Eine Herkulesaufgabe für die Schweiz
Aktualisiert am 26.05.2011 70 Kommentare
DerBund.ch/Newsnet-Reporter Matthias Chapman.
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Niemand sitzt gerne auf einem Pulverfass. Und dass Atomkraftwerke damit vergleichbar sind, wurde uns spätestens mit Fukushima wieder in Erinnerung gerufen. Selbst im Hightech-Land Japan konnte man den SuperGau nicht verhindern. Als Teufelszeug wurde die Nukleartechnik inzwischen hierzulande auch in ehemals AKW-freundlichen Kreisen beschrieben.
Logisch also, dass man davon weg will. Der Bundesrat ist mit seinem heutigen Entscheid diesem in weiten Kreisen herrschenden Konsens nachgekommen. Trotzdem wissen wir noch nicht, ob dieser Weg - erneuerbare Energien, Stromsparen und Effizienz - wirklich funktioniert. Wer würde sein Vermögen darauf setzen, dass wir in 30 Jahren das gesteckte Ziel erreicht haben?
Eine Wette also? Nicht ganz, aber ein Weg mit vielen Hürden und Stolpersteinen. Schweden steht als schlechtes Beispiel dafür da, dass die «historische» Wende ein reines Lippenbekenntnis werden kann. 1980 beschlossen die Skandinavier den Ausstieg. Allein, es fehlte die politische Kraft, dies umzusetzen. Im letzten Jahr krebsten die Schweden zurück, das Bauverbot wurde wieder aufgehoben.
Damit der Umbau in der Schweiz gemäss Energiestrategie 2050 gelingen kann, braucht es immense Anstrengungen. Es wird eine Herkulesaufgabe für dieses Land. Für Industrie, Forschung, Verwaltung, Politik und für die Konsumenten. Denn die Vorgaben des Bundesrates sind äusserst ambitiös. Ohne Lenkungsabgabe bleibt Stromsparen ein Traum. Eine ökologische Steuerreform drängt sich auf.
Doch gerade solche Instrumente und Stossrichtungen drohen zwischen den politischen Polen aufgerieben zu werden. Zuerst einen Schritt vorwärts, dann wieder einen zurück. Die unheilige Allianz lässt grüssen. Wer sich heute freut, wird mit mulmigem Gefühl auf die parlamentarische Debatte in zwei Wochen schauen.
Bis dann dürfen wir uns über eine Vorwärtsstrategie der Landesregierung freuen. In einem Umfeld, wo der grosse Nachbar Frankreich, Grossbritannien, Russland, China und selbst Japan weiter auf Atomenergie setzen, ist der Entscheid des Bundesrates mutig. Dass man gerade Deutschland als Verbündeten hat - Berlin hat den Ausstieg bereits beschlossen, die Frage ist noch, bis wann - ist vielleicht bezeichnend. Die Schweiz und Deutschland sind Länder, die sich über einen starken Wirtschaftsgang freuen und vermutlich am ehesten über die finanziellen Mittel verfügen, diesen Kraftakt des Umstiegs zu vollziehen.
Die Schweiz kann mit dem Umstieg eine Vorbildfunktion für andere Länder wahrnehmen. Ihre Cleantechindustrie kann den in den letzten 20 Jahren verlorenen Boden wieder aufholen. Und sie kann den künftigen Generationen eine saubere Energiewirtschaft übergeben. Was Bern heute vorgestellt hat, ist also nicht nur eine Wette auf das Gelingen des Vorhabens, sondern eine Riesenchance für das ganze Land.
Erstellt: 25.05.2011, 18:30 Uhr
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70 Kommentare
Es mag für die einfacheren Gemüter bequemer sein, in's Geheul der Pessimisten einzustimmen. Vielleicht gibt's aber ausser mir noch den einen oder anderen, der diesen Entscheid als Chance sieht? Neue, noch nicht bekannte Technologien entwickelte die Industrie immer nur unter Druck. Katalysatoren z.B. oder spritsparendere Motoren. Der Entscheid ist getroffen, auf, an die Arbeit. Antworten
Es ist klar, die Atomlobby in der CH schäumt vor Wut, ihre schönen Profite, gehen früher oder später flöten, die Aktionäre , darunter die Kantone, gucken in die Röhre. Sicherheit, erneuerbare Energie und dergleichen tönen in den Ohren der Akw-hörigen wie schrille Flötenmusik aus einem arabischen Land. Das Volk will nicht mehr, und hat immer recht. Auf zu neuen Wegen, es ist Zeit! Vamonos amigos. Antworten
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