Schweiz
Ein Pferdenarr im Zwielicht
Aktualisiert am 07.12.2011 21 Kommentare
Artikel zum Thema
- Präsident des Rennvereins verhaftet
- Rennbahn Dielsdorf in frischem Gewand
- Dielsdorfer Pferderennbahn für 1,5 Millionen verkauft
- Weitere Opfer von Martin Gloor melden sich
- «Martin Gloor wirkte wirr»
- NZZ-Journalist redigierte Gloors gefälschten Lebenslauf
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- «Ich will dem Sport etwas zurückgeben» (NZZ-Interview)
- Webseite Rennverein Zürich
- Webseite Core Capital Partners AG
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Mit einem Coup setzte sich Martin Gloor im letzten März an die Spitze des traditionsreichen Rennvereins Zürich (RVZ). An der Generalversammlung im Zunfthaus zur Saffran am Zürcher Limmatquai hätte eigentlich der damalige Vize Marc Hunziker zum neuen Präsidenten gewählt werden sollen. Sozusagen in letzter Minute machte er dem angeblichen «Visionär» Gloor Platz, der Ende 2010 versprochen hatte, rund 20 Millionen Franken in eine neue Rennbahn zu investieren. Der Investor und CEO einer Private-Equity-Firma, den die meisten Anwesenden gar nicht kannten, hatte sich mit einem besonderem Geschenk empfohlen: «Falls ich zum Präsidenten gewählt werde, schenke ich dem RVZ 1,5 Millionen Franken.» 1,5 Millionen Franken– so hoch waren die Schulden des stolzen Rennvereins. Nach einer emotionalen Debatte wählte die Generalversammlung Gloor zum Präsidenten – obwohl er nicht alle Zweifel über seine Motive und die finanziellen Hintergründe ausräumen konnte.
Versprochenes Geld angeblich nicht bezahlt
Die Zweifel an der Person von Gloor verstärkten sich im Laufe des Spätsommers, als ein Streit zwischen dem RVZ-Präsidenten und dem Schweizerischen Pferderennsport-Verband (SPV) eskalierte. Dabei ging es um Probleme bei der Erteilung einer Lizenz für einen Renntag im August. In diesem Zusammenhang warfen Kritiker dem neuen RVZ-Präsidenten vor, dass er die versprochenen 1,5 Millionen Franken nicht eingezahlt habe. Zudem habe Gloor nicht erklärt, woher er denn das Geld nehmen würde. Der Präsident des SPV, Jean-Pierre Kratzer, forderte Gloor sogar zum Rücktritt auf, weil dieser wiederholt «gelogen» habe. «Es reicht jetzt. Herr Gloor ist ein Casting-Fehler, eine Fehlbesetzung als RVZ-Präsident», heisst es in einer Stellungnahme von Kratzer.
Jetzt sitzt Gloor in Untersuchungshaft, wie das Informationsmagazin «10vor10» des Schweizer Fernsehens am Montagabend berichtete. Der Chef der Core Capital Partners AG in Zürich steht im Verdacht, Vermögensdelikte begangen zu haben. Die Rede ist von einer Deliktsumme von mindestens zehn Millionen Franken zu Lasten mehrerer Investoren. Gleichzeitig machte «10vor10» publik, dass Gloor wegen Betrugsdelikten bereits zweimal verurteilt worden war – einmal im Kanton Zug und einmal in Monaco. Gloor, der heute im Zürcher Seefeld wohnt, hatte zeitweise mit seiner brasilianischen Frau im kleinen Fürstentum gelebt und war Finanzgeschäften nachgegangen.
«Prahlerisches und grossspuriges Auftreten»
Dass der Präsident des renommierten RVZ ein veurteilter Betrüger ist, ist ein Schock für die Pferdesportszene in Dielsdorf. Und nicht wenige Kritiker sagen nun, dass sie es schon immer gewusst hätten, dass mit Gloor etwas nicht stimme. «Ich bin von der Verhaftung nicht überrascht», sagte ein Insider im Gespräch mit DerBund.ch/Newsnet. In der Pferdesportszene seien mehrmals Gerüchte geäussert worden. Einzelne Leute hätten auch gewusst, dass Gloor nicht mehr in Monaco einreisen könne. Es sei aber nicht möglich gewesen, sich ein vollständiges Bild über den RVZ-Präsidenten zu machen. Gloor tauchte auf wie «Phönix aus der Asche» und weckte Misstrauen – nicht zuletzt wegen seines Auftretens, das als «prahlerisch und grossspurig» beschrieben wird. Im Gespräch mit dem RVZ-Kenner fällt auch das Wort «Hochstapler».
