Schweiz

Die aufsässige Kampfmaschine ist vielleicht bald am Ziel

Von Verena Vonarburg. Aktualisiert am 18.02.2011 24 Kommentare

Der höchst umstrittene Berner SVP-Hardliner Thomas Fuchs kann in den Nationalrat nachrutschen, wenn Adrian Amstutz am 6. März in den Ständerat gewählt wird.

Lässt sich gern als «Blochers Statthalter» bezeichnen: Thomas Fuchs.

Lässt sich gern als «Blochers Statthalter» bezeichnen: Thomas Fuchs.

Rechts. Laut. Populistisch. Das sind viele in der SVP. Thomas Fuchs ist zusätzlich schlau, schnell und schwul. Der 44-jährige Berner Lokalpolitiker fällt seit Jahren national auf wie ein bunter Hund. Fuchs bekämpft unablässig alles Linke, und die Linke hasst Fuchs. Ein destruktiver Effekthascher sei er, heisst es dort. Es gibt Linke im Berner Kantonsparlament, die Fuchs konsequent siezen, wo doch die Parlamentarier sonst per Du sind. Für viele gilt: Nie mit Fuchs an einen Tisch sitzen, ja nicht mit ihm gesehen werden. Eine Frage der Ehre. Fuchs nervt.

Umgänglich und humorvoll

«Natürlich bin ich ihr Feindbild», sagt gut gelaunt der füllige Mann mit dem enormen Doppelkinn, «der Fuchs polarisiert!» Und er lacht sein Thomas-Fuchs-Lachen: ein hohes Buben-Kichern. Im persönlichen Umgang, sagen sogar Sozialdemokraten, sei der Fuchs eigentlich ganz umgänglich und durchaus humorvoll. Berührungsängste kenne er überhaupt nicht, betont er selber. «Nur haben die meisten Linken eine Ladehemmung, wenn sie mich sehen.»

Politisch haut Fuchs kompromisslos und hämisch auf fast alles, was rot-grün, «Classe politique» oder ausländisch ist. Er wollte ein Minarettverbot, lange bevor es national zur Debatte stand. Und er hat in einer Volksabstimmung erreicht, dass Stadtberner Exekutivmitglieder nicht mehr als 200'000 Franken verdienen dürfen. Er wettert gegen Sozialschmarotzer und hat den Zürcher SVP-Stil nach Bern gebracht. Dass man ihn Blochers Statthalter nennt: Fuchs wertet es als Kompliment.

Fuchs ist dort, wo die Kamera ist

Fuchs, der schon als Jung-SVPler begriff, wie man Schlagzeilen generiert, hält sich seit mehr als einem Jahrzehnt im Gespräch. Bei den Jungen ist er Kult, bekannt als Thommy F. Ein fuchssches Wahlkampf-Video gibt es auch in einer von Fuchs-Gegnern umgeschriebenen, witzigen Variante zu sehen: der Fuchs mit Balkan-Slang als Drogen- und Waffendealer. Eine Viertelmillion Mal sei das Video auf Youtube schon angeklickt worden, sagt der Karikierte stolz. Zuerst war er sauer auf die Macher, bald erkannte er: «Mir nützts.»

Fuchs weiss die Medien geschickt einzusetzen. Wo eine Kamera ist, ist Fuchs meist nicht weit. Stets stellt er sich so hin, dass er im Bild ist. Er liebt es auch, an Miss- und Mister-Schweiz-Wahlen zu gehen, weil die Stimmung dort so locker sei. Die Zeitungen bedient er mit Geschichten. Pressemitteilungen schreibt er im Akkord und blitzschnell. «Wenn andere noch ein Communiqué überlegen, habe ich es schon verschickt.» Er kann auch einstecken, zeigt sich nie beleidigt, rächt sich nicht an kritischen Journalisten, denn er weiss: Er ist auf sie angewiesen.

Gegner in den eigenen Reihen

Mit seinen provokativen Sololäufen verärgert er aber immer wieder selbst Parteikollegen. Er arbeite halt effizienter als die meisten, sagt er dazu. Von links bis rechts attestiert man ihm grosses politisches Talent, das untrügliche Gespür für politische Themen, ein enormes Engagement für sich und die SVP.

