«Der Stammtisch ist tot»
Aktualisiert am 25.02.2010 62 Kommentare
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Gegen das Rauchverbot formiert sich Widerstand. Die Interessengemeinschaft Freie Schweizer Wirte hat am Donnerstag die Initiative «Für ein liberales Rauchergesetz» lanciert. Ziel ist es, sämtliche gesetzliche Rauchverbote aufzuheben.
Die Interessengemeinschaft (IG), die aus Kreisen von Wirten und Mitgliedern der Berner Jungen SVP hervorgegangen ist, stört sich vor allem an der Bevormundung durch den Staat. «Der freie Wille der Bürger darf nicht beschnitten werden», sagte Präsident David Herzig vor den Medien in Bern.
«Apartheid» im Lokal
Die IG behaupte nicht, dass Rauchen gesund sei. Die Bürger seien jedoch mündig und müssten selber entscheiden können, ob sie in einem Raucherlokal konsumieren wollten. Und der Wirt seinerseits wisse am besten, welches Geschäftskonzept für ihn am besten passe, sagte Herzig. Zudem entstehe eine Art «Apartheid», wenn Raucher und Nichtraucher in Lokalen getrennt würden.
Auch Daniel Rohr, Kommunikationsverantwortlicher der IG, betonte den Aspekt der Geselligkeit: Es habe sich seit hunderten von Jahren eingebürgert, dass sich Menschen begegneten und frei entscheiden könnten, ob sie dabei rauchten oder nicht. «Das ist eine Kulturfrage», sagte Rohr.
«Der Stammtisch ist tot»
Gegen das Rauchverbot sprechen für die IG auch die Umsatzeinbussen, die viele Gastro-Betriebe nach Angaben der Wirte bereits erlitten haben. Besonders betroffen seien Bars, Discos und Landbeizen. «Der Stammtisch ist tot», klagte IG-Präsident Herzig.
Betroffene Wirte berichteten bei der Lancierung der Initiative von ausbleibenden Gästen, von Weihnachtsessen, die nicht mehr im Restaurant durchgeführt werden und Gästen, die im besten Fall gerade noch auf ein Feierabend-Bier vorbeikommen.
Viele Betriebe seien dadurch in ihrer Existenz bedroht oder hätten bereits aufgeben müssen, hiess es mit Verweis auf Erhebungen des Wirteverbands GastroSuisse. Dort waren solche Zahlen auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA vorerst nicht verfügbar.
Kein Beweis für Schädlichkeit
Der Schutz des Personals vor Passivrauch ist für die Rauchverbots- Gegner dagegen kein Thema. Ein grosser Teil des Personals rauche ohnehin selber, argumentierten sie. Es sei schliesslich auch niemand gezwungen, in einem Raucherlokal zu arbeiten.
Für die Schädlichkeit des Passivrauchens gebe es ohnehin keinen Beweis, sagte Mitinitiant Patrick Lohri. «Es ist schlicht unhaltbar zu behaupten, dass in der Schweiz jedes Jahr 2000 bis 3000 Menschen an Passivrauch sterben», sagte er.
Die meisten Kantone haben inzwischen Rauchverbote eingeführt. Am 1. Mai tritt das Bundesgesetz in Kraft, welches auch in den übrigen Kantonen das Rauchen in öffentlichen Räumen stark einschränkt.
Gegenangriff der Lungenliga
Parallel zu den Wirten sammelt die Lungenliga Unterschriften für eine Initiative, die das Rauchen in öffentlichen Räumen generell verbieten will. Die Rauchverbots-Gegner sind überzeugt, die nötigen Unterschriften bis Ende Jahr beisammen zu haben, so dass beide Initiativen dem Volk gleichzeitig vorgelegt werden können.
Dafür hoffen sie auf die Unterstützung des Branchenverbands GastroSuisse. Dieser hält sich vorerst bedeckt: Die Strategie werde an der Frühjahrskonferenz 2010 mit den Präsidenten der Kantonalsektionen festgelegt, heisst es in einer Stellungnahme vom Donnerstag.
(mrs/sda)
Erstellt: 25.02.2010, 13:57 Uhr
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62 Kommentare
Von einem finanziellen Standpunkt aus gesehen müsste man das Rauchen eigentlich fördern. Raucher sterben früher und beziehen daher weniger lang Leistungen aus den Sozialwerken, die sie damit entlasten. Profiteure sind die Gesunden, bzw. diejenigen, die die statistische Lebenserwartung übertreffen. Raucher bleiben in der Regel auch sozial unauffällig und fallen der Gesellschaft nicht zur Last. Antworten
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