Schweiz

Eine Bank für den Tourismus

Von Olivia Raths. Aktualisiert am 20.06.2012 53 Kommentare

Im Wirtschaftsdepartement von Johann Schneider-Ammann wälzt man Pläne, wie die bedrängte Tourismusbranche zu stützen ist. Das freut die Betroffenen.

Nicht mehr ausschliesslich für Hotels: Sollte eine «Tourismusbank light» entstehen, könnten künftig auch andere touristische Leistungsträger wie Bergbahnen Kredite erhalten.

Nicht mehr ausschliesslich für Hotels: Sollte eine «Tourismusbank light» entstehen, könnten künftig auch andere touristische Leistungsträger wie Bergbahnen Kredite erhalten.
Bild: Keystone

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Die Österreicher haben eine seit 65 Jahren, in der Schweiz könnte es auch bald eine geben: eine Bank für die Tourismusbranche. Beim Volkswirtschaftsdepartement (EVD) wälzt man laut einem Bericht der «Aargauer Zeitung» (Artikel online nicht verfügbar) entsprechende Pläne. Die österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) vergibt Kredite an Hotels und andere touristische Unternehmen wie etwa Bergbahnen. Beim Schweizer Modell könnte es demnach eine abgeschwächte Version des österreichischen Modells geben – eine Tourismusbank light quasi.

Heute sieht die Situation folgendermassen aus: Die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) vergibt ihre Kredite ausschliesslich an Hotels, und das erst, wenn diese nicht genügend Geld von den Banken geliehen bekommen. Hinzu kommt, dass ein SGH-Darlehen nicht mehr als 35 Prozent einer Gesamtinvestition überschreiten darf. Künftig könnte es so aussehen: Die SGH soll neben Hotels auch Kredite an andere touristische Unternehmen vergeben können. Zudem sollen laut AZ zwei Förderprogramme des Bundes in die SGH integriert werden: «Innotour» (Innovationsförderung im Feriengeschäft) und «Neue Regionalpolitik» (NRP).

Beschlossen sei noch nichts, wie das EVD gegenüber der AZ betonte. Der Aufbau einer Tourismusbank sei «eine von vielen Ideen». Doch erst einmal werde das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative auf den Tourismus prüfen, heisst es weiter.

Gleich lange Spiesse für alle

Beim Schweizer Tourismus-Verband (STV) begrüsst man es, dass der Bund eine Tourismusbank light prüfe. STV-Direktor Mario Lütolf sieht diese als «eine grosse Chance für die geplagten Berggebiete und den Schweizer Tourismus als Ganzes». Er sichere immerhin 140'000 Arbeitsplätze. Zudem würde die Wettbewerbsfähigkeit von Tourismusdestinationen gestärkt, und brachliegende regionale Potenziale könnten aktiviert werden. «Chancen sehe ich auch, wenn es um unsere alte Forderung nach gleich langen Spiessen für die Mitbewerber geht. Wir kämpfen ohnehin schon mit den Benachteiligungen durch den knallharten Franken und durch die Hochpreisinsel Schweiz.»

Die Tourismusbank dürfe aber nicht auf Mittelverteilung nach Giesskannenprinzip ausgerichtet sein, warnt Lütolf. Sie müsse die innovativen, kreativen Ansätze touristischer Leistungsträger ergänzen und nicht zum Strukturerhalt herangezogen werden. «Die Bank muss zudem eng mit den Instrumenten der neuen Regionalpolitik (NRP) abgestimmt werden», so der STV-Direktor.

«Zweitwohnungsinitiative kein Stolperstein für Tourismusbank»

Die Idee ist nicht mal so neu. Bereits 2006 wälzten Tourismuskreise entsprechende Pläne. Skizziert wurde ein Tourismusgesetz als Ersatz für verschiedene einzelne Erlasse (Kredit an Schweiz Tourismus, Innotour, Beherbergungskreditgesetz usw.). Ziel war die Bündelung von Massnahmen beziehungsweise Schaffung weitreichender Synergien. Dabei war auch von der Schaffung einer Tourismusbank die Rede.

Dass die Zweitwohnungsinitiative ein Stolperstein sein könnte, um eine Tourismusbank zu realisieren, glaubt Lütolf nicht. «Sie könnte sogar Auslöser sein für einen nachhaltigen Wandel. Bereits heute ist absehbar, dass sie als Chance für den Tourismus gelten darf – wenn es denn tatsächlich gelingt, den uferlosen Bau kalter Betten zu vermeiden und für warme Betten zu sorgen.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.06.2012, 18:08 Uhr

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53 Kommentare

martin meyer

20.06.2012, 21:44 Uhr
Melden 170 Empfehlung 0

Die liberalen Gründungsväter der FDP würden sich im Grabe drehen.
Das einzige was die FDP heute noch zustande bringt, sind Subventionen für ihre Lobby-Klientel.
Antworten


Martin Bürger

20.06.2012, 22:05 Uhr
Melden 148 Empfehlung 0

Auf Biegen und Brechen einen subventionierten Tourismus. Wenn sich der Tourismus nicht lohnt, dann lassen wir es lieber sein. Die Schweiz ist touristisch ein attraktives Land, bei den Fördermittel mit meinem Steuergeld geht es den Lobbisten nur ums Geldverteilen. Der Staat soll nur im absoluten Notfall mit Geldern intervenieren. Probleme und Herausvorderungen sollen mit Inovationen gelöst werden. Antworten



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