«Es besteht die Gefahr, dass er andere mit in den Tod reissen will»
Interview Vera Hächler. Aktualisiert am 10.09.2010 4 Kommentare
Hans-Werner Reinfried: Der Experte glaubt, dass jeder der dem Rentner in die Quere kommt in Gefahr ist. (Bild: zvg)
Zur Person
Dr. Hans-Werner Reinfried arbeitet als Rechtspsychologe und Psychotherapeut am Rechtspsychologischen Institut in Uster. Er ist Gutachter für Straf- und Zivilgerichte und führt unterschiedliche Lehraufträge an schweizerischen und ausländischen Universitäten und Hochschulen aus. Zum Thema publizierte er «Mörder, Räuber, Diebe….Psychotherapie im Strafvollzug», Stuttgart-Bad Cannstatt 1997 und «Schlingel, Bengel oder Kriminelle» Stuttgart-Bad Cannstatt 2003.
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Glauben Sie, dass der Täter die Tat schon lange geplant hat?
Hans-Werner Reinfried: Das Verhaltensmuster, das sich heute zeigt, dürfte Vorläufer gehabt haben. Es geht weniger um eine eigentliche Planung, sondern eher um ein sich Hineinsteigern in Wut und Abwehr, das wahnhafte Züge zeigt.
Was geht in ihm vor?
Solche Menschen haben in ihrem Leben einige Enttäuschungen erlebt, die sie nicht richtig verarbeiten konnten. Sie erleben die Welt als feindlich und erklären ihre Misserfolge immer mit der Bösartigkeit der Umgebung. Daraus resultiert, dass sie sich isolieren und schliesslich jeden Bezug zur Realität verlieren. Der Beschluss, sein Haus zur Versteigerung auszuschreiben, war wohl nur noch der letzte Tropfen, der das Fass überlaufen lässt.
Was sind das für Menschen, die plötzlich so ausrasten?
Es gibt häufig Menschen, die impulsiver als andere reagieren. Sie sind in ihrem Lebensweg mehr gefährdet, weil sie ihre Beziehungen zu anderen Menschen schlecht regulieren können, leicht in Streit geraten, nachtragend und rachsüchtig sind. Sie können ein Unrecht, das sie oft auch erlebt haben, nicht vergessen und konzentrieren sich auf Wiedergutmachungsforderungen oder Rachefantasien.
Warum legt er sich mit Behörden und Polizei an?
Menschen mit solchen Verhaltensmustern werden von anderen eher gemieden. Sie vereinsamen, weil niemand mit ihnen zu tun haben will. Das bestätigt ihnen ihre Meinung von der Welt. Behörden und Polizei sind oft die einzigen, die sich mit diesen Menschen beschäftigen müssen und dies oft in Situationen, in denen sie ihnen schlechte Nachrichten überbringen müssen. Daraus ergibt sich, dass diese Menschen sich vorwiegend mit den Behörden oder der Polizei anlegen und diese zu ihren Hauptfeinden erklären.
Was bedeutet sein Haus für ihn?
Das Haus dürfte für ihn – wie für viele andere – Heimat, Schutz und Eigentum bedeuten. Es ist sicherlich sehr schmerzlich, wenn ihm gerade das Haus weggenommen wird. Auf solche Massnahmen reagieren alle empfindlich, wenn auch selten in diesem krankhaften Ausmass.
Wie würden Sie seinen psychischen Zustand beschreiben?
Er ist in Aufruhr und extrem aufgewühlt. Er hat sich bereits derart in Unrecht verstrickt, dass er nicht mehr zurück kann. So können wir uns den Endzustand einer schweren, wahnhaften Persönlichkeitsstörung vorstellen.
Was glauben Sie ist die «Mission» des Rentners?
Sein Rechtsverständnis hat sich schon längst verselbständigt und er kämpft nur noch für seine Auffassung von Gerechtigkeit. Dabei verliert er die Einsicht in staatliches Handeln und folgt seiner Privatlogik, die ihm die direkte Verteidigung mit Waffen nahe legt.
