Die Abgabe der Armeewaffe stösst bisher auf wenig Interesse
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 08.01.2010 5 Kommentare
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Wer will, behält seine Gewehr- und Pistolenpatronen
«Der vollständige Einzug der Taschenmunition wird 2009 abgeschlossen sein», verkündet die Armee auf ihrer Homepage. Dem ist mitnichten so. Laut der Armee sind von total 257'000 Dosen Munition bisher rund 197'000 zurückgegeben worden. 60'000 Dosen – das sind gegen drei Millionen Schuss – sind noch ausstehend. «Nächste Woche werden wir mittels Datenabgleich eruieren, wer die Munition noch nicht abgegeben hat», sagt Armeesprecher Christoph Brunner. Danach werden Mahnbriefe verschickt. Wer auch dann der Aufforderung zur Rückgabe nicht nachkommt, muss mit einer militärstrafrechtlichen Untersuchung rechnen. Mögliche Folgen sind Geldstrafen und Arrest.
In der Praxis ist es allerdings ein Leichtes, sich um die Rückgabe zu drücken. Wer die Munition behalten will, meldet sie einfach als «verloren» und gibt einen möglichen Verlustort an. Anschliessend sind handelsübliche 35 Franken für eine Dose Gewehr- und 26 Franken für eine Dose Pistolenmunition zu bezahlen. Bisher hat die Armee 1341 solche bezahlten Verluste registriert. Nachforschungen stellt sie keine an. (daf)
«Ich hätte erwartet, dass in den ersten Tagen des Jahres mehr Waffen abgegeben werden», sagt Hanspeter Wächter, Vorsteher des Amts für Militär und Zivilschutz im Kanton St. Gallen. Bloss 2 Sturmgewehre und eine Pistole seien hinterlegt worden. «Ich rechne damit, dass die Waffen noch einen Monat lang hereintröpfeln. Viele werden es kaum sein», sagt Wächter. Offenbar sei die Zahl jener Wehrmänner klein, die ihre Waffe unbedingt nicht mehr zu Hause lagern wollen.
Ähnliches Bild in anderen Kantonen
Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen Kantonen: In Zürich wurden bisher 9 Waffen abgegeben, in Bern 5 und in der Waadt 2. In den anderen Kantonen hinterlegte noch niemand seine Armeewaffe im Zeughaus. Insgesamt wurden laut der Logistikbasis der Armee (LBA) seit dem 1. Januar schweizweit 19 Waffen abgegeben – bei insgesamt 235'000 Waffen, die bei den Armeeangehörigen zu Hause lagern.
Die LBA hatte den Kantonen empfohlen, sich darauf vorzubereiten, dass rund 3 Prozent der Wehrmänner ihre Waffe hinterlegen werden. Dabei stützte sie sich auf Erfahrungswerte aus dem Kanton Genf. Der Westschweizer Kanton erlaubte seit 2008 die freiwillige Hinterlegung – obwohl er damit die bis Ende 2009 geltenden Bundesbestimmungen verletzte. Trotz der traditionellerweise eher armeekritischen Bevölkerung Genfs machten dort bisher nur rund 200 Wehrmänner (2,5 Prozent) von dieser Möglichkeit Gebrauch.
«Versorgen und vergessen»
In den Kantonen glaubt denn auch niemand, dass 3 Prozent der Soldaten ihre Waffen abgeben. «Wir rechnen damit, dass höchstens 250 Wehrmänner ihre Waffen hinterlegen. Das sind etwa 1,4 Prozent der Armeeangehörigen in St. Gallen und Appenzell», sagt Amtsvorsteher Wächter. Die Kantone Bern und Zürich erwarten, dass höchstens 2,5 Prozent der Wehrmänner ihre Waffen abgeben. «Offenbar ist der Aufwand für die meisten zu gross», sagt Anton Melliger, Vorsteher des Zürcher Amts für Militär und Zivilschutz.
Das sieht auch ein Kompaniekommandant so: «Welcher Soldat will schon viermal pro Jahr ins Zeughaus gehen, um für den WK und das Obligatorische seine Waffe zu deponieren und zu holen?» Der gewöhnliche Soldat sei zufrieden, wenn der WK zu Ende sei und er sein Material inklusive Waffe bis zum nächsten Dienst «versorgen und vergessen könne».
Folgen für Waffeninitiative?
Wenig erstaunt ist Hans Schatzmann, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft: «Das Bedürfnis für eine Abgabe der Waffe ist nicht gross.» Schatzmann begrüsst es zwar, dass diese freiwillige Möglichkeit bestehe. Am Grundsatz der Heimabgabe müsse aber festgehalten werden: «Das System hat sich bewährt und ist Ausdruck des Vertrauens des Staats in seine Bürger.» Die Initiative «Schutz vor Waffengewalt», die die Heimabgabe stoppen will, schiesse weit übers Ziel hinaus. «Die kaum genutzte Möglichkeit zur freiwilligen Waffenabgabe relativiert die ganze Problematik. Das wird auch Auswirkungen auf die Initiative haben», sagt Schatzmann.
Ganz anders sieht das die Berner SP-Nationalrätin Evi Allemann: «Die niedrige Rücklaufquote zeigt, dass freiwillige Massnahmen nicht genügen.» Deshalb brauche es die Initiative mit einem nationalen Waffenregister und der Pflicht zur Lagerung der Armeewaffen im Zeughaus. «Wir können nicht einfach warten, bis wieder ein Unfall mit einer Armeewaffe geschieht», sagt Allemann. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.01.2010, 04:00 Uhr
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5 Kommentare
Ich habe es sowieso nie verstanden, die Dienstwaffe konnte immer und jederzeit (mit dem Rest des Gerümpels) hinterlegt werden. Dass allenfalls Gebühren (ich weiss es nicht mehr) verlangt worden sind entzieht sich meiner Erinnerung. Das alte DR hat sie sogar zwingend vorgeschrieben, wenn man Probleme bei der Aufbewahrung hatte. Antworten
Ich habe ein gutes Gefühl für die Abstimmung - es sieht so aus das immer mehr Wähler erkennen das die Annahme der völlig unnötigen Volksinitiative, angezettelt von der Modezeitschrift Anabelle, Armeegegnern und generell der Linken in erster Linie viele Kosten verursachen und viel wichtiger vorallem nichts bringen würde. Zwängerei, Angstmacherei und fehlendes Vertrauen haben wohl 2010 ausgedient. Antworten
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Alfons Müller
Die SP, vorab die Frauen wie Evi Allemann, Ursula Wyss usw. machen wirklich ein grosses Theater wegen der Armeewaffen!!!! Es werden mehr Menschen mit einem Messer erstochen, als mit einer Armeewaffe. Antworten