Schweiz

Der Subventionskönig aus dem Jura

Von Daniel Friedli. Aktualisiert am 25.03.2011 73 Kommentare

Der jurassische Grossbauer Claude Ackermann erhält die grössten Direktzahlungen aus Bern. Er meint: «Seis drum.»

«Die Politik forderte Rationalisierung, also rationalisierten wir»: Claude Ackermann, der höchstsubventionierte Bauer der Schweiz.

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Abzocker Ackermann? Diesen Vorwurf musste sich bislang vor allem Josef anhören, der Schweizer Chef der Deutschen Bank, der mit seinem Millionensalär in beiden Ländern regelmässig Schlagzeilen macht. Nun trifft er, zumindest implizit, plötzlich auch Claude Ackermann. Dieser thront zwar nicht über hohen Geldhäusern, sondern nur über weiten, menschenleeren Weiden. Doch auch diese bringen offensichtlich einiges ein: Der 64-jährige Grossbauer ist der Mann, den das Schweizer Fernsehen dieser Tage als höchstsubventionierten Landwirt der Schweiz aufgespürt hat. Und der, ähnlich dem Namensvetter bei der Bank, dabei keineswegs den Eindruck erweckte, als fände er die Bezüge in irgendeiner Art deplatziert. 533'012 Franken und 20 Rappen, so zeigte es Ackermann lächelnd in die Kamera, zahlt ihm der Bund jährlich für sein Wirken auf den Wytweiden des Jura.

«Ma foi», sagt der Grossbauer dazu, «seis drum». Natürlich sei er nicht gerade stolz auf diesen Titel. Und natürlich hätte er es lieber, es gäbe mehr Geld für Fleisch, Milch und Holz. Doch die Politik wolle es nun einmal anders. «Et nous, on s’arrange.» Er mache einfach das Beste daraus, sagt Ackermann lakonisch – und lässt ein trockenes «he, he» folgen, das verrät, dass er schon weiss, wie gut ihm dies gelungen ist.

Für alles gibt es Extrageld

Dieses Beste besteht derzeit aus einer Betriebsgemeinschaft mit vier Höfen, einer Fläche so gross wie 280 Fussballfelder, 800 Schweinen, 100 Kühen und 50 Pferden. «La Burgisberg» heisst das stolze Gehöft und liegt unweit von Delsberg auf 800 Meter Höhe – wofür es bereits spezielle Gelder gibt. Gewachsen ist das Gut gewissermassen politisch. Früher wirtschafteten Ackermann und sein Cousin Marcel für sich, der Bund zahlte nur für 30 Hektaren die vollen Direktzahlungen. Als der Staat dann begann, mit flexibleren Subventionsgrenzen Betriebsgemeinschaften zu fördern, lohnte sich plötzlich eine Zusammenlegung. «Die Politik forderte Rationalisierung, also rationalisierten wir», erklärt der Bauer. Dies erlaubte ihm nicht nur, die Kühe für ein freies Wochenende einmal dem Cousin zu überlassen, sondern erhöhte auch die Zuflüsse markant. Allein die Flächenbeiträge summieren sich mittlerweile auf über 200 000 Franken – für den Rest haben sich die Ackermanns gezielt angepasst: Die Schweine dürfen täglich ins Freie, die Pferde leben in einem tierfreundlichen Stall, die Gemeinschaft pflegt Hecken und Hochstammbäume – für alles gibt es Extrageld.

So konnte der Grossbauer stetig ausbauen. Heute betreibt er eine Pension zur Pferdeaufzucht, vermietet anderen Bauern Landmaschinen und räumt damit auch für die Gemeinde Schnee. Das Geschäft läuft so gut, dass die halbe Million an Subventionen nur 20 Prozent des Umsatzes ausmacht.

«Wir geben alles zurück»

Braucht es da das Geld des Staates denn überhaupt? «Eh bien», räuspert sich Ackermann. «Ohne hätten wir schon Probleme.» Zum staatlich besoldeten Landschaftsgärtner will er sich deswegen aber nicht degradiert wissen. Man arbeite hart und ehrlich, und schliesslich werde am Schluss geteilt: Sieben Familien leben vom Ertrag des Burgisberg, und an effektivem Lohn zahlten sich die vier Partner nur 70 000 Franken aus. Auch vis-à-vis der Steuerzahler plagt den Grossbauern darum kein schlechtes Gewissen: «Wir geben alles zurück», sagt er – über Aufträge, Investitionen und Produkte. Und so wird Ackermann mit gutem Gefühl bald Hof und Hilfsgelder der nächsten Generation übergeben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.03.2011, 11:51 Uhr

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73 Kommentare

Martin HonichTiga

25.03.2011, 12:07 Uhr
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Darf ich mal sein Leben haben, bitte? Antworten


Balsiger Kurt

25.03.2011, 12:46 Uhr
Melden

Nur 70'000.- wie meint er den das? Unglaublich. Antworten



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