Schweiz

Fischzüchter Hans Raab meldet sich zurück

Von Antonio Cortesi. Aktualisiert am 07.01.2010 5 Kommentare

Der deutsche Multimillionär hat den Betrieb seiner Melander-Farm im St. Galler Rheintal nie ganz eingestellt. Jetzt hat er angeblich eine Schlachtmethode entwickelt, die mit dem Tierschutzgesetz konform ist.

Hans Raab bei der Eröffnung seiner Melander-Farm 2008.

Tom Kawara

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Auf der Homepage der Melander-Fischfarm im sankt-gallischen Oberriet ist noch immer die kurze Stellungnahme vom letzten April aufgeschaltet. Darin warnt Hans Raab deutsche Unternehmer davor, in der Schweiz zu investieren: «Sie werden wahrscheinlich wie ich der Wirtschaftskriminalität verfallen und werden enteignet werden.» Sodann bezichtigt Raab die Medien einer «Rufmordkampagne» und schliesst resigniert: «Die Melander-Fischfarm wird künftig eine Ruine sein.»

Man erinnert sich: Weil die Methode der Fischtötung dem Schweizer Tierschutzgesetz widersprach, musste der lange unbeugsame Raab nach einem spektakulären Kampf mit den Behörden klein beigeben. Er werde nun alle 400 000 Melander der Fischfarm gesetzeskonform töten und sich danach ins Saarland zurückziehen, versprach er damals. Zurück bleiben werde eine Investitionsruine im Wert von 40 Millionen Franken.

Raabs Anwälte stehen bereit

Jetzt meldet sich Raab überraschend zurück. Was genau der Erfinder der Ha-Ra-Putzmittel im Schilde führt, bleibt vorerst unklar. Einem Journalisten der Lokalzeitung «Der Rheintaler» sagte er offenbar, er werde die Produktion wieder hochfahren. Und: Die Tötung der Welse werde künftig «gegen kein Gesetz verstossen».

Tatsache ist jedenfalls, dass Raab die Fischzucht in der Melander-Farm entgegen seinen Beteuerungen nie ganz aufgegeben hat. Dies bestätigt der Oberrieter Gemeindepräsident Walter Hess. Für den «Tages-Anzeiger» war Raab gestern nicht zu sprechen. Dafür seine Frau Pia. Sie beschränkte sich auf den Hinweis, dass man «zusammen mit unseren Anwälten» demnächst über die neuen Pläne informieren werde.

Tötungsverfahren mit dem Gesetz konform

Hans Raab hat sowohl Behörden wie Medien wiederholt provoziert und genarrt. Die zentrale Frage ist, ob er tatsächlich für seine Melander ein Tötungsverfahren gefunden hat, das sowohl mit dem Gesetz konform ist als auch mit den Anforderungen einer industriellen Massenschlachtung. Das Gesetz schreibt vor, dass die Tiere vor dem Töten betäubt werden – sei es durch mechanische Zerstörung des Gehirns oder mittels Elektroschock.

Für eine Massenproduktion wäre eine Anlage mit elektrischer Betäubung geeignet, wie sie beispielsweise in Holland bei Lachsen angewendet wird. Allerdings sind beim Melander wegen dessen dicker Haut stärkere Stromstösse nötig. Dadurch werde das Fleisch matschig und für die Verarbeitung unbrauchbar, hatte Raab stets betont. Er schwor deshalb auf seine eigene, in der Schweiz und in Deutschland verbotene Tötungsmethode. Dabei werden die in 27 Grad warmem Wasser schwimmenden Welse auf 10 Grad heruntergekühlt und dann in einer sich langsam drehenden, mit Eisscherben gefüllten Trommel entschleimt. Danach werden sie maschinell geschlachtet.

Tötungsmethode erfunden?

Raab müsste also über seinen Schatten springen und sich doch für die elektrische Betäubung entscheiden. Oder aber der Inhaber von insgesamt 220 Patenten hat inzwischen ein mechanisches Verfahren erfunden, das sich für die Massenbetäubung eignet. Laut Experten steht ein solches Verfahren derzeit auf dem Markt nicht zur Verfügung.

Bei der Tierschutzorganisation FairFisch verfolgt man Raabs neuste Pläne mit wachsamem Auge. «Solange sich der Mann ans Gesetz hält, werden wir nicht intervenieren», sagt Heinzpeter Studer. Er glaubt nicht, dass die Fischfabrik je rentieren wird. «Raab ist ja auch gescheitert, weil das Marketing mit Fischwürsten nicht funktioniert.» In Oberriet hingegen hofft man, dass es bei einem zweiten Anlauf ohne Nebengeräusche klappt. «Bei Vollbetrieb der Fischfarm gäbe es 50 neue Arbeitsplätze», freut sich Gemeindepräsident Hess.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.01.2010, 06:27 Uhr

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5 Kommentare

Res Zaugg

07.01.2010, 08:05 Uhr
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Herr Raab scheint einen schwierigen Charakter zu haben, aber seine Leistungen auf diesem Gebiet sind wohl unbestritten. Bevor nun wieder auf die Tötungsmethoden der Fische diskutiert werden. sollte auf die Hochsee-Fischfabriken verwiesen werden. Da werden tonneweise Fische in Netzen erstickt. Aber zum Glück ist das ja ganz weit weg und fern des St. Galler Tieschutzes. Antworten


Reto Senn

07.01.2010, 07:39 Uhr
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So wie sich Hr. Raab benimmt, sollte man keine Hoffnungen auf Arbeitsplätze haben. Es schient Hr. Raab kein Anliegen zu sein, den Schweizer Gesetzen (die den Deutschen entsprechen) nachzukommen. Noch scheint er einen Bezug zu Tieren zu haben. Seine aufgeschaltete Botschaft auf der Homepage spricht Bände ... da weiss man, mit was für einem Menschen man es zu tun hat. Antworten



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