Schweiz

Der Geist der Aufklärung

Aktualisiert am 04.01.2011 49 Kommentare

Der neue SRG-Generaldirektor Roger de Weck erklärt sein Verständnis von Service Public. Er sagt auch, welche journalistischen Akzente er setzen will und dass sich die SRG dem Erbe der Aufklärung verpflichtet fühlt.

«Die 462 Franken Empfangsgebühr befähigen und verpflichten die SRG, eigene Akzente im Sinne der journalistischen Relevanz zu setzen»: Roger de Weck.

«Die 462 Franken Empfangsgebühr befähigen und verpflichten die SRG, eigene Akzente im Sinne der journalistischen Relevanz zu setzen»: Roger de Weck.
Bild: Keystone

SRG SSR Idée Suisse

Hohe Defizite

Die SRG SSR Idée Suisse kehrt 2011 - nach fünf Defizitjahren - in die schwarzen Zahlen zurück. Dies sieht zumindest das Budget vor, wie der neue SRG-Generaldirektor Roger de Weck sagt. Die Verluste hatten sich bis Ende 2009 laut früheren Angaben auf 166,8 Millionen Franken summiert. Für das letzte Jahr rechnete die SRG erneut mit einem Defizit von 75 Millionen Franken und für 2011 mit weiteren 42 Millionen Franken (Stand April 2010). Mit einem Sparprogramm, dass die Ausgaben um mehr als 58 Millionen Franken senken soll, gibt die SRG Gegensteuer. Mit mehr Werbung und einer konsequenten Durchsetzung der Gebührenpflicht sollen zugleich die Einnahmen steigen. (sda)

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Der renommierte Publizist Roger de Weck ist seit Anfang Jahr der neue Generaldirektor der SRG SSR Idée Suisse (SRG). In den heutigen Ausgaben der «Neuen Zürcher Zeitung» und des «Le Temps» erklärt er, was er unter Service Public versteht und wohin er das Unternehmen steuern will. Publizistisch strebt de Weck beim nationalen Rundfunk an, die Hintergrundinformationen und Recherchen zu stärken. Intensivieren will der neue SRG-Generaldirektor das Engagement bei den neuen Medien. Im Weiteren sollen Radio und Fernsehen noch stärker über andere Landesregionen berichten und gezielt die Programm-Zusammenarbeit unter den Regionen beleben.

Service Public: In der Tradition der Aufklärung

Nach Ansicht von de Weck gründet die Service-public-Haltung in der Tradition der Aufklärung, «also der Meinungsvielfalt und der Kraft des besseren Arguments, des Verstands und Augenmasses». Weil die SRG der Aufklärung treu bleiben müsse, leiten sich laut de Weck mehrere Ansprüche ab.

Aufgabe der SRG sei es, zur Wissensgesellschaft und zu einer erkenntnis- und lösungsorientierten Debatte beizutragen. Die SRG solle die politischen Verhältnisse spiegeln, nicht aber aus Lust am Spektakel selbst zur Polarisierung beitragen. Zum Verfassungsauftrag gehöre aber auch die Unterhaltung – das Heitere zähle zum Erbe der Aufklärung, schreibt de Weck. Und weiter meint er: Um auf der Höhe des Medienverhaltens der Gebührenzahler und ihrer Präferenzen zu bleiben, müsse die SRG in die Kommunikationstechnologie investieren und laufend Know-how aktualisieren. Die SRG-Programme sollten auch im Internet attraktiv sein.

«Ohne Publikum kein Service public und kein Service au public»

«Die SRG ist ein glücklicher Sonderfall», schreibt der neue Generaldirektor. Dank ihrer privaten Trägerschaft sei sie staatsferner als andere Service-public-Anbieter in Europa. Die unabhängige SRG sei dem Volk verpflichtet, das sie finanziere. «Sie muss sich sowohl um Qualität für ein breites Publikum als auch um mehr Publikum für eher anspruchsvolle Angebote bemühen. Ohne Publikum kein Service public und kein Service au public.»

De Weck will auch neue journalistische Akzente setzen: «Die 462 Franken Empfangsgebühr befähigen und verpflichten die SRG, eigene Akzente im Sinne der journalistischen Relevanz zu setzen.» Im Gegensatz zu anderen Medienbetrieben könne sich die SRG monatelange, kostspielige Recherchen leisten – in diesem Bereich könne sie noch mehr leisten. Im Weiteren müsse die SRG staatspolitische Themen stärker behandeln – diese seien so brisant wie parteipolitische Themen. Zudem könnten die SRG noch stärker auf Angebote zur Geschichte und Wissenschaft setzen.

Lebendiges, farbenfrohes Schweizer Miteinander

Schliesslich würdigt de Weck die SRG als unersetzliche Institution des nationalen Zusammenhalts, die zum lebendigen, farbenfrohen Schweizer Miteinander beitrage. «Die SRG wird sich da noch stärker einbringen: indem Fernsehen und Radio mehr über andere Landesteile berichten und gezielt die Programmzusammenarbeit unter den Regionen beleben.» Bei wachsender Präsenz europäischer Medienhäuser und globaler Riesen wie Google (mit Google TV und Youtube) sichere die SRG nachhaltig ein eigenständiges Schweizer Angebot. «Und dieser Auftrag gewinnt an Bedeutung.»

Die SRG SSR Idée Suisse erwartet nach fünf Defizitjahren für 2011 die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Das Budget 2011 sehe einen Überschuss vor, schreibt de Weck. Genauere Angaben macht er nicht. Es werde nicht leicht sein, das Ziel zu erreichen. Bleibe ein neuer Einbruch der Wirtschaft aus, sollten schwarze Zahlen jedoch zu schaffen sein. (vin)

Erstellt: 04.01.2011, 10:37 Uhr

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49 Kommentare

Andreas M. Müller

04.01.2011, 11:28 Uhr
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Welch ein Irrtum: Bloss weil SRG & SF nicht stramm auf SVP-Rechtspopulisten-Kurs fährt sondern mit der Wahl von Roger de Weck ein gewisses intellektuelles Niveau beweist (jaja, wenn auch nicht immer in der Programmauswah!), heisst das noch lange nicht, dass dies Links ist. Aber ich vermute von der SVP-warte ausgesehen ist alles Links, ein bisschen mehr oder weniger. Antworten


Andreas Meier

04.01.2011, 11:33 Uhr
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Meinen Vertrauensvorschuss haben Sie, Herr de Weck! Zugleich bin ich mir sicher, dass Roger de Weck bestimmt eine der Dauerzielscheiben der einstmals so lesenswerten Weltwoche sein wird. Wetten? Antworten



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