Schweiz

Die «Weltwoche» im Erklärungsnotstand

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 06.01.2012 224 Kommentare

Die Zeitschrift sprach nie persönlich mit dem Informanten ihres Hildebrand-Artikels.

«Falls die Aussagen stimmen»: Chefredaktor Roger Köppel deutet an, dass die «Weltwoche» instrumentalisiert worden sein könnte.

«Falls die Aussagen stimmen»: Chefredaktor Roger Köppel deutet an, dass die «Weltwoche» instrumentalisiert worden sein könnte.
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Die Chronologie der Affäre Hildebrand

Die Chronologie der Affäre Hildebrand
Der Fall Hildebrand: Wie es dazu kam – und welche Personen darin verwickelt sind.

Kein Rücktritt: Philipp Hildebrand nahm gestern erstmals selbst Stellung.

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Hildebrand nimmt Stellung

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Der Präsident der Nationalbank äussert sich zu den Vorwürfen gegen ihn.

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Die «Weltwoche» hat hoch gepokert. Und verloren. In der Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe stellt Star-Autor Urs Paul Engeler es als Tatsache hin, dass Philipp Hildebrand zwei Tage vor Beschluss einer Devisenmarktintervention der Nationalbank seinen Berater der Bank Sarasin telefonisch angewiesen hatte, den umstrittenen Kauf von rund 500'000 Dollar zu tätigen. Und nicht Hildebrands Frau, wie die drei Kontrollstellen Finanzaufsicht, Bankrat und PricewaterhouseCoopers in einem laut Engeler «lügenhaften» Communiqué hätten verbreiten lassen.

Für diesen zentralen Vorwurf, der es der «Weltwoche» erlaubt, Hildebrand als «geschniegelten Gauner» zu bezeichnen, des Insiderhandels und der Lüge zu bezichtigen und seinen Rücktritt zu fordern, bedarf es laut gängigen journalistischen Regeln ein schriftliches Dokument, das die rufschädigenden Vorwürfe zweifelsfrei belegt, oder zwei voneinander unabhängige und glaubwürdige Quellen. Seit gestern ist klar: Urs Paul Engeler, der diesen Monat für seine Enthüllung von Bruno Zuppigers Erbschafts-Affäre zum Journalisten des Jahres 2011 gekürt wird, verfügt weder über das eine noch das andere. An seiner gestrigen Medienkonferenz konnte Hildebrand die «Weltwoche»-Darstellungen deshalb unwidersprochen dementieren. «Es ist offensichtlich, dass der Auftrag für die Transaktion von meiner Frau per Mail aus ihrer Galerie getätigt wurde», sagte Hildebrand und nannte genaue Absendezeiten entsprechender E-Mails.

«Grosse Wahrscheinlichkeit»

Nun kommen sowohl Engeler als auch sein Verleger und Chefredaktor Roger Köppel ins Schwimmen. Engeler räumt auf Anfrage des TA ein, dass er «nicht zu hundert Prozent sicher sein» könne, dass seine Version stimme, aber mit seiner langjährigen Berufserfahrung könne er sagen, dass seine Darstellung «mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit» zutreffe. Allerdings gibt er auch zu, dass er mit der Quelle, die er im Artikel in Anlehnung an den Auslöser des Watergateskandals «Deep Throat II», nennt, nie direkten Kontakt hatte. «Alles lief über einen Dritten, einen Mittelsmann», sagt Engeler, der sich, obwohl ihn offenbar Zweifel beschlichen hatten, nur unzureichend absicherte.

«Ich habe mir von diesem Mittelsmann schriftlich bestätigen lassen, dass die Aussagen der Quellen der Wahrheit entsprechen», sagt Engeler vor der Medienorientierung Hildebrands. Danach nennt Engeler den Mittelsmann auch beim Namen: Hermann Lei. Der Thurgauer Anwalt war es auch, der die gestohlenen Kontoauszüge Hildebrands zuvor per Blocher an den Bundesrat reichen liess, was ohne Konsequenzen geblieben war.

Wurde Engeler angelogen?

Wollte Lei nach diesem enttäuschenden Ausgang die «Weltwoche» mit zugespitzten Falschinformationen dazu bringen, Hildebrand doch noch so viel Schaden wie möglich zuzufügen? «Es ist nichts undenkbar», sagt Engeler, der an seiner Darstellung festhält. Hildebrand solle die E-Mails seiner Frau zeigen, sonst werde er seine Geschichte nicht berichtigen. Noch gebe es zu viele Ungereimtheiten. «Warum spendet Hildebrand, wenn er Gewinn gemacht hat? Warum kauft er am selben Tag Aktien, wo er doch sagt, er sei zu beschäftigt gewesen, um an Devisengeschäfte zu denken? Das ist unglaubwürdig», sagt Engeler.

Köppel, der im Editorial geschrieben hatte, es gebe «keinen Zweifel» an Hildebrands persönlichen Devisenspekulationen, ruderte gestern ebenfalls zurück. In einem Kommentar auf der «Weltwoche»-Website deutet Köppel die Möglichkeit an, dass die «Weltwoche» von Lei instrumentalisiert worden sein könnte. «Stimmen die Aussagen des Kundenberaters, die der ‹Weltwoche› schriftlich bestätigt wurden, hat der Notenbanker gelogen», schreibt Köppel, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.01.2012, 22:49 Uhr

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224 Kommentare

James Lehmann

06.01.2012, 09:27 Uhr
Melden 458 Empfehlung 0

Warum wohl kauft Blocher die Basler Zeitung? Warum schreibt die Weltwoche im Namen der SVP Artikel? Es geht um die Manipulation der Öffentlichkeit. Ironischerweise denken viele Weltwocheleser, dass sie besonders aufgeklärt und informiert wären. Antworten


Hansueli Zürcher

06.01.2012, 07:39 Uhr
Melden 419 Empfehlung 0

So wie Hr. Hildebramd die SNB führt und die Banken an die Kandare nimmt, hilftb sie dem normalen Pensoinskasen -Mitglied. Dass ausgerechnet Hr. Blocher und seine SVP die Person Hildebrand weg haben will zeigt auf, wie die SVP das Volk hinters Licht führt. Dem Financier Blocher will eine schache SNB und da scheint ihm jedes Mittel recht zu sein, auch Bankgeheimnisverletzung! Blocher ist das Übel! Antworten



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