«Drastische Strafen für Raser führen nicht zu weniger Unfällen»
Von Mirjam Comtesse. Aktualisiert am 28.04.2010 31 Kommentare
Andreas Widmer
Keine echte Reue
«Ein Raser ist jemand, dem es egal ist, wenn er durch sein Fahrverhalten andere in Gefahr bringt», betont der Zürcher Staatsanwalt Jürg Boll. Er konkretisiert: «Meist sind Raser jung, uneinsichtig und Wiederholungstäter. Zudem sind sie oft nicht geständig.» Es sei an der Tagesordnung, dass sie mit ihren Fahrkünsten prahlen, bagatellisieren und sich auf Video aufnehmen. Er habe nur wenige Raser getroffen, die echte Reue zeigten.
Boll beschäftigt sich ausschliesslich mit Strassenverkehrsdelikten. Seit rund sieben Jahren steht er immer dann im Rampenlicht, wenn Raserunfälle an die Öffentlichkeit gelangen. Er hat zahlreiche Erfolge verbucht. So zum Beispiel erreichte er, dass das Auto in der Rechtsprechung als Tatwaffe anerkannt wird und beschlagnahmt werden darf. Oder dass ein Raser wegen eventualvorsätzlicher Tötung verurteilt werden kann, was eine härtere Strafe zur Folge hat als ein Verstoss gegen die Verkehrsordnung. Eventualvorsatz bedeutet, dass der Raser bei Unfällen eine schwere Körperverletzungen in Kauf nimmt.
Generell sind die Strafen gegen Raser härter geworden. «Doch harte Strafen allein machen die Strasse nicht sicherer», sagt Boll. Seines Erachtens ist ein wirksames Mittel gegen Geschwindigkeitsexzesse und skrupellose Autorennen die Anordnung von «deutlich längeren Ausweisentzügen».
Die Rechtsprechung bei Raserdelikten ist uneinheitlich. Im Gegensatz zum Kanton Zürich sind im Kanton Bern verschiedene Personen mit Raserdelikten beschäftigt. Der Berner Gerichtspräsident Daniel Gerber sagt: «In meiner vierjährigen Laufbahn als Richter hatte ich bisher nur zwei Fälle von Fahrern im Sinne der Raserdefinition, die innerorts die Geschwindigkeit überschritten haben.» Er betont, dass er sich aber nur auf seine eigenen Erfahrungen abstütze. Es gebe keine bernischen Statistiken.
Rahel Guggisberg
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Die Initiative «Schutz vor Rasern», die gestern lanciert wurde, will Temposünder härter bestrafen. Ist das der richtige Weg?
Andreas Widmer: Ich kann mir nicht vorstellen, dass drastische Strafen die Zahl der Unfälle reduzieren. Höchstens kurzfristig. Studien zeigen, dass höhere Sanktionen das Verhalten der Leute nur sechs bis neun Monate lang beeinflussen.
Wieso lassen sich Gesetzesübertreter so schwer beeindrucken?
Wenn jeder Raser tatsächlich erwischt würde, könnten schärfere Gesetze helfen. Doch die Entdeckungsrate ist gering. Deshalb bleibt die Androhung virtuell – die allermeisten Leute betrifft sie nicht persönlich.
Was wäre denn ein wirksames Vorgehen gegen Raser?
Es bräuchte mehr Kontrollen – aber dies würde natürlich mehr Polizisten voraussetzen. Die Raser, die erwischt werden, sollten auch sofort eine Konsequenz spüren. Ideal wäre, wenn sie innerhalb einer Woche ihren Ausweis abgeben müssten. Heute dauert es oft viel zu lange, bis die Raser nicht mehr fahren dürfen. In der Zwischenzeit bauen sie weitere Unfälle.
Aber wie wird danach aus einem Temposünder ein vernünftiger Verkehrsteilnehmer?
Eine Strafe allein bewirkt keine Verhaltensänderung. Ich halte Nachschulungen, Kurse und Einzeltherapien für sinnvoll. Die meisten Raser sind sich gar nicht bewusst, was sie machen. In einer Therapie geht es darum, dass sie merken, wie sehr sie sich und andere gefährden.
