«Flugzeughersteller versprechen generell mehr, als sie halten können»
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Norwegen hat den Beschaffungsentscheid bereits hinter sich, indem sich das Nachbarland Schwedens 2008 für den Joint Strike Fighter (JSF) F-35 aus den USA entschied. Der schwedische Gripen der Firma Saab ( 17 -23.94%) steht neben der französischen Rafale (Dassault) und dem Eurofighter (EADS) auch in der Schweiz im Beschaffungswettbewerb.
Generalmajor Geir Harildstad war in Norwegen als Chef der «Norwegian Defencematerial-Agency» (Rüstungschef) federführend am langwierigen Beschaffungsentscheid beteiligt.
Weshalb ist der schwedische Mitbewerber Gripen in Ihrem Auswahlverfahren unterlegen?
Der Gripen New Generation erfüllte die operationellen und technischen Anforderungen Norwegens nicht. Ursprünglich wollte die Armee den Gripen gar nicht mehr in eine zweite Auswahlphase aufnehmen. Allein auf Druck aus dem linken politischen Spektrum wurde der Gripen erneut geprüft. Das Urteil nach einer seriösen Evaluation, die von unabhängiger Seite verfahrenstechnisch und rechtlich überwacht wurde, war eindeutig: Die Kampfkraft des Gripen war ungenügend.
Saab wirbt in der Schweiz für seinen Gripen mit dem günstigsten Angebot und dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Spielten Kostenüberlegungen bei Ihnen keine Rolle?
Natürlich. Aber unsere Kostenberechnungen deckten sich wohl nicht mit jenen in der schwedischen Offerte. Wir gewichteten die Lebensdauerkosten in unserer Evaluation stark. Aufgrund der geringen Stückzahl des Gripen in der Konfiguration New Generation, mussten wir mit hohen Kosten für künftige Updates und Weiterentwicklungen rechnen. Der Stückpreis bei der Anschaffung war lediglich einer von vielen Kostenfaktoren.
Viele Leute waren durch die Versprechen Saabs beeindruckt. Offensichtlich war, dass Saab versuchte, die Politik mit anderen als technischen Argumenten zu gewinnen. Hätten wir von Saab ein Stück Mond verlangt, hätten sie uns wohl auch dieses in Aussicht gestellt. Flugzeughersteller versprechen generell mehr, als sie halten können. Deshalb müssen solche Versprechen genau überprüft werden.
Die Schweiz hält die Resultate ihrer Evaluation durch Armasuisse geheim. War das in Norwegen auch so?
Nein. Aufgrund des Evaluationsberichts zuhanden des Verteidigungsministeriums gab der Premierminister das Ergebnis öffentlich bekannt. Er begründete aufgrund politischer Forderungen nach dem Gripen New Generation auch dessen Nichtberücksichtigung wegen mangelnder Kampfkraft öffentlich. Und er erklärte, weshalb die Wahl auf den JSF fiel.
Die Schweiz wählt zwischen Eurofighter, Rafale und Gripen. Welches ist das beste Flugzeug?
Da masse ich mir kein Urteil an, denn die Schweiz muss aufgrund ihrer operationellen und technischen Anforderungen selbst entscheiden. Da kann und will ich nichts empfehlen. Klar ist aber, dass Rafale und Eurofighter Flugzeuge der fünften Generation sind, während der Gripen als ein Flugzeug der vierten Generation angesehen wird.
Ein Sicherheitspolitiker argumentierte, die Schweizer Luftwaffe brauche keinen teuren Ferrari ...
... diesen Vergleich erachte ich als unzulässig. Wir sprechen hier nicht über teure und schöne Sportwagen für Sonntagsausflüge, sondern von Waffensystemen, die Piloten Auftragserfüllung und Überleben ermöglichen müssen. Als ehemaliger Pilot und Luftwaffenoffizier gibt es für mich nur eine Lösung: Die beste. Der Zweitbeste verliert den Kampf. Silbermedaillen werden posthum verliehen, sagten wir jeweils unter Piloten.
Kampfflugzeuge sind 30 bis 40 Jahre in Betrieb. Da ist es doch gar nicht möglich, technisch immer an der Spitze zu sein.
Entscheidend sind dabei die Möglichkeiten für laufende technische Updates und Systemanpassungen. Das muss zu akzeptablen Kosten gewährleistet sein.
Wie schätzen Sie die Zukunftschancen der europäischen Kampfflugzeugindustrie ein, die in Konkurrenz zu den USA, China und Russland steht?
Trotz global steigender Rüstungsausgaben könnte es längerfristig sein, dass ein einziges europäisches Konsortium der Konkurrenz aus Amerika, Russland und China gegenüber steht. Das Selbstverständnis der Franzosen schätze ich so stark ein, dass Dassault gute Überlebenschancen haben wird. Frankreich will eine eigenständige Kampfflugzeugindustrie erhalten und möglichst unabhängig von den USA bleiben. Saab dürfte demgegenüber zu klein sein um als unabhängiger Flugzeughersteller langfristig zu überleben. Dies könnte die Weiterentwicklung bestehender Modelle eines Tages beeinträchtigen. (Basler Zeitung)
Erstellt: 11.09.2011, 00:24 Uhr
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