Warum kann er die Polizei so gut austricksen?
Er hat nichts mehr zu verlieren und ist unberechenbar. Deshalb ist es auch für die Polizei, die doch eher von normalen Verhaltensmustern ausgehen muss, schwierig, ihn zu fassen.
Wird er aufgeben?
Ob er aufgeben kann, ist sehr ungewiss. Irgendwann wird er erschöpft und müde. Ob er sich dann ergeben kann oder ob er sich eher umbringt, ist nicht vorauszusagen. Es ist mit allem zu rechnen. Es besteht sicher eine starke Suizidgefahr, die vom Plan eines erweiterten Suizids begleitet ist. Insbesondere besteht die Gefahr, dass er andere mit in den Tod nehmen will, um ein letztes Zeichen zu setzen. Das macht ihn zu einem ausserordentlich gefährlichen Mann.
Hätten die Behörden bereits zu einem früheren Zeitpunkt einschreiten sollen?
Natürlich würden wir uns in solchen Fällen immer wünschen, sie wären schon früher erfasst worden. Für Behörden besteht oft die Schwierigkeit, dass sie gerade solche Menschen kaum erfassen können und auch keinen Rechtstitel haben, um einzuschreiten, selbst wenn sie von solchen Problemen erfahren.
Glauben Sie, dass er bei jemandem untertaucht, oder macht er das alles auf eigene Faust?
Es wäre aussergewöhnlich und überraschend, wenn er sich mit andern zusammenschliessen könnte.
Glauben Sie, dass Peter Hans Kneubühl auch auf zivile Personen schiessen würde?
Wenn ihm jemand in die Quere kommt, wird er schnell in die Reihe der Feinde eingereiht und ist sicher in Gefahr.
Wie sollten sich Leute verhalten, die dem Rentner begegnen?
Sie sollten ihm nach Möglichkeit aus dem Weg gehen, möglichst rasch das Weite suchen und die Polizei benachrichtigen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.09.2010, 13:35 Uhr
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4 Kommentare
Was soll denn das Gerede vom Polizeichef "wir haben den Täter" zu schützen. Dieser Mann hat gezeigt dass er gefährlich ist, er hat jemanden angeschossen. Er wird sich vielleicht selbst richten aber vorher noch einige mitnehmen. Wenn das eintrifft wer übernimmt dann die Verantwortung. Das Aufgebot von sogenannten Spezialeinheiten, einfach lächerlich. Ein Scharfschütze hätte ihn ausgeschaltet. Antworten
Wir werden hier medial auf den Finalen Rettungsschuss vorbereitet. Hans-Werner Reinfried, der ausschliesslich für die Behörden arbeitet, gibt hier ein Parteigutachten ab. Mit Fehlinformationen über Herrn Kneubühl soll die Öffentlichkeit zur Aktzeptanz des staatlichen Tötungsakts manipuliert werden. Antworten
Mir tut der Kneubühl leid. Er werden ihm die Sicherungen durchgebrannt sein weil man ihm sein "Elternhaus" wegnimmt. Dass er gefährlich und unberechenbar ist, glaube ich hingegen nicht. Er ist vorallem für jene, die ihm an den Kragen wollen gefährlich und für sich selbst. Möglicherweise tut er sich etwas an, da er vermutlich keine Perspektive mehr sieht. Antworten
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Werner Frischknecht
Eine recht traurige Geschichte, dass ein Pensionär eine Schar von angeblich so spezialisierten Sondereinheiten, incl. Hundeführern, derart an der Nase herumführen kann. - Doch wundert es mich überhaupt nicht mehr, denn so wie die Legislative - so auch die Exekutive und unsere höchsten Gerichte. Noch eine Frage der Zeit, bis wir von anderen Mächten, von wirklichen Sonderkommandos übernommen werden! Antworten