Schweiz

Ein Grüner will den Grünliberalen zuvorkommen

Von René Lenzin. Aktualisiert am 19.04.2011 12 Kommentare

Im Tessin politisieren die Grünen rechts von der SP, um die Grünliberalen zu verhindern. Parteipräsident Ueli Leuenberger glaubt jedoch nicht an diese Taktik.

Sergio Savoia ist 47 jährig und Präsident der Grünen im Tessin.

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Zusammen mit der Lega dei Ticinesi sind die Grünen die grossen Sieger der Tessiner Parlamentswahlen vom 10. April. Sie haben ihren Stimmenanteil fast verdoppelt und ihre Sitzzahl im 90-köpfigen Grossrat von 3 auf 7 erhöht. Nun wollen sie mehr, nämlich im Herbst einen der acht Tessiner Sitze im Nationalrat erobern. Der sicherste Weg dazu wäre eine Listenverbindung mit der SP. Nimmt man die Ergebnisse der Grossratswahlen zum Nennwert, hätte diese Koalition zwei Sitze auf sicher – je einen für SP und Grüne. Treten sie hingegen getrennt an, verlöre die SP einen ihrer zwei Sitze, und für die Grünen würde der Gang nach Bern zur Zitterpartie.

Trotzdem möchte Sergio Savoia, der Präsident der Grünen, lieber allein marschieren. Und er spricht lieber über Inhalte als über Zahlen. Die Grünen haben laut Savoia zugelegt, weil sie sich als eigenständige politische Kraft positionierten – «in gewissen Fragen als Mittepartei und rechts von der SP». Mit einer Listenverbindung würden sich die Grünen klar als Linkspartei präsentieren, sagt Savoia. Das gelte es zu verhindern. Die Abgrenzung gegen links hat ein handfestes Motiv: Es heisst grünliberal. Beeindruckt von den jüngsten Wahlsiegen der Grünliberalen in andern Kantonen, will Savoia deren Aufkommen im Tessin gar nicht erst zulassen, sondern ökologisch gesinnte Mittewähler für seine Partei gewinnen. «Bei uns seid ihr zu Hause» müsse die Botschaft an diese Personen lauten. Das lasse sich bei einer gleichzeitigen strategischen Allianz mit der SP nicht kommunizieren.

«Die Richtung stimmt»

Angesichts ihres rasanten Wachstums haben die Grünliberalen ein Gründungsmoratorium für neue Sektionen beschlossen. In den Kantonen, in denen die Grünliberalen noch keine Sektion haben, könnten die Grünen daher versucht sein, in die Bresche zu springen und Savoias Taktik zu imitieren. Allerdings mag Ueli Leuenberger, der Präsident der Grünen Schweiz, nicht so recht an den Erfolg dieser Strategie glauben: Die politischen Profile von Grünen und Grünliberalen seien zu verschieden.

Leuenberger glaubt auch nicht, dass die Grünliberalen ein Problem für seine Partei sind: «Sie gewinnen auf Kosten der Mitte-rechts-Parteien, nicht auf Kosten von SP und Grünen.» Eine Analyse der Panaschierstimmen bei den Parlamentswahlen in Zürich und Luzern zeigt allerdings, dass diese Aussage nur bedingt stimmt. Zwar hätten CVP-, EVP- und FDP-Wähler dieses Jahr markant häufiger Grünliberale auf ihre Liste gesetzt als noch vor vier Jahren, sagte Peter Moser vom Statistischen Amt des Kantons Zürich in der «NZZ am Sonntag». Auf linken Listen erhalten die Grünliberalen aber immer noch ähnlich viele Stimmen. Auch in Luzern dürften die Grünliberalen auf beiden Seiten etwa gleich viele Fremdstimmen geholt haben. Nicht alle grünen Politiker stehen einer Annäherung an die Grünliberalen so skeptisch gegenüber wie Leuenberger. «Grüne und Grünliberale gehören zusammen», sagte der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver kürzlich im Interview mit dem TA. «Die Richtung der Grünliberalen stimmt, sie gehen aber zu weit und wir zu wenig weit», fügte er an. Den Mittelweg will Sergio Savoia im Tessin finden. Die Nationalratswahlen werden zeigen, ob es gelingt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2011, 23:51 Uhr

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12 Kommentare

Johannes Künzler

19.04.2011, 08:47 Uhr
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Gehen die Grünen gegen rechts, werden sie verlieren. Auch die SP hat nichts, aber auch gar nichts, gewonnen, indem sie rechter wurde. Die so genannten Mitteparteien in der Schweiz sind ja gar nicht in der Mitte, sondern allesamt bürgerlich: gesellschaftlich konservativ, wirtschaftlich ultraliberal (Staat muss weg!) und alle machen z. Z. auf heimatlich-national. Die SP ist schon in der Mitte! Antworten


Yannick Hagman

19.04.2011, 09:53 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Die Grünen sollten endlich einen vernünftigen Parteipräsidenten, wie Pulver, Savoia oder Hodgers an die Spitze wählen. Der selbstgefällige und arrogante Linkspopulist Leuenberger leugnet die Fakten. @Johannes Künzler: Die SP mag bestenfalls aus der Sicht eines verblendeten Kommunisten Mitte sein. Antworten



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