Fischzüchter Hans Raab bläst zu seinem letzten Gefecht
Von Antonio Cortesi. Aktualisiert am 13.01.2010 25 Kommentare
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Hans Raab kommt nicht los von seinen Fischen. Am 27. Januar wird er es nochmals allen zeigen. Auf dieses Datum hin will er in seiner Melander-Farm in Oberriet SG die Medien einladen. Es soll ein ultimativer Auftritt werden: «Ich werde beweisen, dass ich kein Tierverbrecher, sondern ein grosser Tierfreund bin.»
Das hatte der deutsche Multimillionär und Erfinder der Ha-Ra-Putzmittel freilich schon letztes Jahr behauptet, als ihm das Veterinäramt des Kantons St. Gallen die Lizenz zum Fischtöten entzog: Die von Raab praktizierte Methode widersprach dem Tierschutzgesetz. Damit blieb Raab auf einer Investitionsruine von 40 Millionen Franken sitzen und verfluchte die Schweizer Behörden lauthals.
«Die besten Anwälte Europas»
Jetzt soll aber nichts mehr schief gehen. Denn Raab habe «die besten Tierrechtsanwälte Europas» engagiert, sagt der deutsche Fachjournalist Peter Ziegler, der seinen Landsmann medial berät. Diese sollen mit umfangreichen Gutachten beweisen, dass die Schweizer Behörden Raabs Schlachtmethode hätten bewilligen müssen und, weil sie dies unterliessen, für den wirtschaftlichen Schaden aufkommen sollen.
Federführend ist der Heidelberger Anwalt Hansjürgen Tuengerthal, ehemals Syndikus der deutschen Fleischindustrie. Im Zentrum der Klageschrift steht eine Schadenersatzforderung von 100 Millionen Franken an den Kanton St. Gallen. Belangt werden aber auch die Tierschutzorganisation Fair-Fish (wegen Ruf- und Geschäftsschädigung) und ein Schweizer Medium, das Raab angeblich als Tierfolterer bezeichnete.
Tuengerthal stützt sich auf einen Ausnahmeartikel in der Schweizer Tierschutzverordnung. Diese schreibt vor, dass Tiere vor dem Töten zwingend betäubt werden müssen – und listet für Fische vier zulässige Methoden auf. In einem separaten Artikel heisst es aber: «Das Bundesamt für Veterinärwesen (Bvet) kann nach Anhörung der kantonalen Behörden weitere zulässige Betäubungsmethoden vorsehen.»
«Einzig richtige Tötungsmethode»
Laut Tuengerthal hat es der St. Galler Kantonstierarzt Thomas Giger versäumt, beim Bund ein entsprechendes Gesuch zu stellen. Und dies, obwohl Raabs Tötungsmethode, bei der seine Welse quasi einen Erfrierungstod sterben, gesetzeskonform sei. Dazu gebe es jetzt wissenschaftliche Beweise.
Beim Kanton will man zum laufenden Verfahren nicht Stellung beziehen. Die Behörden hatten aber schon letztes Jahr betont, dass sich Raab nie um ein solches Gesuch gekümmert habe – obwohl man dem Fischzüchter schon vor Eröffnung der Melander–Farm erklärt habe, dass seine Schlachtmethode im Gesetz nicht vorgesehen sei. Auch gegenüber den Medien hatte Raab wiederholt zu verstehen gegeben, er foutiere sich um die Tierschutzverordnung. Seine Tötungsmethode sei für die Welse schlicht die einzig richtige. Laut Bvet-Sprecher Marcel Falk kann Raab sein Gesuch aber noch immer nachreichen: «Wenn es wissenschaftlich sauber dokumentiert ist, werden wir es prüfen.»
Fischzucht oder Thermalbad?
Wird der 69-jährige Raab weiter kämpfen? Oder aber in Oberriet endgültig dicht machen? «Beides ist möglich», sagt Peter Ziegler, «ob er die Klage wirklich einreicht, ist offen.» Raabs wichtigstes Ziel sei «die Rehabilitation als Tierfreund». Er sei gesundheitlich angeschlagen und überlege sich natürlich auch, ob er sich auf einen jahrelangen Rechtsstreit einlassen wolle.
Dieser dürfte in der Tat nicht einfach werden. Gegen Raab ist ein Strafverfahren wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz hängig. Zudem steht er in einem Konkursverfahren, mit Forderungen von insgesamt 300'000 Franken. Zu den Gläubigern zählen Firmen, die seinerzeit beim Bau der Fischzuchtanlage beteiligt waren.
Gibt Raab den Betrieb auf, hätte auch die Gemeinde Oberriet, die immer noch auf 50 neue Arbeitsplätze hofft, das Nachsehen. Das heisst, nicht ganz. Denn die Nutzungsrechte für das 30 Grad warme Wasser, das Raab für seine Fische aus einem 1300 Meter tiefen Bohrloch bezieht, gingen an die Gemeinde über. «Dann könnte Oberriet auf dem Gelände wenigstens ein Thermalbad einrichten», sagt Ziegler. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.01.2010, 12:07 Uhr
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25 Kommentare
Das wahre Übel sind die Behörden, eine Wachstumsbranche par excellence, die nicht nur auf unsere Kosten leben, sondern uns mit immer neuen "Lösungen" für Probleme schikanieren, die es gar nicht gibt. Zusammen mit den vielen Neidern bilden sie eine unheilige Allianz, die jede gewerbliche Initiative im Keim zu ersticken droht. Antworten
Bis ins Bundeshaus sitzen "Fachleute",mit super Salären und der kleine Bürger hat Angst um die Zukunft.Nun zum Punkt:Sportfischer fangen Fische und lassen sie wieder gehen.Tut anscheinend nicht weh,ein Angel im Maul rein und raus,vom Stress,den der Fisch erleidet,spricht niemand.Millionen Fische werden jedes Jahr gefangen,die meisten verenden an der Luft. Raabs Schlachtmethode ist da viel besser. Antworten
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