«Der Gripen würde für die Schweiz vollends ausreichen»
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 28.09.2011 208 Kommentare
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Milliarden für 22 neue Kampfjets
Die Schweizer Luftwaffe will die in die Jahre gekommenen Tiger F5 durch 22 neue Kampfjets ersetzen. Im Parlament zeichnet sich eine Lösung auf Basis des regulären Armee-Budgets ab. Also ohne Sonderfinanzierung, die eine Volksabstimmung zur Folge gehabt hätte. Die Ratslinke hat allerdings eine neue Volksinitiative angedroht.
Drei Typen von drei Herstellern wurden von der Schweizer Armee evaluiert. Der Eurofighter von EADS, der Rafale von Dassault und der Gripen von Saab. Noch ist kein Entscheid gefallen. Wenn in den letzten Monaten über Vor- und Nachteile der verschiedenen Typen sowie Offerten geschrieben und gesprochen wurde, so nur auf Grund von Gerüchten.
Generell schienen sowohl der Eurofighter sowie der Rafale die besseren Chancen zu haben. Sie sind im Vergleich zum Gripen von Saab leistungsstärker. Die eingereichten Offerten sind bis Ende Jahr gültig. Der Bundesrat muss also bis dann einen Entscheid fällen.
Gerechnet wird mit Kosten in Milliardenhöhe. Ein genauer Betrag wagt inzwischen niemand mehr zu nennen. Ursprünglich war einmal die Rede von 2,2 Milliarden Franken (Samuel Schmid). Inzwischen reichen die Beträge hinauf bis fünf Milliarden Franken. Klar ist, dass der Gripen im Kauf am günstigsten wäre. Es wurden Abschläge zu den Konkurrenten von bis zu 40 Prozent genannt. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Die beiden anderen Offerten wurden zu einem Preis von 1.55 Franken pro Euro gemacht, was bei inzwischen deutlich stärker gewordenem Franken möglicherweise Verhandlungsspielraum offenlässt.
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Flugschau 2011 in Sion: Am vorletzten Wochenende nutzten die Kampfjethersteller, welche der Schweizer Luftwaffe ihre Maschinen anbieten, nochmals die Chance, sich im besten Licht am Himmel zu präsentieren. Der Gripen von Saab, der Eurofighter von EADS und der Rafale von Dassault donnerten quer durchs Wallis. Alle drei Hersteller hoffen auf einen Auftrag aus der Schweiz. Und dieser scheint mit der zu Ende gehenden Herbstsession der Realisierung einen Schritt näher gekommen zu sein.
Fünf Milliarden Franken, 100'000 Mann und neue Kampfjets: Das sind gemäss Parlament die neuen Eckwerte der Schweizer Armee. Trotz Aufstockung des Armee-Budgets ist die Finanzierung von neuen Fliegern damit keineswegs gesichert. Einsparungen bei Bodentruppen wären die Folge, Verteilkämpfe innerhalb der Armee absehbar.
Der Kampfjetpilot im Parlament
Die knappen Mittel schlagen sich auch auf die Debatte über den zu beschaffenden Typ nieder: «Das Verteidigungsdepartement muss bei der Technologie runterfahren (…) wir haben keine andere Wahl, als den Gripen von Saab zu kaufen», wird CVP-Nationalrat Pius Segmüller heute von der Westschweizer «Le Temps» (Artikel online nicht verfügbar) zitiert. Gegenüber DerBund.ch/Newsnet sagt der Luzerner Politiker dazu nur: «Es liegt am Bundesrat zu entscheiden, alle Jets wurden als gut für die Schweiz empfunden.»
Klar, es darf ja nicht der Eindruck entstehen, irgendjemand wolle den milliardenschweren Entscheid beeinflussen. Klagen der Bieter könnten die Folge sein. Auch der frühere Kampfjetpilot und heutige SVP-Nationalrat Thomas Hurter schweigt sich aus, selbst wenn er nach seiner persönlichen Präferenz gefragt wird: «Ich habe schon einen Favoriten. Aber dieses Geheimnis verrate ich nicht einmal meiner Frau.» Hurter flog die inzwischen ausrangierte Mirage und den in den nächsten Jahren zu ersetzenden Tiger.
Den F/A-18 nachrüsten als weitere Option
Eine klare Meinung äussert dafür Lutz Unterseher. Der deutsche Militärexperte hat zuhanden der SP eine Studie zur Schweizer Armee verfasst. «Die Schweiz braucht überhaupt keine neuen Kampfjets», so Unterseher. Erstens sei die bestehende Flotte für die Luftpolizeiaufgaben genügend und zweitens verfüge man mit dem F/A-18 über einen modernen Flieger, dessen Lebenszeit soeben von der US-Navy massiv heraufgesetzt wurde. Die Schweiz könnte diesen Jet also im Bedarfsfall nachrüsten.
Wenn es denn unbedingt ein neuer Flieger sein muss – so wie vom Parlament entschieden –, dann würde Unterseher auf den schwedischen Jet setzen: «Der Gripen von Saab würde für die Schweiz vollends ausreichen.» Der Militär-Experte spricht auf das Preis-Leistungs-Verhältnis an: Der Gripen ist kleiner, leichter, weniger leistungsstark und dafür günstiger als die Konkurrenzprodukte. Bei der Beschaffung von insgesamt 22 Stück geht das in die hunderten von Millionen Franken allein an Preisdifferenz.
Ein Jäger und kein Bomber
Zudem: «Der schwedische Jet ist als Jäger konzipiert, die anderen beiden als Jagdbomber», erklärt Unterseher. Die Schweiz bräuchte «sicher keinen Jagdbomber». Überdies verfüge das Land bereits mit dem F/A-18 über einen solchen. Was aus Sicht des Deutschen auch für den Gripen spricht: «Die Maschine ist so konzipiert, dass der Wartungsaufwand möglichst klein ist und durch Wehrpflichtige bewältigt werden kann.»
Hurter mag nicht gross über Details der verschiedenen Jets diskutieren. Zu heikel scheint ihm die Sache. Nur soviel: «In den Typen-Entscheid muss am Schluss alles einbezogen werden.» Und er warnt davor, allein auf den Einkaufspreis zu schauen. Es könne ja auch sein, dass Einsparungen durch Folgekosten wieder aufgehoben würden. Für Hurter ist aber klar, dass es jetzt zügig weitergehen muss. «Die Offerten der drei Anbieter gelten bis Ende Jahr, der Bundesrat muss bis dann den Typen-Entscheid fällen und mit den Anbietern über die Finanzierung verhandeln.»
Verhandeln auch bei politischer Unsicherheit
Dass die Sache politisch noch nicht durch ist – von linker Seite wurde eine neue Volksinitiative angedroht –, beunruhigt ihn kaum: «Mit solchen Unsicherheiten muss der Bundesrat leben. Und die Anbieter wissen auch um politische Unwägbarkeiten.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.09.2011, 17:04 Uhr
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Realistische Einschätzungen haben bei diesem Thema keine Chance. Die einen wollen ein neues Spielzeug, koste es was es wolle. Und die andern wollen Kompensationsgeschäfte tätigen. Dass man beim geplanten Geschäft auch noch demokratische Regeln umgehen will spielt für diese Leute keine Rolle. Antworten
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