Schweiz
Die alltäglichen Absurditäten der Bürokratie
Aktualisiert am 04.11.2010 33 Kommentare
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«Bürokratieabbau jetzt», fordert die FDP des Kantons Zürich seit Jahren. Und sie hat, um ihre Forderung zu bekräftigen, «bürokratische Schauergeschichten» gesammelt und auf einer Website veröffentlicht. Diese wurden entweder in Medienberichten gefunden oder von Privatpersonen der FDP gemeldet. Hier folgt eine kleine Auswahl der rund 50 Geschichten, die absurd oder lustig oder gar beides sind:
Der freigelassene Hecht vom Greifensee
Einem Hobby-Fischer, der einen Hecht aus dem Greifensee gezogen hat, droht eine Busse, weil er verschiedene Vorschriften nicht beachtet haben soll. So hat der Angler den prächtigen Fisch nach eigenen Angaben wieder in die Freiheit entlassen, was ein Verstoss gegen die Tierschutzverordnung darstellt. Ausserdem hielt er sich viel zu nahe am Schilfgürtel auf: Er befand sich also mit dem Boot verbotenerweise in der Seeschutzzone.
5.45 Franken als Rückzahlung vom Staat
Ein Ärgernis kann auch die Rückverteilung von Erträgen aus der CO2-Abgabe sein. «Da kommt sicher eine hübsche Summe zusammen, die man in ökologische Projekte investieren kann», meinte eine Bürgerin. Aber sie sollte sich täuschen, denn sie bekam einen Beitrag von 5.45 Franken. «Ich begreife nicht, wie so ein Stumpfsinn passieren kann», schrieb die Frau. Und: «Wie viel kostet die ganze Administration dieser Übung?»
Bussen und nochmals Bussen im Strassenverkehr
Kopfschütteln lösen auch die Bussen im Strassenverkehr aus. Ein paar «Müsterchen» genügen, um den Ärger nachzuvollziehen. Wer zum Beispiel sein Auto umparkiert, ohne es vorher wieder «in den Verkehr einzufügen», riskiert eine Busse von 40 Franken. Oder: Wer sein Fahrzeug verlässt, ohne den Zündungsschlüssel wegzunehmen, muss mit einer Busse von 60 Franken rechnen. Oder auch: Eine 60-Franken-Busse droht beim unnötigen Vorwärmen des Motors eines stillstehenden Fahrzeugs. Auch Velofahrern droht einiges Ungemach – zum Beispiel Bussen von je 20 Franken für das Fahren ohne Glocke oder das Loslassen der Pedalen. Die Liste der Ordnungsbussenverordnung des Bundes umfasst im Strassenverkehr insgesamt 408 Übertretungen, etwa 60 davon betreffen den Veloverkehr.
Parkverbot für Personenwagen
Ein Geschäftsmann ist bei der Arbeit ausnahmsweise mit seinem Personenwagen unterwegs. Sein mit Lieferwaren gefülltes Auto darf er allerdings nicht auf einem Lieferantenparkplatz abstellen. Die Polizei schaltet sich umgehend ein. Dabei stellt sie unmissverständlich fest, dass Strassenautos keine Lieferwagen sein können.
Verhinderte Vierwaldstättersee-Überquerung
Bürokratische Hindernisse verschonen selbst Prominente nicht. Erfahren musste dies zum Beispiel Hochseil-Artist Freddy Nock, einer der Stars der diesjährigen Knie-Tournee. Nock wollte analog der Seeüberquerung am Zürichsee Gleiches am Vierwaldstättersee tun – die Stadt Luzern wollte jedoch nichts von dieser Idee wissen. Im negativen Bescheid teilten die Luzerner Behörden mit, dass diese Werbeaktion für den Circus Knie viel zu grosse Umtriebe verursacht hätte.
Lama-Dame Klara und der Esel Maxi
Im Zürcher Oberland lebten die Lama-Dame Klara und der Esel Maxi während acht Jahren friedlich zusammen. Bis die Kantonsbehörden feststellten, dass die Tierschutz-Verordnung aus dem Jahr 2008 das Zusammenleben von Lama und Esel nicht erlaubt. Das Zürcher Veterinäramt teilte mit, dass Lamas nur zu zweit oder in Gruppen leben dürfen. Lama-Experten äusserten aber Zweifel, dass sich Klara nach so vielen Jahren in eine Herde eingliedern lasse. Der Besitzer der Lama-Dame sah offenbar keinen anderen Ausweg, als das Tier zu schlachten, statt es dem Leid einer Neuplatzierung auszusetzen.
Die Zürcher FDP will unter anderem mit der Vergabe des «Gahts-no!»-Preises am kommenden Samstag in Zürich auf die Notwendigkeit eines Bürokratieabbaus aufmerksam machen. Ausgezeichnet wird eine der rund 50 eingereichten Bürokratie-Geschichten.
Haben Sie auch schon Probleme mit Gesetzen, Bürokratie und Behörden gehabt? Dann teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit: Bitte unten eintragen. (vin)
Erstellt: 04.11.2010, 08:07 Uhr
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33 Kommentare
Ich habe ein Problem mit der Wehrpflicht. In der Verfassung steht, dass Hautfarbe-, Religion-, und sexuelle Diskriminierungen verboten sind... wieso sind Männer aufgrund des Geschlechts zum Militär verpflichtet? Man darf sich ja das Geschlecht nicht auswählen. Das ist für mich Schikane. Entweder Wehrpflicht für alle (und auch für Frauen) oder für niemanden. Aber am besten für niemanden Antworten
Ich kann Stephan Schneider nur zustimmen. Absolut lächerlich wie die FDP mit dem "Bürokratieabbau jetzt" Wahlkampf betreiben will. Was ist aus der einst stolzen Partei geworden? Aber wenn man solchen Selbstdarstellerinnen wie Frau Fiala zuhört, überrascht das einem nicht. Good bye FDP! Antworten
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