Viele haben genau auf solche Typen eine riesige Wut. Da gibt es Beispiele von jungen Männern, die sich anonym sogar mit ihren «Heldentaten» brüsten.
Höchstens zwei bis drei Prozent der Raser haben eine solche Persönlichkeitsstörung. 90 Prozent von ihnen kann man gut therapieren.
Das müssen Sie als Therapeut natürlich sagen.
Ich muss gar nichts sagen und bin zum Glück niemandem verpflichtet. Ich halte mich an die wissenschaftlichen Erkenntnisse, und die zeigen eine beeindruckende Wirksamkeit von Schulungen und Verkehrstherapien.
Wieso rasen Leute überhaupt?
Es ist ein Jugendphänomen. Junge Männer wollen zeigen, dass sie potent sind. Sie geben an und versuchen, in der Hackordnung möglichst weit oben zu stehen. Wie jemand im Sport eine Herausforderung sucht, so suchen sie diese beim Rasen.
Oft handelt es sich um junge Männer aus dem Balkan. Ist das Rasen ein Ausländerproblem?
Es stimmt, dass prozentual viele Raser Wurzeln haben in Mazedonien, der Türkei, Kroatien und Serbien. Aber die meisten sind hier in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Wir würden sie im Alltag nicht als Ausländer wahrnehmen.
Dennoch ist ihre Mentalität offensichtlich eine andere.
Ja, sie haben andere Werte. Das Auto bedeutet für sie dasselbe wie für uns 14-Jährige früher das Töffli.
Weshalb?
Das Auto ist in ihrem Kulturraum viel bedeutender. Auch Macho-Denken ist verbreitet. Sie dürfen dabei aber nicht vergessen, dass ich in meinen Kursen und Therapien auch immer wieder Schweizer betreue. Wenn man das Raserproblem allein als Ausländerproblem begreift, kann man es nicht lösen. Es ist ein Jugendproblem.
Gibt es denn keine älteren Raser?
Nur selten. Entweder handelt es sich dann um Personen, die beruflich sehr erfolgreich sind und nach dem Prinzip leben «Zeit ist Geld». Oder dann sind es Leute, die nie gelernt haben, sich an Regeln zu halten.
Wie sieht es aus mit Raserinnen?
Es gibt fast keine. Aber ich habe auch schon mehrmals Raserinnen therapiert.
Wäre es nicht am sinnvollsten, im Vorhinein zu verhindern, dass gefährliche Verkehrsteilnehmer einen Führerschein erhalten?
Das jetzige System mit dem Führerschein auf Probe ist gar nicht so schlecht. Wer das erste Mal erwischt wird, der gerät sofort in ein Schulungssystem. Die Unfallzahlen haben seit der Einführung 2006 abgenommen.
Die Initiative ist überflüssig?
Im Prinzip finde ich die Initiative gut. Aber es gibt bessere Massnahmen, um Unfälle zu verhindern. Ein Fehler der Initiative ist auch, dass sie viele Risikogruppen auslässt. So sagt sie nichts zu Alkoholisierten, die am Steuer sitzen. Genau so schlimm wie Raser sind zudem Verkehrsteilnehmer, die links um den Kreisel herumfahren oder nur einen Abstand von zwei Metern zum vorderen Fahrzeug einhalten.Interview:Mirjam ComtesseAndreas Widmer ist Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Verkehrspsychologie (VFV). (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.04.2010, 10:16 Uhr
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31 Kommentare
Ein Kulturproblem ist es, weil Leute dieser Herkunft offensichtlich intellektuell sehr früh an ihre Grenzen stossen und sich deshalb mit ihrem motorisierten Untersatz beweisen müssen. Leider nicht von der Hand zu weisen und anhand der degenerierten Verhaltensweise leicht zu erkennen. Hoffentlich können wir Raser auch bald ausweisen. Diese Leute passen einfach nicht hierher, in keinster Weise. Antworten
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