Schweiz

Die GLP und ihr dominanter Chef

Von Verena Vonarburg. Aktualisiert am 06.04.2011 43 Kommentare

Martin Bäumle, der Präsident der Grünliberalen, ist in seiner Partei Antreiber und Referenzgrösse. Bei den Kantonalparteien zeigen sich nun Emanzipationsbestrebungen.

Ein Mann mit Ambitionen: GLP-Präsident Martin Bäumle.

Ein Mann mit Ambitionen: GLP-Präsident Martin Bäumle.
Bild: Keystone

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Ein Charmebolzen ist er nicht, ebenso wenig ein Charismatiker. Man sieht ihn auch kaum je lachen auf einer politischen Bühne. Martin Bäumle, der Chef der Grünliberalen, wirkt streng. Streng mit einem Schuss ins Herrische. Doch erfolgreich ist dieser Mann. Im Moment so sehr, dass andere Parteipräsidenten neidisch werden können. Bäumle und seinen Grünliberalen fliegen die Stimmen der Wähler zu.

Die Partei, 2004 nach einem Streit mit den Grünen in Zürich geboren, gedeiht. In 14 Kantonen ist sie präsent. Unermüdlich baut Gründer Bäumle die Parteistrukturen auf. Selbst bei den Grünen, der bedrängten Schwester, zollt man ihm Respekt dafür: «Das ist eine gute Leistung», sagt Daniel Vischer, der grüne Zürcher Nationalrat. Bäumle ist intelligent, ein Schnellredner, ein Organisationstalent. Und er hat einen guten politischen Instinkt. Es ist ihm gelungen, die Gunst der Stunde in der politischen Mitte zu nutzen und dem links-grünen Lager wie auch den ratlos wirkenden Traditionsparteien CVP und FDP eine attraktive Alternative entgegenzusetzen.Gegen innen braucht eine neue Partei klare Führung. Doch mit Bäumles dominantem Charakter kommen nicht alle klar. «Wehe man ist nicht so redegewandt und keine so starke Persönlichkeit wie er, und wehe, man hat es mit ihm verdorben: Dann kann Martin Bäumle sehr unangenehm werden und laut», sagt einer aus der Partei, der zwar mit dem Präsidenten keine Probleme hat, aber seinen Namen doch nicht in der Zeitung lesen will – um nicht in Ungnade zu fallen. Ein Grüner charakterisiert den früheren Parteikollegen Bäumle so: «Er versucht gerne, den Chef zu markieren. Gewisse Leute lassen sich von ihm etwas gar rasch beeindrucken und geben nach.»

«Ich führe diese Partei»

Eine straffe Führung? «Nein», sagt Bäumle, «doch selbstverständlich: Ich führe diese Partei, und führen heisst auch Klartext reden und Entscheide fällen, wo es nötig ist.» Das sei gerade in der Aufbauphase von Bedeutung. Der Chef definiert seinen Führungsstil als kooperativ. «Ich bespreche mich mit den betroffenen Leuten.» Als Gründer der Grünliberalen habe er aber natürlicherweise «einen gewissen Einfluss. Das ist auch nicht schlecht.» Einen SVP-Führungsstil strebe er nicht an.

Bäumle will die Führungsspitze demnächst verbreitern, doch ändert das vorerst nichts an der Wahrnehmung: Der studierte Chemiker bildet die personelle Kernsubstanz der Partei. Neben ihm hat sich noch kein anderer einen Namen gemacht. Verena Diener, die Zürcher Ständerätin und Mitgründerin der GLP, ist zwar bekannt, tritt aber wenig in Erscheinung.In den Sektionen wissen die Exponenten, dass es ohne Bäumle (noch) nicht ginge, dass er Vorzeigefigur, Antreiber und Referenzgrösse in einem bleibt. Gleichwohl bemüht man sich um Emanzipation. «Das ganze Konstrukt unserer Partei ist noch etwas Ein-Personen-lastig», räumt Andreas Mahler ein, Co-Präsident der GLP Aargau. Die Grünliberalen im Aargau seien aber «gar nicht mehr so stark auf die schweizerische Partei fokussiert. Wir sind inhaltlich schon recht eigenständig.» Man warte auch darauf, dass ab Herbst nicht mehr nur Vertreter der Zürcher im Nationalrat vertreten sein werden. «Dann dürfte die Zusammenarbeit unter unseren kantonalen Parteien besser spielen.»Auch Franziska Schöni von der GLP Bern stellt fest, die Berner seien «nicht mehr ganz so abhängig von den Zürchern. Wir versuchen, Einfluss zu nehmen.» Die Kantonalparteien müssten lernen, eine gewisse Selbstständigkeit zu erlangen. «Wie bei einem Kind, das langsam erwachsen wird.» Bäumle bleibe Leaderfigur, «und er ist das auch gern, das spürt man. Allerdings hat auch er gelernt, dass er sich manchmal zurücknehmen muss.» Er höre zu «und nimmt vielleicht manchmal etwas auf».Für Werner Anderegg von den St. Galler Grünliberalen ist die Beziehung zu Bäumle «äusserst positiv». Der Präsident sei im Umgang «sehr angenehm, aber er hat seine klaren Positionen». Und Anderegg weiss, «dass andere Parteikollegen Bäumles Art als dominant empfinden. Die müssen halt einfach akzeptieren, dass er besser ist.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.04.2011, 23:11 Uhr

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43 Kommentare

Rolf Heinzmann

06.04.2011, 09:22 Uhr
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Ich finde ihn sympathisch und vorllem rethorisch brilliant. Dass er sich als Chef der Partei halt wie ein Chef verhält, liegt in der Natur der Sache. Antworten


Hanspeter Bühler

06.04.2011, 09:32 Uhr
Melden 25 Empfehlung

Grünliberal ist ein Unwort, denn diktierte Grünpolitik ist in sich schon das Gegenteil von liberal. Man versteckt hinter grüner Politik für Leute die ein schlechtes Gewissen haben Liberalismus, möchte aber genau wie alle anderen Parteien nur mehr politische Macht generieren. Entweder ist man politisch grün oder man ist liberal - beides zusammen ist Blödsinn. Antworten



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