Die Schützenkönigin
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 23.12.2010 67 Kommentare
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Dieser Kampf war nicht zu gewinnen. Vergeblich versuchte Dora Andres letzte Woche, die Frauen der CVP Schweiz von einem Nein zur linken Waffenschutz-Initiative zu überzeugen. Man hörte nicht auf sie. Die CVP-Frauen folgten mit 15 zu 2 Stimmen den Argumenten einer Ärztin, die eindringlich für die Initiative warb – und stellten sich damit gegen die eigene Partei. Die Niederlage erschüttert Andres nicht. «Viele Frauen versprechen sich etwas Falsches von der Initiative», sagt die Präsidentin des Schweizer Schiesssportverbands. Ohnehin habe man mit der Gegenkampagne noch gar nicht begonnen. Weihnachten und Waffenrecht passen auch aus Sicht der Gegner nicht so richtig zusammen.
Im Gespräch in einem Zürcher Lokal führt die FDP-Frau aus, weshalb die Initiative abzulehnen sei: «Die heutigen Bestimmungen genügen. Die Initiative ist eine Misstrauensbekundung gegenüber dem Bürger.» Vor ihr liegen Ordner mit Statistiken und Informationen zum Waffenrecht. Die frühere Polizei- und Militärdirektorin des Kantons Bern gibt derart fundiert Auskunft über Waffen und deren Eigenschaften, dass sie plötzlich von einer osteuropäischen Dame am Nebentisch ein Kompliment erhält: Es sei bewundernswert, wie offen eine Waffenhändlerin hierzulande mit einem Kunden sprechen könne.
Zerlegung einer Initiative
Von Frauen erhält Dora Andres ansonsten eher wenig Komplimente. «Ich hätte nie gedacht, dass eine Frau zur schärfsten Gegnerin der Initiative wird», sagt Rosmarie Zapfl vom Pro-Komitee. Die Präsidentin des Frauenverbands Alliance F vermutet taktische Gründe dahinter, dass nach der Zürcherin Rita Fuhrer erneut eine Frau den Schützenverband mit seinen 220'000 Mitgliedern präsidiert. «So versucht man, Frauen das Schiesswesen näherzubringen.»
Andres weiss um die schwierige Ausgangslage, gegen eine Initiative anzutreten, die Schutz vor Waffengewalt fordert. «Wer ist da schon dagegen?», fragt sie rhetorisch – und zerlegt dann das Begehren in seine Einzelteile: «Die Initiative führt zu mehr Bürokratie und mehr illegalen Waffen. Sie entmündigt Bürger und Soldaten und bedroht den Schiesssport.» Nüchtern und ruhig wird sie dies an Podien und TV-Auftritten verkünden. In einem emotionalen Abstimmungskampf, bei dem es um Familiendramen, Selbstmorde und Tötungsdelikte wie jenes in Zürich-Höngg geht, als ein Soldat 2007 eine junge Frau mit dem Sturmgewehr erschossen hat.
Andres betont, seither sei viel geschehen: Die Armee prüfe besser, wer eine Waffe erhalte, und sie gebe keine Munition mehr mit nach Hause. «Die Initiative gaukelt falsche Sicherheit vor. Sie können nie Menschen von Gewalttaten abhalten oder sie daran hindern, sich das Leben zu nehmen.» Kühl pariert sie die Frage, ob solche Aussagen für Angehörige von Opfern nicht wie blanker Hohn wirken könnten: «Jeder Einzelfall ist tragisch. Aber man kann nicht wegen Einzelfällen alle anderen bestrafen.»
Unbeirrbare Überzeugung
Als Polizeidirektorin hat Andres erlebt, dass sich Korpsangehörige mit der Dienstwaffe erschossen haben: «Das waren keine Spontanhandlungen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass bereits zuvor Probleme bestanden.» Sie behauptet: «Im Affekt erschiesst sich keiner.» Das Argument von Ärzteverbandspräsident Jacques de Haller, mit der Initiative liessen sich pro Jahr 100 Menschenleben retten, schiebt sie als «pure Behauptung» beiseite.
Woher kommt diese unbeirrbare Überzeugung, mit der sie sich den Argumenten von Ärzten und Fachleuten entgegenstellt? An einer flammenden Begeisterung für den Schiesssport kann es nicht liegen. Wenn Andres schildert, wie sie gelegentlich selber schiesse und auch schon Kränze geschossen habe, tut sie es, als ob sie von einem Einkauf in der Migros erzählt. Nichts ist zu spüren vom Furor, mit dem Schützen- und Armeekreise derzeit gegen die «Entwaffnungsinitiative» mobilmachen. Nichts erinnert an Aktivistinnen für ein freiheitliches Waffenrecht, die sich wie Sarah Palin in den USA lustvoll beim Schiessen in Szene setzen.
Prall gefüllte Kriegskasse
Hier kämpft eine jederzeit kontrollierte, streng wirkende Frau, die emotionalen Argumenten Sachlichkeit und Gesetzesbestimmungen entgegensetzt. Andres kann dabei auf eine prall gefüllte Kriegskasse zurückgreifen. Jeder lizenzierte Schütze zahlt von 2009 bis 2011 pro Jahr automatisch fünf Franken für die Nein-Kampagne. So kommt gut eine Million Franken zusammen. Zusätzlich werden mehrere Zehntausend Franken Spendengelder erwartet.
«Als ich mich für das Schützenpräsidium bewarb, wusste ich, was auf mich zukommt», sagt die 53-Jährige. Sie habe lange überlegt, dann zugesagt, eine Kampfwahl gewonnen – und nun setze sie sich konsequent für ihren Verband ein. Pflichterfüllung gepaart mit dem Einsatz für eine freiheitliche Rechtsordnung, die auch Opfer in Kauf nimmt, sind ihre Motivation.
«Meine Horrorvorstellung ist, dass plötzlich ein Beamter entscheidet, diese Person erhält eine Waffe und diese nicht», sagt Andres. Das erinnere an totalitäre Regimes und sei bestechungsanfällig. Mit solchen Argumenten wird die Schützenpräsidentin in den nächsten beiden Monaten im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Als Vorkämpferin für die Rechte von Hunderttausenden, zumeist männlichen Waffenbesitzern. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.12.2010, 20:47 Uhr
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67 Kommentare
Schusswaffen sind für den Einsatz im Affekt prädestiniert, sie sind „sauber“ das Opfer muss nicht berührt werden und der Kraftaufwand ist gering. Ausser den Zeigefinger zu krümmen braucht es nichts. Nicht nur die Opfer auch die potentiellen Täter können dankbar sein wenn man sie von davon abhält, unter Umständen einen nicht wieder gut zu machenden Schaden an zu anrichtet. Daher ein JA einlegen. Antworten
Was haben die Jäger und Schützen für eine Problem wenn ihre Waffen stärker kontrolliert werden. Es ist doch von Vorteil wenn die wertvollen Waffen registriert sind. Gerade im Fall eines Diebstahls. Wenn ich eine Mobile Telefonnummer will muss die schliesslich auch registrieren. Ich habe mal gesehen was so eine Jagdwaffe koste. Ich würde die sogar freiwillig registrieren. Antworten
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