Der alte Mann, der BMW stoppen will
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 01.04.2011 110 Kommentare
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Man hört sie, bevor man sie sieht. Von weitem ist das anschwellende Dröhnen der Motoren zu hören, bis plötzlich ein Korso von zehn Allradfahrzeugen um die Kurve schiesst und die Stille im verschneiten Bergtal zerreisst. Seit acht Jahren organisiert BMW (BMW 61.9 -0.13%) während der Wintersperre des Flüelapasses Fahrtrainings auf der schneebedeckten Strasse. Die zahlungskräftige Kundschaft ist in Davos hochwillkommen. Zumal der Lärm im abgelegenen Tal kaum zur Kenntnis genommen würde – wäre da nicht Hans Fankhauser.
Fankhauser ist pensionierter Zimmermeister und ehemaliger Gemeindepräsident von Küblis. Der Bergler und Jäger mit dem sonnengegerbten Gesicht sieht nicht aus wie ein Umweltaktivist. Trotzdem wird er in Davos wie ein Öko-Fundi behandelt. Er besitzt eine wohnliche Hütte direkt an der Passstrasse, wo er sehr viel Zeit verbringt. Im Februar und im März dröhnen am ehemaligen Wegmacherhaus von morgens um halb zehn bis abends um fünf Uhr die BMW-Autos vorbei. Ihr Ziel ist der Schottensee beim Hospiz. Dort absolvieren die Lenker ein Schleudertraining, für das sie 580 Franken bezahlen. «Es gibt wohl kaum einen geeigneteren Ort für ein Wintertraining als den zugefrorenen Schottensee auf über 2000 Meter über Meer», preist BMW die Trainings an.
Schleudertraining auf dem See
Das sieht Fankhauser anders: «Der Schottensee befindet sich in einer Gewässerschutzzone und speist das Trinkwasser von Davos. Kommt es zu einem Unfall, können Öl und Benzin in den See gelangen und diesen vergiften.» Der Bergsee liegt auf dem Gebiet der Engadiner Gemeinde Susch. Und diese hat auf Wunsch von Davos Tourismus der Vermietung zugestimmt – unter der Bedingung, dass das kantonale Amt für Natur und Umwelt Auflagen zum Schutz des Sees macht. «Dafür können wir die Verantwortung nicht übernehmen», sagt Gemeindepräsident Emil Müller.
Das Amt hatte sich ursprünglich gegen das Fahrtraining ausgesprochen, wurde aber von der Regierung überhört. Als einzige Auflage verpflichtete es BMW schliesslich, bei einem Unfall den Schadendienst zu alarmieren.
Eingeflogene VIPs
Die Fahrtrainings finden seit 2004 statt. Der damalig Davoser Tourismusdirektor Armin Egger, selbst Besitzer einer Rennlizenz, hatte seine Beziehungen zur Autoindustrie spielen lassen. Und die Davoser Hoteliers waren begeistert von der Idee, den im Winter gesperrten Pass zu nutzen. Allerdings sorgte Egger für böses Blut, als er zum Eröffnungsanlass VIPs auf den Flüelapass einfliegen liess, die standesgemäss in St. Moritz und nicht in Davos logierten.
BMW zahlt dem Kanton für die Miete der Strasse 30'000 Franken pro Saison. Wobei der Autokonzern selbst für die Sicherheit auf der Fahrstrecke sorgen muss. Ungefährlich ist die Sache nicht. Denn die Lenker müssen jederzeit mit Skifahrern rechnen, die auf der Passstrasse zu Tal brettern. Ursprünglich hatte man die Strasse für Skitourengeher und Winterwanderer gesperrt. Fankhauser übte sich jedoch in zivilem Ungehorsam und marschierte weiterhin auf der Strasse zu seiner Hütte. Andere taten es ihm gleich. Vergeblich hatte Egger bei der Eröffnung gedroht, man werde diese Leute wegen Hausfriedensbruchs anzeigen. Unterdessen gilt das Verbot nicht mehr.Fankhauser liess in seinem Kampf nicht locker. Er sammelte 1500 Unterschriften gegen die Fahrtrainings und organisierte mit Umweltverbänden Mini-Demos an der Passstrasse. Erst darauf reagierte der Kanton. Er forderte BMW auf, Alternativstandorte in Betracht zu ziehen. Nach kurzer Prüfung teilte der Autokonzern letztes Jahr allerdings mit, man sei auf die Passtrasse und den Schottensee angewiesen. Darauf wurde die Bewilligung ohne Anhörung der Kritiker um drei Jahre verlängert. «Das war eine reine Alibi-Übung», sagt Elsbeth Flüeler von Mountain Wilderness.BMW selbst betont, die Trainings dienten der Verkehrssicherheit und seien sehr beliebt. «Pro Saison nehmen bis zu 1500 Personen teil. Die Warteliste ist lang», sagt Sprecher Beda Durrer. Einen Imageschaden befürchtet er nicht: «Jeder Pistenratrack macht mehr Lärm als unsere Fahrzeuge.»
«Neben den Schuhen»
Laut BMW und Davos Tourismus generieren die Kursteilnehmer in Davos rund eine Million Franken Wertschöpfung pro Saison. Entsprechend wütend sind die Hoteliers auf Hans Fankhauser. «In Davos bin ich ein rotes Tuch», sagt er und erzählt von Beschimpfungen und Anfeindungen. Fankhauser wird vorgeworfen, er sei kein Einheimischer – weil er vor 50 Jahren vom Thurgau ins Prättigau gezogen war. «Der Mann ist vollkommen neben den Schuhen und soll endlich Ruhe geben», sagt ein Davoser Landrat. Landammann Hans Peter Michel äussert dagegen ein «gewisses Verständnis» für die Kritik am Autotraining im Bergtal.
Fankhauser selbst will nicht klein beigeben: «Ich kämpfe weiter.» Als Jäger wisse er, dass ohne Geduld und Beharrlichkeit nichts zu erreichen sei, sagt der 79-Jährige. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.03.2011, 21:33 Uhr
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110 Kommentare
Hoffe dass dies kein Aprilscherz ist und der alte Mann und seine Kollegen wirklich für die Alpen kämpft ... Wieder mal so ne Situation wo Betuchte glauben sich alles kaufen zu können. Eine Gewässerschutzzone ist und bleibt eine solche - wurde ja nicht ohne Grund eingerichtet. Dass die Regierung das Umweltamt einfach übergeht zeigt die "Mafiosität" der Politikerkaste im Alpenkanton. Antworten
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