Schweiz
Die Schweizer hamstern Tamiflu und Schutzmasken
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 29.04.2009 25 Kommentare
Gefragte Medizin: Ein Mitarbeiter der Roche sortiert Tamiflu. (Bild: Keystone/Roche)
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Ärzte und Apotheker in und um Zürich haben zwar noch keine Patienten behandelt, die zweifelsfrei an der gefährlichen Schweinegrippe erkrankt sind. Dennoch sind sie wegen der drohenden Epidemie in einer Vorstufe des Ausnahmezustandes. Die Nachfrage nach dem Grippemittel Tamiflu ist seit Samstag förmlich explodiert. Gestern hat Immunologe Beda Stadler von der Uni Bern im «Blick» gar dazu aufgerufen, sich vom Arzt sofort Tamiflu verschreiben zu lassen. Dies haben sich etliche Leute zu Herzen genommen. Selbst Notfallärzte wurden mit solchen Wünschen eingedeckt.
Das Problem ist nur, dass in den Apotheken die Vorräte bereits knapp sind, wie Roman Schmid, Inhaber der Zürcher Bellevue-Apotheke, bestätigte. Seit Samstag hat er rund 60 Packungen Tamiflu verkauft, und beim Grossisten konnte er nach eigenen Angaben keinen Nachschub erhalten. Schmid betonte, dass er den Leuten abrate, Tamiflu zu horten. Doch es gebe Kunden, die nach Mexiko reisten. Diesen gebe seine Apotheke Tamiflu auch ohne Rezept ab. Schmid ist wie Stadler überzeugt: «Diesmal ist die Situation ernster als vor drei Jahren bei der Vogelgrippe, weil das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist.»
Apothekerverband: Tamiflu in Zürich ausverkauft
Der Apothekerverband meldete gar, das Medikament Tamiflu sei im Kanton Zürich ausverkauft. Dies steht allerdings im Widerspruch zur Angabe des Grossisten Galexis. Mediensprecherin Christina Hertig sagte gestern Abend: «Derzeit können wir noch Tamiflu liefern.» Beunruhigt über die Versorgungslage ist auch Hausarzt Markus Fritzsche aus Adliswil. Er rechne damit, dass bald die ersten Krankheitsfälle in der Schweiz registriert würden. Er hat gestern erst im zweiten Anlauf Abstrichmaterial bekommen, um eine Patientin auf eine mögliche Infektion zu testen, und Tamiflu hat Fritzsche gar keines mehr bekommen.
Ein Verkäufer bei einem Medizinallieferanten bestätigte, dass die Nachfrage nach Tamiflu derzeit riesig sei, und wunderte sich zugleich: «Es ist verrückt, wie die Menschheit reagiert.» Bei der Vogelgrippe hätten Apotheken und Patienten Tamiflu gehamstert, und als das Gröbste vorbei gewesen sei, hätten sie ihre Vorräte wieder zurückgeben wollen.
Schutzmasken sind knapp
Knapp werden auch die Vorräte an Schutzmasken. Apotheker Roman Schmid hat den gewünschten Nachschub noch nicht erhalten. Beim Technologieunternehmen 3M bestätigte Kommunikationschef Daniel Schuler, dass die Nachfrage nach Masken «deutlich gestiegen» sei. Wie lange die Vorräte bei 3M noch reichen, konnte er nicht sagen. Er betonte allerdings, dass bei Engpässen in erster Priorität Spitäler und medizinisches Personal beliefert würden und nicht Apotheken. Für die gesunde Bevölkerung gebe es für den Notfall die Schutzmaskenreserve des Bundes. Bei Migros und Coop waren gestern noch Schutzmasken erhältlich.
Reisen werden umgebucht
Beunruhigt sind auch Touristen, die nach Mexiko reisen wollen. Dies bestätigte gestern Peter Brun, Mediensprecher von Kuoni. Auf dem heutigen Charterflug von Edelweiss nach Cancún hat Kuoni 40 Kunden. 16 hätten ihre Reise umgebucht. Ein Teil steige beim Zwischenhalt aus und mache Ferien auf Kuba. In Cancún am Golf von Mexiko ist die Krankheit noch nicht angekommen. In allen Hotels laufe der Betrieb wie gewohnt. Abgesagt werden aber Reisen nach Mexiko City. Dort sei derzeit kein touristisches Programm möglich, sagte Brun. Bei Tui Schweiz werden Umbuchungen von Mexiko-Reisen vorerst bis nächsten Montag akzeptiert, wie Pressesprecher Roland Schmid sagte. Etliche Kunden hätten ihre Ferien auch verschoben. Er betonte, dass die Reisenden ruhiger und sachlicher geworden seien, seit der Bund eine Hotline aufgeschaltet habe.