Der einstige Amateurrennreiter hatte sich ein paar Monate vor der denkwürdigen Generalversammlung des Rennvereins Zürich als potenter Investor ins Gespräch gebracht. Mit seiner Firma Hippodrome Royal SA übernahm er den Betrieb der Pferderennbahn in Dielsdorf (ZH). Zudem sprach er gerne über seine Idee, das Pferdesportzentrum in Dielsdorf in die schönste Anlage der Schweiz zu verwandeln und dafür 20 Millionen Franken zu investieren. Ein paar Monate später war sogar von irrwitzigen 100 Millionen Franken die Rede. «Wenn es in unserem beschaulichen Sport um solch ungeheuerliche Summe geht, müssen die Alarmglocken läuten», sagt ein anderer Kenner der Pferdesportszene.
Ex-Amateurreiter kehrt nach 20 Jahren zurück
«Ich will dem Sport etwas zurückgeben», begründete der 43-jährige Investor sein Engagement in einem Interview der «Neuen Zürcher Zeitung». In dem im letzten April veröffentlichten Artikel erinnerte Gloor an seine Jugendzeit, die er als Amateurrennreiter auch auf der Pferderennbahn in Dielsdorf verbracht habe. «Ich kam dank den Pferden und der Unterstützung aus dem Zürcher Rennsport nach Frankreich und konnte dort sehr viel fürs Leben lernen.» Als Präsident des Rennvereins Zürich habe er nun die Möglichkeit, dem Sport etwas zurückzugeben.
Der im Kanton Aargau aufgewachsene Gloor war nach Pony-Rennen in der Kindheit zum Pferderennsport gekommen. Ende der 80er Jahre gehörte er zu den besten Amateurreitern der Schweiz. In seinem Curriculum Vitae, das auf der Webseite des Rennvereins Zürich veröffentlicht ist, erwähnt Gloor seinen ersten Sieg 1987 in Arosa auf «Blue Ground». Mit elf Triumphen war 1989 seine erfolgreichste Saison, die er als Vize-Champion beendete. Drei Jahre später musste er wegen Gewichtsproblemen den aktiven Rennsport aufgeben. Es dauerte fast 20 Jahre, bis er in den Pferdesport zurückkehrte. 2009 kaufte Gloor sein erstes eigenes Rennpferd. Und im letzten Jahr gründete er die Ecurie Royale GmbH mit Sitz in Zug. In seinem Rennstall für Galopprennpferde hat Gloor zwölf Tiere, die er in Frankreich und in der Schweiz hält, wie Quellen aus der Pferdesportszene auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet berichten.
Geschäfte mit Risikokapital – Firma an bester Lage
Hauptberuflich ist Gloor seit 2007 als CEO von Core Capital Partners in Zürich tätig. Zuvor arbeitete der Aargauer, der nach der C-Matur eine Bankausbildung gemacht hatte, als Effektenhändler in London, Partner der Crown Management AG sowie Berater und Investor im Private Equity. Das von ihm gegründete Core Capital Partners AG mit Sitz an bester Lage in der Nähe des Zürcher Paradeplatzes berät gemäss eigenen Angaben institutionelle und private Investoren im Geschäft mit Venture Capital (Risikokapital). Ansonsten gibt die Firma auf ihrer Website nicht viele Informationen über sich preis, es sind auch keine Kontaktpersonen angegeben.
Die Verhaftung von Gloor steht in Zusammenhang mit Geschäften seiner Firma Core Capital Partners, in deren Räume die Zürcher Staatsanwaltschaft Computer und Unterlagen beschlagnahmen liess. «Rund 50 Prozent der Gelder, die in Start-up-Firmen fliessen sollten, gingen an die Firma von Herrn Gloor», sagte der Zürcher Rechtsanwalt Michael Werder, der mehrere angeblich Geschädigte vertritt, dem Informationsmagazin «10vor10», das den Fall Gloor aufdeckte. Werder schätzt, dass Gloor «über zehn Millionen Franken» für sich abgezweigt hat.
Für den Präsidenten des Rennvereins Zürich gilt die Unschuldsvermutung. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.12.2011, 16:14 Uhr
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