Und doch hat er es bis jetzt nicht auf die nationale Ebene gebracht, wohin er seit zehn Jahren drängt. Das letzte Mal, 2007, haben ihm bei den Nationalratswahlen nur 263 Stimmen gefehlt. Auf dem ersten Ersatzplatz wartet er seither, dass ihm einer aus der Partei Platz macht. Keiner wollte. Das wurme ihn schon, räumt Fuchs ein. Sollte nun aber Adrian Amstutz von der grossen in die kleine Kammer gewählt werden – die Chancen stehen nicht schlecht – erbt Fuchs dessen Nationalratssitz.

Banker und Blocher-Fan

Warum er es bis jetzt nicht geschafft hat? Der Mann polarisiert in der SVP genauso wie ausserhalb. Vielen ist er unheimlich. Man hat ihn immer wieder zurückgebunden: Er ist nur Kantonsparlamentarier, besetzt kein wichtiges Amt in der Partei. Die Skepsis bei den eigenen Leuten nimmt ihm an Gefährlichkeit für den politischen Gegner.

Dass er nach Blocher-Art zu politisieren anfing in Bern, hatte ihm mancher in der damals noch behäbig-staatstragenden Berner SVP übel genommen. Fuchs ist überdies ein Städter. Und Bankangestellter bei der Credit Suisse. Beides ein Handicap, bestätigt er, denn die SVP bleibt eine Landpartei. Dass er schwul ist, kostet ihn zusätzliche Stimmen.

Fuchs reagiert im anstehenden eidgenössischen Wahlkampf auf seine Art: Er wird sich den Gegnern auf dem Land noch offensiver stellen. An jeder Hundsverlochete wird er auftauchen, schneller dort sein als die anderen. Jetzt schon streut er grossflächig Fuchs-Kugelschreiber, Fuchs-Schreibblöcke, Fuchs-T-Shirts. Den Wahlkampf will er sich 100'000 Franken kosten lassen. Woher nimmt er das Geld? Eine Frage der Organisation, sagt er.

Manischer Sammler

Das System Fuchs, eine nie stillstehende Kampfmaschine. Er ist an unzähligen Orten ehrenamtlich tätig und gibt vier konservative «Blättli» heraus, wie er sie nennt. Jeder kann ihn jederzeit erreichen, jeder bekommt eine Antwort. Schlafen tut er nur wenige Stunden. Akribisch sammelt Fuchs zudem Adressen. Jeder potenzielle Wähler und Spender wird vermerkt: «Das ist mein Kapital.» Er notiert, wer wofür gespendet oder wofür einer seine Unterschrift gegeben hat.

Wie in einer Sekte

Will jemand von der Liste gestrichen werden, rennt ihm Fuchs aufsässig hinterher. «Ich lasse doch keinen einfach so gehen.» Wie in einer Sekte, hält man ihm vor, er streitet es nicht ab. Benötige er 20'000 Franken oder 10'000 Unterschriften, habe er die innert Kürze zusammen – dank der elektronischen Kartei. Man könne von Fichen sprechen. «Das Sammeln ist eine Manie.»

Schafft er es diesmal wieder nicht in den Nationalrat, versucht er das Glück in vier Jahren von Neuem. Ein Fuchs gibt nie auf. Seine Chance auf den Einzug ins Bundeshaus analysiert er als simple Altersfrage. «Etliche andere Berner im Nationalrat sind älter», sagt er, «die Zeit läuft also für mich.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.02.2011, 23:08 Uhr

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24 Kommentare

hans zumstein

18.02.2011, 06:56 Uhr
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"Fuchs ist dort, wo die Kamera ist". Dasselbe liesse sich von Mr Levrat und anderen Politikern aus dem linken Spektrum auch schreiben . . . Antworten


Heinz Moll

18.02.2011, 07:28 Uhr
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O, Sie haben ganz zu schreiben vergessen, ob dieser Fuchs Vegetarier ist oder nicht. Sowas ist doch ebenfalls von grösstem Belang. Antworten



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