Schweiz

FDP will Deutschland anklagen

Aktualisiert am 02.03.2010 76 Kommentare

FDP-Politiker fordern mit einer Interpellation eine Klage der Schweiz gegen Deutschland wegen gestohlener Bankdaten – und rufen das Volk auf, eine entsprechende Petition zu unterzeichnen.

Aufruf an das Volk: Die Liberalen um Doris Fiala sammeln auf einer Webseite Unterschriften für ihr Anliegen.

Aufruf an das Volk: Die Liberalen um Doris Fiala sammeln auf einer Webseite Unterschriften für ihr Anliegen.
Bild: Keystone

Die Parteien haben die Klage als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln entdeckt. Sie spannen sich die Justiz vor den Karren, um ihre Anliegen durchzusetzen. Jüngstes Exempel liefert die FDP mit der Forderung, Deutschland müsse beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag verklagt werden. Dort sollen die nördlichen Nachbarn wegen des Kaufs geklauter Daten Rechenschaft ablegen müssen. Deutschland verletze damit die Uno-Charta, die Uno-Menschenrechtspakte, das Strafrechtsübereinkommen und andere Abkommen, sagte Doris Fiala vor den Bundeshausmedien.

Die Zürcher FDP-Nationalrätin hat eine dringliche Interpellation mit dem Titel «Völkerrecht statt staatliches 'Faustrecht': Klage gegen Deutschland» eingereicht. Unterstützt von zahlreichen weiteren Parlamentsmitgliedern und dem FDP-Vorstand verlangt sie, dass der Bundesrat innerhalb von drei Monaten Staatsklage beim Internationalen Gerichtshof einreicht.

Andere Parteien haben es vorgemacht

Um sich von der bürgerlichen Konkurrenz abzugrenzen, bleibt den Freisinnigen kaum etwas anderes übrig, als den Umweg über das ferne Den Haag in Kauf zu nehmen.

Die hiesigen Gerichte sind schon in Beschlag genommen: Die SVP hat ebenfalls am Dienstag im Zusammenhang mit dem Datendiebstahl bei der Bundesanwaltschaft eine Strafanzeige eingereicht wegen wirtschaftlichen Nachrichtendientes respektive Anstiftung und Beihilfe dazu, wie sie mitteilte.

Bloss haben die Juristen des Bundes nicht auf die SVP gewartet und die Sache längst selbst in die Hand genommen. Vor bald drei Wochen hat die Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Datendiebstahl ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Für die SVP kein Grund, die Hände in den Schoss zu legen: Mit der Strafanzeige solle sichergestellt werden, dass der «Sachverhalt rundum geklärt» und die Angelegenheit in «ihrer ganzen Komplexität abgebildet» wird, wie SVP-Generalsekretär Martin Baltisser auf Anfrage sagte.

Die SVP-Fraktion hat am Dienstag zudem eine dringliche Interpellation zum Thema Datendiebstahl beschlossen. Sie will wissen, welche Massnahmen der Bundesrat gegen den Datendiebstahl getroffen hat und fordert, dass «alle rechtlichen Möglichkeiten gegen solche Vergehen» getroffen werden.

SP erfolglos gegen UBS

Das juristische Trommelfeuer eröffnet haben indes die Genossen - und sich dabei die Zähne ausgebissen. Auf Biegen und Brechen wollten sie wegen des UBS-Debakels die ehemalige Führung der Bank vor den Schranken es Gerichts sehen.

Zweimal reichte die SP Strafanzeige in der Sache ein, zweimal zeigte ihr die Zürcher Staatsanwaltschaft die kalte Schulter. Ein «Anfangsverdacht für ein strafbares Verhalten» liege nicht vor, weshalb auch kein Strafverfahren eröffnet werde, lautete jeweils der Bescheid.

Von allen grossen Bundesratsparteien hat einzig die CVP die politische Auseinandersetzung noch nicht in den Gerichtssaal zu verlegen versucht. Finde sich ein Gegner, den man mit einer populären Klage eindecken könne, werde man sich die Sache jedoch noch einmal überlegen, sagte CVP-Sprecherin Marianne Binder auf Anfrage scherzhaft.

Zurückhaltend ist die CVP allerdings auch bezüglich der Frage, ob nicht wenigstens die Ereignisse rund um die UBS-Steueraffäre politisch in der letzten Konsequenz aufgeklärt werden sollen. Wie die FDP zögert sie, der Einsetzung einer Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zuzustimmen. Ob die Forderung von links und rechts doch eine Mehrheit findet, könnte sich noch während der laufenden Session zeigen. (raa/ddp)

Erstellt: 02.03.2010, 17:14 Uhr

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76 Kommentare

werner Schneider

02.03.2010, 16:06 Uhr
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Ich würde gerne unterschreiben - aber eher eine Petition für mehr Steuergerechtigkeit und zur aktiveren Bekämpfung der Steuerhinterziehung. Antworten


Roland Schaub

02.03.2010, 17:32 Uhr
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Immer mehr Leuten dämmert es, dass das Steuerhinterziehungsgeheimnis nicht im Interesse des Schweizer Volkes ist. Auch einzelne FDP-Politiker haben es offenbar gemerkt - und werden von der FDP-Führung mit Ausschluss bedroht! - Mit dieser Führung wird die gute alte Schweizer FDP bei den nächsten Wahlen ihr Waterloo erleben! Antworten



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