Ein Bistum Zürich wird es nicht geben

Seit vier Jahrzehnten wird in der Schweiz über die Schaffung neuer Bistümer gestritten. Jetzt zeigt sich, die Pläne werden begraben.

Die Zürcher Synode will «nicht mit dem Kopf durch die Wand»: Zürich mit der Kirche St. Peter. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Die Zürcher Synode will «nicht mit dem Kopf durch die Wand»: Zürich mit der Kirche St. Peter. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Überraschend wurde der Churer Bischof Vitus Huonder im Mai von Papst Franziskus für zwei weitere Jahre im Amt belassen. Ebenso überraschend kündigte er in seinem Regierungsprogramm für diese Zeitspanne an, das Projekt eines Bistums Zürich wieder aufgreifen zu wollen. Er werde in dieser Sache das Gespräch mit der Biberbrugger Konferenz, der Vereinigung der sieben Kantonalkirchen des Bistums Chur, suchen.

Diese hat nun zum Bistumsprojekt getagt. Das Verdikt ist eindeutig: Nein, unter den gegebenen Bedingungen sei ein Bistum Zürich nicht realisierbar und nicht wünschbar. Die Vertreter der sechs Kantonalkirchen Graubünden, Glarus, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden sprachen sich deutlich gegen das Projekt aus. Und der Zürcher Synodalratspräsident Benno Schnüriger erklärte, man habe gelernt, nicht mit dem Kopf durch die Wand zu gehen: Die Zürcher Katholiken könnten nicht am Projekt festhalten, wenn die anderen Bistumskantone damit nicht einverstanden seien.

Die Biberbrugger Konferenz, sagt ihr Aktuar, der Schwyzer Alt-Regierungsrat Werner Inderbitzin, habe damit bestätigt, was sie schon im Frühjahr 2016 zu der von Huonder lancierten Umfrage zu einem Bistum Zürich gesagt habe: Sie kann sich den Churer Bistumsverband ohne den Kanton Zürich nicht vorstellen, weder ideell noch finanziell. Die meisten Regierungen der Bistumskantone teilen diese Meinung.

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Laut seinem Sprecher hat der Churer Bischof die Frage nochmals aufgegriffen, weil er nach der Umfrage von den kantonalen Körperschaften und vor allem von den Zürcher Katholiken wissen wollte, ob er eine Kommission zur weiteren Abklärung der Frage einsetzen solle. Schliesslich war es die Zürcher Kirche, die das Projekt eines eigenen Bistums forciert hatte. Jetzt liegt also, zumindest intern, die Antwort vor.

Aus sechs mach neun

Laut Inderbitzin von der Biberbrugger Konferenz macht ein Bistum Zürich ohnehin keinen Sinn, wenn es nicht im Rahmen einer Neueinteilung aller sechs Schweizer Bistümer verhandelt werden könnte. Zur Erinnerung: Bereits 1980 hatte sich eine Kommission der Schweizer Bischofskonferenz damit befasst. Die Devise lautete damals: Aus sechs mach neun. Die Kommission schlug vor, neue Bistümer für Zürich und Genf, allenfalls auch für die Urschweiz mit Sitz in Luzern zu errichten. Erst 2015 nahm die Bischofskonferenz den Vorschlag wieder auf, sprach vorerst aber von nur zwei neuen Bistümern rund um die Metropole Zürich und die UNO-Stadt Genf.

Es war dann Bischof Charles Morerod, der 2015 eine Umfrage zur Neueinteilung seines grossen Bistums Genf-Lausanne-Freiburg durchführte – also zur Schaffung eines eigenen Bistums Genf. Das Ergebnis war eher ernüchternd. Trotzdem ernannte er Anfang 2016 seinen neuen Bischofsvikar mit der Aufgabe, die Abklärungen für ein Bistum Genf weiterzuführen. Inzwischen aber hat Morerod, der auch Präsident der Bischofskonferenz ist, das Projekt begraben, ohne dies öffentlich zu machen.

Seine Sprecherin sagt, der Bischof habe anlässlich der diözesanen Session im letzten Oktober mitgeteilt, er werde die Neugliederung des Bistums wegen grosser Skepsis nicht vornehmen. Wohl auch deshalb, weil die vom Staat getrennte Kirche in Genf nur über geringe finanzielle Mittel verfügt.

Stattdessen ein Weihbischof

Auch der Bischof von Basel, Felix Gmür, hat mittlerweile verlauten lassen, er sehe keine Notwendigkeit, den Raum Luzern vom Bistum Basel abzutrennen und ein Bistum Luzern zu gründen. «Das ist nicht nötig – ich bin zufrieden mit dem Bistum Basel, wie es ist», sagte er gegenüber der «Luzerner Zeitung».

Während 37 Jahren wurde über die Bistumsneueinteilung heftig diskutiert und in Krisenzeiten die Errichtung eines Bistums Zürich als Lösung des Konflikts mit Chur propagiert. Am Schluss machte sich Bischof Huonder zum Anwalt der Idee. Wollte er so seinem unbeliebten Generalvikar Martin Grichting wenigstens den Bischofssitz in einem Churer Rumpfbistum freihalten, wie allenthalben behauptet wird? Werner Inderbitzin von der Biberbrugger Konferenz sagt dazu: «Grichting kann weder in Zürich noch in Chur je Bischof werden.»

Die Debatte um neue Bistümer dürfte damit wohl beendet sein. Was bleibt: Die Biberbrugger Konferenz will sich für die Stärkung der Zürcher Katholiken einsetzen. Es sei vorstellbar, so Inderbitzin, dass unter dem nächsten Bischof von Chur wieder ein Weihbischof für Zürich mit besonderen Vollmachten ernannt würde. Der Zürcher Synodalratspräsident Benno Schnüriger stimmt dem zu. Unter der Bedingung, dass die Ortskirche dabei ein Mitspracherecht erhalte. Doch auch das ist aus heutiger Sicht sehr unwahrscheinlich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.07.2017, 18:37 Uhr

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