Fleischproduzenten besorgt
Die Fleischproduzenten fürchten, die Grippegefahr könnte den Absatz von Schweinefleisch drücken. Der Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbandes betonte, die Schweinegrippe könne nicht beim Verzehr von Schweinefleisch übertragen werden. In der Schweiz werde kein Fleisch aus Mexiko angeboten. Derzeit wird etwas weniger Fleisch verkauft als im Vorjahr. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.04.2009, 08:19 Uhr
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25 Kommentare
Mit Panikmacherei lässt sich gut von der aktuellen Krise ablenken. Auch haben die Zeitungen endlich wieder etwas zu schreiben. "Todesseuche erreicht die Schweiz!". So stürzte sich der Blick auf die Story. Wunderbar. Ich habe das Thema jetzt schon satt, es hängt mir aus den Ohren! Antworten
schade dass man gegen Dummheit nicht impfen kann: Tamiflu hamstern- vielleicht schon als Vorbeugung nehmen? Jeder Arzt wird davon abraten- aber die Dummen glauben sie wüssten es besser. Die Schweizer gelten als vernünftig und sachlich- wer hat das wohl erfunden? Man sollte die Warnungen ernst nehmen aber total durchdrehen ist bedenklich. Antworten
Wir haben die Schweinegrippe in unserem Land und alle Länder bzw. deren Regierungen handeln. Doch unser Selbstdarsteller-Bundesrat Couchepin findet es nicht nötig zu reagieren und verzichtet auf den Rat seiner Leute im Gesundheitsamt. Herr Couchepin, es ist Zeit den Sessel zu räumen für fähigere Leute! Antworten
Soll ich überhaupt noch Arbeiten gehen, oder soll ich die restlichen Tage, welche uns allen noch bleiben, lieber geniessen und nicht mehr zur Arbeit erscheinen? Gemäss der Präsenz dieses Thema in den Medien glaube ich, dass in zwei bis drei Wochen sowieso alle Menschen tot sind. Antworten
Ich bin der meinung das alle personen die von den Länder kommen in der diese krankheit ist : das wen sie in der schweiz ankommen kontroliert werden und im schlimmsten fall in Quarantene gebracht werden, und das bevor sie aus dem flugzeug raus kommen damit es keine weitern fälle in der schweiz geben wird. Mit freundlichen grüssen Familie Vulcano. Antworten
Wie dumm sind eigentlich die Menschen??????? Tamiflu horten ohne Anzeichen einer Krankheit. Ich hoffe nur, wenn diese "Horter" mal krank werden, dass dann für sie keine Medis mehr verfügbar sind. Wie kann man Medis horten, und die wirklich Kranken bekommen dann nichtsmehr, sofern sie es brauchen würden. Antworten
Wiichtig wäre zu wissen, wie und warum eine solcher Virus entsteht. Die MIkrobe der menschlichen Dummheit existiert schon seit Anbeginn der Menschheit und es gibt kein Gegenmittel. Weltweit sterben eine Million Menschen pro Jahr im Strassenverkehr ohne Gegenmittel und achselzuckend akzeptiert. Antworten
Danke Herr Wenk etc.. 100pro ihrer Meinung. Eigentlich müssten doch all jene, die wieder Masken und Medikamente kaufen, alles noch von der Vogelgrippe zu Hause haben, weil sie es auch damals nicht gebraucht haben. Schuld sind die Medien, die nichts besseres zu Berichten haben und alle 10 Minuten eine neue Überschrift und ein neues Interview mit neuen worst case szenarien verbreiten. Antworten
Trotz modernster Medizin und Wissenschaft, trotz hochmoderner Kommunikationsmittel läuft die ganze Informationspolitik noch genauso ab wie eine Panik im 16. Jahrhundert ! In 2 Wochen wird ausserhalb von Mexico bereits niemand mehr über die Schweinegrippe reden... Was für ein Thema kommt als nächstes ? Antworten
Was für ein Rummel von den Medien verursacht, was für eine Panikmacherei der Politik oder der Chemie-Riesen. Konstruierter Blödsinn! Zudem Heuschnupfenzeit, Grippen gab es immer - so what. Und wenn auch: ab etwas müssen wir doch sterben, bitte denkt mal nach liebe Mitbürger! aw Antworten
Gerade gab ein Wissenschaftler Entwarnung im deutschen Fernsehen. Die "Schweinegrippe", sofern sie man denn hat, wird man auch OHNE Medikamente wieder los, der bisher erkannte Erreger sei mittlerweile derart abgeschwächt, dass er weit weniger agressiv sei als vermutet. Entspannung ist also angesagt bis der nächste Virus im Anmarsch ist. Antworten
