Die Wasserkraft-Projekte des Bundes alarmieren die Umweltverbände
Von Patrick Feuz, Bern. Aktualisiert am 15.06.2011 23 Kommentare
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Der Ausbau der Wasserkraft gehört zum Projekt Atomausstieg. So jedenfalls sieht es der Bundesrat. Umgebaute und neue Stauseen sowie zusätzliche Kleinwasserkraftwerke sollen in bescheidenem Umfang zur atomstromfreien Zukunft beitragen: plus 4 Terawattstunden (TWh) bis 2050. Doch nur schon diese Strommenge zu erzeugen, dürfte schwierig werden, denn bereits zeichnet sich Widerstand ab. «Wenn das Bundesamt für Energie seine Ideen weiterverfolgt, führt der Atomausstieg zum Ausstieg aus dem Natur- und Landschaftsschutz», sagt Michael Casanvoa, Gewässerschutzexperte bei Pro Natura. Und Patrick Hofstetter vom WWF Schweiz erklärt, das vom Energieamt geschätzte Ausbaupotenzial sei «unrealistisch und für den Atomausstieg unnötig».
«Moderater» Restwasserschutz
Als Energieministerin Doris Leuthard am 25. Mai den Atomausstieg verkündete und als Alternative unter anderem die Wasserkraft nannte, erklärte sie sinngemäss, das geschätzte Potenzial von 4 TWh lasse sich mit einem ökologisch vertretbaren Ausbau realisieren. Doch daran zweifeln die Umweltverbände spätestens seit letztem Freitag, als das Bundesamt für Energie (BFE) in einem «Faktenblatt» seine Ausbauideen präzisierte.
Das Energieamt stellt unter anderem zur Diskussion, dass geschützte Gebiete «wieder der Wasserkraftnutzung zugeführt werden könnten». Gemeint sind konkret die neun Landschaften, wo heute auf Wasserkraftwerke verzichtet wird und die betroffenen Regionen im Gegenzug Ausgleichszahlungen kassieren. Also etwa die Greina-Hochebene im Kanton Graubünden oder ein Gebiet am westlichen Rand des Aletschgletschers im Wallis. «Unter den neuen Rahmenbedingungen» geht das Amt zudem davon aus, dass die Restwasserbestimmungen bei der Erteilung neuer Konzessionen «moderat» umgesetzt werden. Mit Vorschriften zum Restwasser will der Bund sicherstellen, dass trotz Wasserkraft-nutzung ein Leben für Tiere und Pflanzen im betroffenen Gewässer möglich bleibt. Aufgrund der Annahme der «moderaten» Umsetzung der Vorschriften halbiert das Amt seine bisherigen Schätzungen zu den Produktionsausfällen, die der Restwasserschutz verursacht. So lassen sich 0,9 Terawattstunden Strom gewinnen.
«Das wäre fatal»
Im Wunsch des Bundes nach «moderater Umsetzung» der Restwasser-Vorschriften sieht Hofstetter vom WWF einen «Aufruf an die Kantone, das Gesetz nicht buchstabengetreu anzuwenden». Gewässerschutzexperte Casanova von Pro Natura ist gar der Meinung, dass mit dem heutigen Gesetz eine Halbierung der Produktionseinbussen nicht möglich sei, also eine Lockerung der Restwasser-Vorschriften nötig wäre. «Das wäre aber fatal», denn schon die heutigen Bestimmungen seien das ökologische Minimum.
Marianne Zünd, Kommunikationschefin im Bundesamt für Energie, reagiert gereizt auf die Vorwürfe. Das geschätzte Ausbaupotenzial von 4 TWh berücksichtige «ökologische Kriterien». Denn das rein technische Potenzial liege bei 7,5 bis 8 TWh.
Greine-Ebene «fluten»?
Es sei auch nicht die Rede davon, die Greina-Ebene «zu fluten», erklärt Zünd. Für die neun Schutzgebiete zusammen schätzt das Amt die Ausbaumöglichkeiten bloss auf 0,4 TWh. «Nach dem Ja des Bundesrats und des Nationalrats zum Atomausstieg muss es doch erlaubt sein, zusammen mit den Kantonen auch in solchen Landschaften gewisse Potenziale zu evaluieren.»
Für Zünd ist die Aufregung um die «groben Schätzungen» zur Wasserkraft exemplarisch dafür, wie die energiepolitische Diskussion seit dem Unfall in Fukushima laufe. «Fast alle rufen nach dem Atomausstieg. Aber von den Alternativen wollen die meisten nichts mehr wissen, sobald sie davon direkt betroffen sind.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.06.2011, 22:24 Uhr
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23 Kommentare
Musste ja so kommen! Macht mich wütend! Jetzt kommt die Natur, die schönsten Gebiete der Schweiz an die Kasse. Fluten will man, eine Frechheit. Wenn das Volk genau die Szenarien des Bundes kennen würde, nicht nur häppchenweise, dann würde Zustimmung für AKWs rapide wieder zunehmen. Man könnte ja das ganze Wallis überfluten, um es extrem auszudrücken. Antworten
Es handelt sich hier in erster Linie um eine Droh- und Einschüchterungskampagne der Atomlobby, die, unbelehrbar, nicht von ihrer letztlich als unbeherrschbar erwiesenen Technologie (und natürlich dem Reibach der - mangels Kostenwahrheit - damit zu machen ist ) lassen will. Es kommt die Landschaftskeule, die Mangelkeule, die Auslandsabhängigkeitskeule usw. usw. Braucht Grips und Kapital für Neues! Antworten
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