Der Herr des Milliarden-Bauwerks
Von Erwin Haas. Aktualisiert am 11.10.2010 1 Kommentar
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Er sei aufgeblüht im neuen Job, sagt seine Frau Fabiana. Vor bald vier Jahren wurde der Bauingenieur Renzo Simoni (49) aus einem Kreis von 60 Bewerbern zum Alptransit-Chef ernannt. «Mein Traumjob», sagt er immer noch. Seither pendelt er von Meilen ZH, wo er wohnt, zum Alptransit-Sitz in Luzern. Und manchmal nimmt er als hauptverantwortlicher Stratege und Controller im entstehenden Tunnel einen Augenschein – wie vorgestern Samstag. Er wollte sicherstellen, dass kurz vor dem Durchstich nicht noch ein Missgeschick passiert.
Eine Art Heimkehr
Für Simoni ist der Durchstich tief im Berg unter Sedrun eine Art Heimkehr, denn er ist in der Surselva aufgewachsen, in Ilanz – eine prägende Herkunft. Der Bruder seiner Mutter war dort Stadtammann. Die Stimmung in der ersten Stadt am Rhein wurde bestimmt von den «Schwarzen», der katholischen CVP, und der FDP, in der sich die Reformierten sammelten. Eine polarisierte Gemeinde, wie sich Simoni erinnert: Es gab getrennte Schulen, die Katholiken kauften das Brot bei ihrem Bäcker ein, die Reformierten bei ihrem. Simonis Familie, die eine Bauunternehmung betrieb, gehörte den Reformierten an, die nach dem Krieg in die Minderheit gerieten. Vielleicht die Basis für seine persönliche Entwicklung zum sozialverträglichen Konsens. Denn ohne Einvernehmen gabs kein Überleben.
Diese Erfahrung hat dazu beigetragen, dass Simoni Wert auf rasche und vollständige Kommunikation legt und in der Firma keine «virtuellen Gartenzäune» und keine Angstkultur duldet. Er pflegt einen kooperativen Führungsstil und will seine vier Co-Geschäftsleiter nicht einfach überfahren – auch wenn er stets durchaus selbstbewusst auftritt und vor einem Chefentscheid nicht zurückschreckt.
Ein «praktisch auf den Ski geborener» Ingenieur
Nach der Matura wollte Simoni, der sein Feriengeld jeweils als Bauhandlanger verdiente, entweder Bauingenieur oder Architektur studieren. Er entschied sich für die Ingenieurskunst und trat nach der RS sein Studium an der ETH an – 1980, als Zürich brannte. «In der Postpubertät und während des Studiums habe ich vieles infrage gestellt, was das Establishment betrifft», sagt Simoni, der damals Abonnent der WOZ und der NZZ war.
Nach dem Abschluss hängte Simoni ein Raumplanungsstudium an, 1995 machte er noch den Dr. sc. techn. ETH. 1999 liess er sich mit seiner Familie, die zwei Töchter namens Alissa (13) und Livia (11) umfasst, in Meilen nieder. Der «praktisch auf den Ski geborene» Bündner, der gern liest und Saxofon spielt, sass bis 2007, als er erfolglos für den Zürcher Kantonsrat kandidierte, für die FDP in der Baukommission und in der Schulpflege der Gemeinde und kontrollierte den Neubau eines Schulhauses für 27 Millionen Franken.
Zum Etappensieg ein Marathon
Ein Klacks gemessen an den 12 Milliarden, welche die Neat-Röhren am Gotthard und Ceneri kosten. Doch Simoni ist nicht zufällig Alptransit-Chef geworden. Zehn Jahre lang hatte er als Ingenieur schon seinen Vorgänger Peter Zbinden im Projektmanagement beraten. 15 Jahre ist er jetzt schon beim Marathon des Neat-Baus dabei. Um den Etappensieg des Durchstichs gebührend zu feiern, leistet er sich nach drei Jahren Pause wieder einen persönlichen Marathon, den von New York im November – «auch wenn das mit 90 Kilo Lebendgewicht nicht das Gesündeste ist». (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.10.2010, 10:38 Uhr
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