Schweiz

Der SVP droht die nächste Schlappe

Von David Schaffner. Aktualisiert am 20.12.2011 80 Kommentare

Nach dem Rücktritt von Bruno Zuppiger als Präsident des Gewerbeverbandes fordern FDP und CVP eigene Kandidaturen. Für die Volkspartei, die lange um das Präsidium kämpfte, will Jean-François Rime antreten.

Kurzes Gastspiel an der Spitze des Gewerbeverbands: Bruno Zuppiger, hier nach dem Rückzug als Bundesratskandidat.

Kurzes Gastspiel an der Spitze des Gewerbeverbands: Bruno Zuppiger, hier nach dem Rückzug als Bundesratskandidat.
Bild: Reuters

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Die SVP ist dieser Tage nicht zu beneiden: Nach den Verlusten bei den nationalen Wahlen und dem kläglichen Scheitern bei der Bundesratskür muss die Partei nun auch noch um das Präsidium im Schweizerischen Gewerbeverband (SGV) zittern. Ihr Nationalrat Bruno Zuppiger tritt nach nur anderthalb Jahren per sofort als Präsident zurück. Vor seinem Amtsantritt hatte die SVP jahrelang um mehr Einfluss im wichtigen Wirtschaftsverband gekämpft und 2010 zum ersten Mal nach 30 Jahren mit dem Hinwiler wieder die Spitze besetzen können. Zwischendurch hatte die Volkspartei gar mit der Gründung eines Konkurrenz-Verbandes gedroht, um ihren Machtanspruch durchzusetzen.

Nach dem Rücktritt Zuppigers fordern nun mehrere Wirtschaftsvertreter von FDP und CVP, dass ihre Parteien eigene Kandidaturen für die Nachfolge aufstellen: «Die FDP muss das Präsidium des Gewerbeverbands zurückerkämpfen», sagt der Zürcher FDP-Nationalrat Ruedi Noser. Zuppigers Vorgänger beim SGV war der damalige FDP-Nationalrat Edi Engelberger. Vor diesem stand mit Markus Kündig ein CVP-Vertreter an der Spitze des Verbandes, dann mit Hansruedi Früh ein weiterer Freisinniger.

Turnus zwischen Bürgerlichen

Noser ist der Ansicht, dass die FDP die gewerbefreundlichste Partei der Schweiz und daher für das Präsidium prädestiniert sei. Sein Parteikollege und Nationalrat Philipp Müller meint, «dass der Vorstand der FDP über eine Kandidatur diskutieren muss.» Der freisinnige Unternehmer und Nationalrat Otto Ineichen sagt, dass «nicht die Partei im Vordergrund steht, sondern die Qualität der Kandidaten». Als «Idealbesetzung» lanciert Ineichen indes den Luzerner Unternehmer und FDP-Präsidenten Peter Schilliger. Noser erachtet die beiden FDP-Nationalräte Philipp Müller und Markus Hutter als «sehr gut geeignet für das Präsidium». Müller selber schloss gestern indes eine Kandidatur kategorisch aus.

In der CVP sind es die beiden Gewerbevertreter Ruedi Lustenberger und Gerhard Pfister, die einen Vertreter ihrer Partei an der Verbandsspitze sehen wollen: «Die CVP muss eine Kandidatur ernsthaft prüfen», meint Lustenberger. Und Pfister sagt: «Wenn wir einen mehr oder weniger regelmässigen Turnus zwischen den bürgerlichen Parteien wollen, ist die CVP jetzt am Zug.» Er schränkt allerdings ein, dass der Verband vor allem einen geschickten und gut vernetzten Politiker engagieren solle, der über die Parteigrenzen hinweg Allianzen schaffen könne. Die Parteizugehörigkeit sei nicht das einzige Kriterium.

Pfister sieht wie viele Politiker aus verschiedenen Parteien seinen Kollegen Lustenberger als möglichen Nachfolger. «Er ist als aktueller Vizepräsident allerdings auf dem Weg dazu, Präsident des Nationalrates zu werden», so Pfister. «Da stellt sich die Frage, ob es wirklich sinnvoll wäre, wenn er SGV-Präsident würde.» Lustenberger will nicht sagen, ob er zur Verfügung steht. Er amtet aber bereits als Vorstandsmitglied des SGV. Nicht auszuschliessen ist, dass auch die BDP um das begehrte Präsidium kämpfen wird: «Wir werden eine Kandidatur diskutieren», kündigte gestern Präsident Hans Grunder an.

Nachfolge wird im Mai bestimmt

Die SVP reagiert offiziell wenig kampflustig auf die Angriffspläne aus FDP, CVP und BDP: «Der SGV muss die Nachfolge intern klären, die SVP mischt sich nicht ein», sagt Präsident Toni Brunner. Parteivertreter wie Hansruedi Wandfluh, Pirmin Schwander, Hans Kaufmann und Hannes Germann rufen ihre Partei indes dazu auf, um das Präsidium zu kämpfen. Interesse am Amt zeigen die beiden SVP-Parlamentarier Sylvia Flückiger-Bäni sowie der ehemalige Bundesratskandidat Jean-François Rime. Beide sind wie Lustenberger bereits im Vorstand. «Als Welscher wäre ich gut geeignet», sagt Rime. «Es ist Zeit, dass zum ersten Mal überhaupt der Sitz an einen Romand geht.»

SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler (FDP) lässt durchblicken, dass er erleichtert ist über den Rücktritt Zuppigers, der über eine Erbschafts-Affäre stolperte: «Es spricht für ihn, dass er die Interessen des Verbandes vor die eigenen stellt.» Der SGV will am Mittwoch über das weitere Vorgehen beraten. Ursprünglich war an diesem Datum mit Zuppiger eine Aussprache vorgesehen. Bis der Gewerbekongress am 23. Mai einen festen Nachfolger wählt, leiten die aktuellen Vizepräsidenten Dino Venezia und Kathrin Anderegg-Dietrich den Verband. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2011, 06:35 Uhr

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80 Kommentare

Peter Minder

20.12.2011, 10:55 Uhr
Melden 106 Empfehlung

Ist Rime ein "Postensammler", dass er sich überall zur Verfügung stellt: Ständerat, Bundesrat, Gewerbepräsident... Sehr unglaubwürdig!
Oder macht er es auch einfach für SEINE Partei? Alle Exponenten der SVP machen ihre Ämter ja nur leidensvoll wie z.B. Maurer, Blocher etc.
Für die Lebensqualität von Rime und für das Wohl der Schweiz empfehle ich Rime, das Amt nicht anzunehmen.
Antworten


Hanna Peyer

20.12.2011, 10:53 Uhr
Melden 92 Empfehlung

Gibt es eigentlich in der Schweiz noch einen Job, der nicht parteipolitisch gefärbt ist? Wie wäre es, wenn einfach die fähigste Person mit den benötigten Kompetenzen gewählt wird? Dieses Partei-Hick-Hack macht langsam aber sicher müde! Antworten



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