FDP-Politikerin läuft zu den Grünliberalen über: «Irgendeinmal hat man genug»
Von Patrick Feuz. Aktualisiert am 15.04.2011 19 Kommentare
Die 58-jährige Kantonsrätin ist diplomierte Turn- und Sportlehrerin und präsidiert Pro Natura Solothurn.
FDP-Aderlass: Zuerst rechts, jetzt links
Mit der Solothurner Kantonsrätin Irene Froelicher springt schweizweit erstmals eine aktive FDP-Politikerin zu den Grünliberalen ab. Bisher sah der Freisinn sein Personal vor allem nach rechts desertieren: in den 1980er-Jahren zur Autopartei, später zur SVP. Vor acht Jahren hatte Froelicher bei den Nationalratswahlen das drittbeste Resultat auf der einen von zwei Solothurner FDP-Listen erzielt. Vor vier Jahren wurde sie als Kandidatin nicht angefragt. Für die Wahlen 2011 brachte sie sich selbst ins Spiel, wurde aber von den Delegierten nicht nominiert – wahrscheinlich wegen ihrer pointiert ökologischen und atomkritischen Haltung, wie der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri einräumt. Fluri teilt Froelichers Wahrnehmung aber nicht, dass die Solothurner FDP in Energie- und Umweltfragen den Zug verpasst habe. «Vielleicht ist die Partei nicht mehr ganz so offen wie früher, aber im Vergleich zu anderen Kantonalparteien ist die FDP Solothurn ökologisch immer noch überdurchschnittlich sensibel», sagt Fluri, der im Vorstand der Solothurner Pro-Natura-Sektion sitzt. (paf)
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Wie lange waren Sie in der FDP?
Ich politisierte seit den 1990er-Jahren für die FDP. Seit 2001 als Kantonsrätin. Meine Eltern waren in der FDP. Mein Mann war in der Partei. Aber auch inhaltlich stand mir die FDP von allen Parteien am nächsten.
Warum verlassen Sie die Partei gerade jetzt?
Ich habe jahrelang versucht, der FDP beizubringen, dass sie den Themen Umwelt, Energie und Ressourcen mehr Gewicht geben müsse. Das sind die Fragen, die heute viele Menschen beschäftigen. Doch leider haben verschiedene Interessenbindungen in der FDP eine unvoreingenommene und sachliche Diskussion und eine klare Positionierung verunmöglicht.
Die FDP-Delegierten haben Sie nicht für die Nationalratswahlen aufgestellt. Ist es Frust, der Sie zu den Grünliberalen treibt?
Nicht Frust über die verweigerte Nomination. Sondern Frust darüber, dass ich in der Partei nicht bewirkt habe, was in meinen Augen nötig gewesen wäre. Irgendeinmal hat man genug.
Aber die Absage der FDP hat Sie geschmerzt.
Meine Kandidatur war für mich der Lackmustest, ob mich die Partei, so wie ich bin, noch will. Deshalb habe ich an der Versammlung klar gesagt, wofür ich einstehe – und wurde deshalb nicht nominiert.
Ist es vor allem die FDP-Haltung zur Kernenergie, die Sie nicht akzeptieren können?
Die Kernenergie ist einer der Gründe für den Parteiwechsel. Die Solothurner FDP fährt hier einen Slalomkurs. Sie hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Das ist häufig so bei der FDP: Man hat gute Ideen, doch wenn es an die Umsetzung geht, krebst die Partei zurück. Das kann ich nicht länger mittragen.
Der Erfolg der Grünliberalen ist verlockend. Sind Sie eine Opportunistin?
Nein. Sonst wäre ich nicht so lange bei der FDP geblieben. Die Zürcher Ständerätin Verena Diener sagt es richtig: Die Grünliberalen sind der moderne Freisinn. Die FDP hat es verpasst, die Akzente zu verschieben.
Werden Sie bei den Grünliberalen für den Nationalrat kandidieren?
Die Grünliberalen haben ihre Nationalratskandidaten bereits nominiert. Ich habe meinen Wechsel bewusst erst danach bekannt gegeben. Ich will mich nicht in ein gemachtes Bett legen. Es ist nicht meine Absicht, einen der bereits Nominierten zum Verzicht zu bewegen.
Die FDP Solothurn ist eine Partei mit breitem Spektrum. Eben gerade nicht eine reine Wirtschaftspartei, wie die FDP anderswo auftritt.
Das habe ich auch lange so wahrgenommen. Doch die FDP Solothurn ist in den letzten Jahren thematisch enger geworden, wahrscheinlich unter dem Druck der SVP. Am linken Flügel sind viele nur noch auf dem Papier Mitglied, aber nicht mehr mit dem Herzen. Es ist tragisch, dass man das nicht wahrhaben will.
Wie erleben Sie die FDP Schweiz in der Ära Pelli?
Wahrscheinlich ist es eine unmögliche Mission, die Freisinnigen zusammenzuhalten und auf einen neuen Weg zu bringen. Fulvio Pelli hat jedenfalls eine Herkulesaufgabe. Und es wird schwierig sein, einen Nachfolger zu finden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.04.2011, 23:27 Uhr
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19 Kommentare
Stutzig macht, dass die GLP seit Eintritt in den Solothurner Kantonsrat KEINEN EINZIGEN umweltpolitischen Vorstoss eingereicht hat. Froelicher-Henzi wurde als FDP Vertreterin gewählt, wird aber jetzt primär die CVP stärken.
Es ist einfacher, vom sinkenden Schiff zu fliehen, als den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Wer möchte Volksvertreter die den Weg des geringsten Widerstandes beschreiten???
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