Schweiz

«Die Zivis erfüllen ihre Bürgerpflichten»

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 14.09.2009 5 Kommentare

Nicolas Zogg vom Vorstand der Gemeinschaft Schweizer Zivildienstleistender wehrt sich gegen die Kritik am Zivildienst.

Nicolas Zogg: «Es gibt immer noch mehr Einsatzmöglichkeiten als Zivis.»

Nicolas Zogg: «Es gibt immer noch mehr Einsatzmöglichkeiten als Zivis.»

Herr Zogg, die Armee schlägt Alarm: Weil die Gewissensprüfung abgeschafft wurde, laufen ihr die Leute davon und gehen in den Zivildienst.
Die Lage wird dramatisiert. Von den 38'000 Stellungspflichtigen des Jahres 2009 beenden voraussichtlich 55 Prozent die Rekrutenschule. Gut 5 bis 10 Prozent gehen zum Zivildienst. 40 Prozent sind hingegen untauglich und leisten weder Militär- noch Zivildienst. Die Zivis erfüllen ihre Bürgerpflichten. Die Behauptung ist absurd, dass sie die Armeebestände bedrohen.

Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden 4328 Zivildienst-Gesuche eingereicht.
Die Hälfte dieser Leute hat die Rekrutenschule bereits absolviert. Das sind Dienstpflichtige, die wegen der neuen Zulassungsbedingungen doch noch zum Zivildienst wollen.

Rechnen Sie mit noch mehr Gesuchen?
Schwer zu sagen. Doch auch wenn der Anteil auf 10 Prozent steigen sollte, ist er immer noch weit tiefer als der Anteil jener, die weder Militär- noch Zivildienst leisten.

Es gibt offenbar Fälle von Armeeangehörigen, die aus dem WK heraus in den Zivildienst wechseln – weil sie zum Beispiel keine Lust auf Sonntagswache haben.
Das sind Einzelfälle. Was aber sicher eine Rolle spielt, sind die Erfahrungen, die ein Soldat im WK macht. Wer seine Zeit in der Armee als sinnlos empfindet, wechselt eher in den Zivildienst – weil er der Meinung ist, dort eine sinnvollere Leistung für den Staat zu erbringen.

Gibt es überhaupt genügend Möglichkeiten, diese Leute einzusetzen?
Der Bund hat 1500 Betriebe mit 6000 Einsatzmöglichkeiten für Zivildienstleistende anerkannt. Diese Betriebe müssen eine gemeinnützige oder nicht-gewinnorientierte Aufgabe erfüllen. Es gibt mehr Einsatzmöglichkeiten als Zivis.

Man hört aber auch von Zivildienstleistenden, die Festschriften verfassen oder bei einem Velo-Verein das Telefon hüten.
Ein Zivi kostet seinen Betrieb in der Regel mindestens 2000 Franken im Monat. Da überlegt man sich, ob man sich einen so teuren Telefonbeantworter leistet. Die Pflichtenhefte der Zivis werden periodisch überprüft. Vielleicht sind einzelne in Randzeiten nicht voll ausgelastet. Die grosse Mehrheit leistet jedoch einen anspruchsvollen Dienst an der Gemeinschaft. Oft ist der Bevölkerung gar nicht klar, dass hinter einer Dienstleistung ein Zivi steckt – etwa bei der Pflege in Heimen und Spitälern.

Mit Nicolas Zogg sprach Daniel Foppa (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2009, 04:00 Uhr

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5 Kommentare

Nadine Binsberger

14.09.2009, 09:45 Uhr
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Nicht der Zivildienst entzieht der Armee die Leute, sondern umgekehrt: die Armee entzieht der Zivilgesellschaft ein wertvolles Personalpotential. Antworten


anrde tschudi

14.09.2009, 09:34 Uhr
Melden

dass arbeitsplätze dank zivildienstleistenden wegfallen,daran denkt herr zogg nicht,gibt halt mehr arbeitslose aber das ist diesem herrn ja egal und gewinnorientiert ist bekanntlich jede firma,auch spital,altersheime usw. Antworten



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