So ein Quatsch alles. Jedes Jahr sterben tausende von Menschen an normaler Grippe und wenn der Erreger mal ein wenig giftiger ist, drehen alle durch. Für die Pharmariesen ist das alles willkommen, denn bei der Vogelgrippe wurde das Medikament nicht genug abgesetzt und Tamiflu erreicht langsam der Verfalldatum.... also vollgas weiter machen mit Panikmache! Antworten
Es wäre zweifellos töricht, den aktuellen Grippetypus mit dem dümmlichen Namen "Schweinegrippe" zu ignorieren bzw. nicht ernst zu nehmen. Was aber derzeit erneut abgeht, grenzt an Massenpsychose. Es wäre wohl ratsamer, das Gros der Leute würde sich wieder des primitivsten Anstandes erinnern, wonach z.B. beim Niesen die Hand vor den Mund gehalten wird, als kiloweise Tamiflu zu hamstern! Xundheit! Antworten
Schon wieder diese Panikmache - aber Hauptsache, gewisse Leute können damit Unmengen von Geld verdienen! An erster Stelle natürlich Roche: Kaum hat sich das neue Krebsmittel als Flop erwiesen kann man mit dem altbewährten Tamiflu die entgangene Kohle einfahren. Des weiteren können alle Schutzmaskenhersteller und -verkäufer, Apotheker und Ärzte profitieren, man muss die Panik nur richtig anheizen! Antworten
Das Hamstern von Medikamenten ist doch wohl der grösste Unsinn! Die Lagerbedingungen zu Hause sind wohl in den meisten Fällen nicht optimal, die korrekte Anwendung nicht Sache des Laien und kosten tut es auch noch viel. Abwarten, wer wirklich erkrankt ist gehört zum Arzt und die Medis sollen den Kranken zugute kommen und nicht den hysterischen Hamsterern. Antworten
Seinen Kampf gegen Homöopathie in Ehren, aber hier kann ich Beda Stadler nicht verstehen: Tamiflu zeigt NUR eine Wirkung, wenn man es höchstens 24 Stunden nach den ersten Krankheitszeichen einnimmt. 99% von denen, die sich jetzt Tamiflu verschreiben liessen, sind dieses vermutlich schon am schlucken - und dann fehlt es, wenn die Grippewelle die Schweiz erreicht hat... Antworten
Es ist doch verständlich, dass viele Menschen in der Schweiz Angst vor der Schweinegrippe bekommen. Die Medien tragen ihr Wesentliches dazu bei. Überall müssen Verdachtsfälle aufgedeckt werden. Kennen wir die Grippenviren überhaupt so genau, dass wir abschliessend von der Schweinegrippe reden können? Ich freue mich auf das Wochenende, schalte das Radio aus und lege die Zeitung weg. Antworten
Ja, ja, schon bei der Vogelgrippe konnte man meinen, die ganze Welt geht unter. Krank macht mich einzig diese permanente Hype-Berichterstattung. In der gleichen Zeit sterben wohl mehr Menschen in den USA, in Mexiko und in der CH an Aids, normaler Grippe oder andern Viren. Was sind schon ein paar hundert Fälle? Sogar ein paar Tausend sind eigentlich bedeutungslos. Wo bleibt die Relation? Antworten
Übertrieben? Man tut gerade so, als ob dies eine fliegende Variante von AIDS wäre die sofort tötet sobald man damit in Berührung kommt. Jedes Jahr sterben 20000 Menschen am normalen Grippevirus, die Übertragung passiert dabei auf die selbe Art. Wer in Zürich mit so einer Maske rumläuft sollte lieber gleich Zuhause bleiben. Antworten
Man kann es dem Volk hundertmal sagen, schlussendlich weiss es jeder besser und denkt besonders an sich selbst. Der Faktor Mensch zeigt schon am Anfang, dass es im Ernstfall NICHT funktioniert, besonders in der Schweiz wo man eh auf dem hohen Ross sitzt und glaubt, hier sei es besser! Wer jetzt noch unbedingt nach Mexiko will, ist auch nicht ganz. Als Souvenier bringen sie ein Virus zurück. Antworten
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Michael Wormer
Tamiflu ohne Rezept abgeben wuerde ich als kriminell bezeichnen: diese Apotheker sollten angeklagt werden (waere doch mal was nuetzliches fuer SwissMedic !). Das WAHRE Problem ist - neben der Panikmacherei, woran sich auch der TA beteiligt, die Tatsache dass die Bestaende von Oseltamivir aufgebraucht werden - sollte eine agressive Variante von H5N1 auftauchen stehen sieht es dann duester aus! Antworten