Er hat Beyelers Zukunft in der Hand
Von Erwin Haas. Aktualisiert am 25.05.2011 3 Kommentare
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Heute wird der Schwyzer CVP-Nationalrat Reto Wehrli für Bundesanwalt Erwin Beyeler zum Schicksalsgott. Als Präsident der parlamentarischen Gerichtskommission (GK), die 17 Mitglieder umfasst, will er sich zwar «zurücknehmen und hauptsächlich für ein anständiges Verfahren sorgen». Doch was den höchsten Ankläger im Land betrifft, der wegen des Falls Holenweger und angeblicher Führungsschwächen in der Kritik steht, ist er es letztlich, der mit dem Daumen nach oben oder unten zeigt. Denn es geht darum, dem Parlament Beyelers Wiederwahl zu empfehlen oder nicht.
Der 46-jährige Wehrli, selber Anwalt mit einer Advokatur in Schwyz, ist nicht der Typ, der Macht geniesst, geschweige denn sie zelebriert. Nachdem er in den Wahlen 2003 den Parteikollegen Toni Eberhard mit 13 Stimmen Vorsprung ausgestochen hatte, liess er keinen Zweifel daran: Von Sachpolitik im Bundeshaus hält er mehr als von Gladiatorenkämpfen in der Arena. Nationalratskollegen wie Urs Hany attestieren ihm denn auch, er sei hochintellektuell, verfüge über «natürliche Autorität» und denke zweimal nach, bevor er etwas sage.
Unzählige Engagements
Das heisst nicht, dass Wehrli hinter dem Busch hält. Er hat sich im Nationalrat rasch zu einem Vorderbänkler entwickelt als Gesellschafts-, Familien- und Umweltpolitiker, der auch bei den Grünen gut aufgehoben wäre. Das deutlichste Zeichen setzte Wehrli mit einer parlamentarischen Initiative: Das gemeinsame Sorgerecht getrennter Paare für ihre Kinder soll gesetzlich zur Regel werden. Damit will Wehrli die richterliche Norm entkräften, Kinder im Scheidungsfall der Mutter zuzusprechen, was viele Väter als ungerecht empfinden. Im Januar hat Wehrli bekannt gegeben, dass er nicht zur Wiederwahl antritt. Er wolle mehr Zeit für seine Familie und die Kanzlei haben.
Im Widerspruch dazu stehen seine unzähligen anderen Engagements. Er sagt zwar, er wolle «bewusst nicht in prestigeträchtigen Verwaltungsräten und Verbänden» sitzen. Doch auf kleineren Hochzeiten tanzt er mit. Wehrli, der Literatur, Film und Konzerte liebt und Kochen, Sport und Reisen pflegt, kennt keine Berührungsängste. Er hat eher das Problem, dass ihm ein Nein nicht leicht über die Lippen kommt. Er ist oberster Pfadfinder der Schweiz, engagiert sich für kirchlich motivierte Stiftungen, aber auch für die Seebühne Ingenbohl und die Greina-Stiftung zum Schutz der Fliessgewässer. Er organisiert das Kantonalturnfest 2012 in Schwyz und ist als Präsident des Schweizerischen Brennerverbands einem guten Schwyzer Kirsch nicht abgeneigt.
Zweites berufliches Standbein
Abstriche kann er allenfalls bei seinen Kolumnen in verschiedenen Medien machen, die er nicht ohne satirische Spitzen verfasst – etwa wenn er über die Daseinsberechtigung von Fussball sinniert, «im Souterrain des Unbewussten» nach Erklärungen sucht und zum Schluss gelangt, Fussball sei «schöner, wenn Frauen nicht mitmachen». Die Arbeit geht ihm ohnehin nicht aus. Er sitzt neu im Verwaltungsrat der Tellco, die beim Äufnen von Pensionskassengeldern zur Spitze vorstossen will, ist als Präsident des Busunternehmens Auto AG Schwyz vorgeschlagen und will sich mit anderen Mandaten «ohne Bezug zur Politik» auf ein zweites berufliches Standbein stellen. Bundesanwalt Beyeler kann insofern beruhigt sein, als er heute von einem sachlichen und fairen Politiker beurteilt wird. Immerhin sass Reto Wehrli vorher in der Begnadigungskommission. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.05.2011, 20:48 Uhr
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3 Kommentare
In der Gerichtskommission sind 17 Mitglieder. Also muss die Mehrheit entscheiden ob Beyeler noch tragbar ist. Entscheiden wird das Parlament. Beyeler hat im Fall Ramos gelogen. Das einzig relevante Kriterium fuer einen Bundesanwalt ist seine unantastbare Integritaet. Beyeler ist nicht integer also nicht mehr waehlbar. Das sollte auch die Gerichtskommission zur Kenntnis nehmen. Antworten
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