Einwanderung: Ausländische Fachkräfte sind klüger als Schweizer
Von Claudio Habicht. Aktualisiert am 29.01.2009
Ausbildungsstand der Ausländer in der Schweiz
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Starke Zuwanderung
Seit dem Inkrafttreten der Personenfreizügigkeit ist die Zahl der EU-Bürger, die in der Schweiz wohnen, stetig gestiegen. So wohnten Ende August 2008 etwa 260'000 Deutsche in der Schweiz – 120'000 mehr als 2002. Bei den Portugiesen nahm die Zahl von 150'000 auf rund 200'000 zu, bei den Franzosen von 70'000 auf 85'000 und bei den Österreichern von 33'000 auf 38'000.
Die Statistik zeigt klar: Deutsche, Österreicher und Franzosen, die in der Schweiz leben, sind überdurchschnittlich gut ausgebildet. So haben sechs von zehn Deutschen einen Hochschulabschluss oder eine höhere Berufsbildung. Bei den Österreichern ist es jeder Zweite und bei den Franzosen jeder Dritte. Die Schweizer schneiden schlechter ab: Nur jeder Vierte verfügt über eine Ausbildung auf der sogenannten Tertiärstufe, wie die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung 2008 zeigt.
Warum ist dies so? «Die Schweiz mobilisiert ihre Ressourcen im Bereich Bildung zu wenig und holt sich die Hochqualifizierten dafür im Ausland», sagt Gianni D'Amato, Professor an der Universität Neuenburg und Direktor des Schweizerischen Forums für Migrations- und Bevölkerungsstudien.
«Magnet für Hochqualifizierte»
Die Personenfreizügigkeit mit der EU hat viel dazu beigetragen. «Mit den bilateralen Verträgen ist die Schweiz zum Magnet für Hochqualifizierte geworden», sagt D'Amato. Das heisse aber nicht, dass Schweizer «dümmer» seien. Die Schweiz setze einfach andere Schwerpunkte in der Bildung und gebe der Berufslehre einen hohen Stellenwert. «Es gibt hierzulande zu wenig Schulabgänger mit höheren technischen Qualifikationen. Darum fehlen zum Beispiel Ingenieure.» Schweizer Firmen suchten diese daher im Ausland – mit Erfolg. D'Amato betont, dass der Wirtschaftsboom der letzten Jahre ohne die Einwanderung der Hochqualifizierten nicht möglich gewesen wäre. Mit der Integration haben diese Ausländer laut D'Amato keine Probleme, da sie eine Landessprache sprechen.
Doch nicht nur Hochqualifizierte sind seit dem Inkrafttreten der Personenfreizügigkeit 2002 in die Schweiz gekommen, Viele schlecht ausgebildete Portugiesen zog es auf Schweizer Baustellen und in die Restaurantküchen. Über 66 Prozent aller Portugiesen haben nur die obligatorische Schulzeit absolviert. Eine höhere Bildung haben knapp 6 Prozent. «Aus Portugal kommen vorwiegend Arbeitsimmigranten in die Schweiz, die in ihrer Heimat verankert bleiben», sagt D'Amato.
Schwierige Integration
Auch die Angehörigen von Ländern aus Ex-Jugoslawien und Albanien sind eher schlechter gebildet: Jeder Zweite absolviert nur die obligatorische Schulzeit. «Viele Immigranten aus dem ehemaligen Jugoslawien haben ihre Kinder wegen des damaligen Ausländerrechts erst spät nachziehen lassen. Diese sind also oft nicht vollständig in der Schweiz sozialisiert.» Darum sei auch die schulische Integration schwieriger. Zudem haben diese Kinder laut D'Amato schlechte Chancen auf eine bessere Ausbildung, da der Ausbildungsstand nach wie vor von den Eltern vererbt werde. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.01.2009, 17:11 Uhr
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