entlebuch), Sichlen, Eriz-Hogantgebiet (ebenfalls zertifizierte Region) und im Gantrischgebiet nicht besser aus. Sind alles wunderschöne Landschaften, aber in Kuh- und Schafmist getunkt. Antworten


Ruedi Lais

28.07.2010, 14:32 Uhr
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Ich war am Sonntag auf dem Marmontana, dem südlichsten Gipfel Graubündens, der für ein paar seltene Alpinpflanzen bekannt war. Die gesamte Gipfelregion ist mit mind. 5cm Schafsmist bedeckt und stinkt erbärmlich. Die Alpenflora ist bis auf ein paar extrem Nitrat-tolerante Arten vernichtet. Und für die unbeaufsichtigten Schafe bezahlen wir Unsummen an Subventionen! Da ist mir der Wolf lieber. Antworten


Hans Meier

28.07.2010, 13:32 Uhr
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Alleine für die Schafhaltung kassieren die Bauern fast 100 Millionen. 10'000 Schafe sterben jedes Jahr, der Wolf ist gerade für 1.8% verantwortlich. Der Rest krepiert an Krankheiten (wo bleibt da die Überwachung), Wetterumstürzen, Verletzungen und Hunde. Streicht diese Subventionen, bei den Kühen liegt noch viel mehr drin. Das wäre Wolfschutz kombiniert mit sparen. Eine Win-Win-Situation. Antworten


Giacomo Maggio

28.07.2010, 12:34 Uhr
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Ich kenne den Wolf aus Alaska, Kanada, den rumänischen und polnischen Karpaten. Ich respektiere den Wolf, denke für ihn, bin ein Freund des Wolfes. WWF und ProNatura erheben permanent Forderungen zum Wolfsschutz zu Lasten der Steuerzahler oder Tierhalter, ohne finanzielle Eigenleistung. Ich kann in der ausgelaugten Kulturlandschaft der Schweiz keinen problemfreien Wolfs-Lebensraum erkennen. Antworten


Pius Tschirky

28.07.2010, 12:23 Uhr
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Warum muss man eigentlich all diesen Kühen die Hörner absägen? Es wäre eine natürliche Waffe, um sich gegen einen Wolf zu wehren. Dazu sind die Hörner einer Kuh eigentlich da. Bauern, die das tun, sollten eigentlich besser zu diesen Tieren schauen, weil eine Kuh ohne Hörner einfach mehr oder weniger wehrlos ist. Antworten


Gaby Müller

28.07.2010, 11:27 Uhr
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Ich möchte nur daran erinnern, dass der Wolf vor uns da gewesen war. Es wird doch wohl möglich sein, dass Wölfe und Bären wieder Platz in der Schweiz finden. Da müssen die Bergbauern halt umdenken und von der unbeaufsichtigten Viehwirtschaft in den Alpen weg kommen. Es wäre besser, der Staat würde solche Massnahmen subventionieren als sonstigen Schabernack. Antworten



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