Schweiz
Der Fukushima-Effekt flacht schon wieder ab
Von Christian Brönnimann, Bern. Aktualisiert am 21.06.2011 132 Kommentare
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Die Antworten der Stromanbieter sind fast austauschbar. Kurz nach dem Atomunfall in Fukushima von Mitte März sei das Interesse an nachhaltig produziertem Strom sprunghaft angestiegen, inzwischen sei es aber wieder gesunken. Einige Beispiele: Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) registrierten in den letzten drei Monaten 2300 Neubestellungen für nachhaltige Stromangebote. Laut Sprecherin Ladina Camenisch sind dies dreimal mehr als in der gleichen Zeitspanne im Vorjahr. Die Bestellungen seien vor allem im März und April stark angestiegen und seither wieder zurückgegangen.
In der Stadt Basel sei bei der zusätzlichen Ökostromnachfrage wieder das Ausgangsniveau erreicht worden, sagt Erik Rummer, Sprecher der Industriellen Werke. «Die Bereitschaft, mehr für den Strom zu bezahlen, ist noch nicht nachhaltig verankert», sagt Rummer. Beim bernischen Stromversorger BKW habe es bis Anfang Mai im Durchschnitt fast sieben Neubestellungen pro Tag gegeben, sagt Sprecher Sebastian Vogler. Seither seien es noch etwa 2,8. Und in der Stadt Luzern hat die Zahl der Ökostromkunden um etwa einen Viertel zugenommen, wie Cécile Berlinger, Sprecherin von Energie Wasser Luzern, erklärt. 30 Neubestellungen pro Woche seien in Spitzenzeiten eingegangen, nun seien es noch 10 bis 20.
«Grosse Anstrengungen» nötig
Gesammelte Zahlen der Branche sind keine erhältlich. Brigitte Barth vom Dachverband Schweizerischer Verteilnetzbetreiber, in dem rund 500 Stromversorger organisiert sind, bestätigt aber die allgemeine Tendenz. Für sie ist klar: Um die Nachfrage hochzuhalten, seien «grosse Anstrengungen» der Elektrizitätswerke notwendig. Gerade bei kleinen und mittelgrossen Unternehmen spüre sie diesbezüglich eine gewisse Aufbruchsstimmung.
Die Anstrengungen sollen die Stromkunden dazu bewegen, freiwillig mehr für den Strom zu bezahlen und ein Ökostromabo zu lösen. Denn längst nicht jede Kilowattstunde, die mit einem der gängigen Ökolabels versehen ist, wird auch unter dem Label mit dem entsprechenden Aufschlag verkauft.
Angebot grösser als Nachfrage
Die Labels vergeben der TÜV und der Verein für umweltgerechte Energie (VUE). Unter letzterem Label Naturemade – die Hersteller müssen bestimmte Bedingungen erfüllen, beispielsweise eine CO2-freie Produktion – wurden 2009 8900 Gigawattstunden Strom hergestellt, rund 15 Prozent der gesamten Stromproduktion. Als Naturemade-Strom verkauft wurden hingegen bloss 2320 Gigawattstunden. Der restliche Strom sei entweder ins Ausland exportiert, als erneuerbarer Strom ohne Label verkauft oder als ganz normaler «Graustrom» ohne Herkunftsnachweis ins Netz eingespeist worden, erklärt Ursula Stocker vom VUE. Aktuellere Absatzzahlen gibt es noch nicht. Stocker geht aber davon aus, dass sich die Differenz seit 2009 verkleinert hat. Gerade beim besonders umweltverträglich produzierten Naturemade-Star-Strom (Produktion 2009: 1400 Gigawattstunden, beispielsweise Solar- und Windstrom) gleiche sich die Nachfrage dem Angebot an.
Stocker hofft, dass die Sensibilisierung der Stromkunden mit der Revision der Stromverordnung weiter steigt. Der Bund plant, spätestens 2013 einen obligatorischen Herkunftsnachweis für alle grösseren Kraftwerke einzuführen, wie Christian Schaffner vom Bundesamt für Energie erklärt. Heute ist ein solches Zertifikat freiwillig. Unter anderem deswegen ist ein Fünftel der verbrauchten Elektrizität nicht zuordenbar. Bereits Anfang nächsten Jahres sollen zudem alle Stromversorger verpflichtet werden, ihren Strommix auf einer gemeinsamen Plattform zu veröffentlichen. «Transparenz und Sensibilisierung gehen Hand in Hand», sagt Schaffner.
Solarpatenschaft als Rezept?
Mit den Gründen, weshalb Kunden auf Ökostrom wechseln (oder eben nicht), beschäftigt sich die Ökonomin Sylviane Chassot an der Universität St. Gallen. Umfragen zeigen neben den höheren Kosten drei Hauptgründe, die gegen den Wechsel des Stromabos sprechen: persönliche Trägheit, fehlende Informationen und fehlende Transparenz. Der Strommarkt sei abstrakt, sagt Chassot. Die schwierige Aufgabe der Stromanbieter bestehe darin, «sichtbar zu machen, was nicht sichtbar» sei. Neben der Vergabe und Bekanntmachung von Labels nennt Chassot auch kreative Ansätze. So schlägt sie eine Art Solarpatenschaft vor, bei welcher Stromkunden bestimmte Solarzellen zugesprochen erhalten. Auch das Verständnis und das Wissen seien zentral. Stromanbieter könnten es leicht mit Hinweisen auf Rechnungen oder Beiträgen in Kundenzeitschriften verbessern, sagt Chassot.
Dass Letzteres Wirkung zeigt, bestätigt Cécile Berlinger von Energie Wasser Luzern. Der erste Höhepunkt beim Zuwachs an Ökostromkunden sei kurz nach Fukushima zu beobachten gewesen, der zweite nach dem Versand des Kundenmagazins einen Monat später. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.06.2011, 23:23 Uhr
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132 Kommentare
War doch von Anfang an klar, die alternative Energie ist und wird immer zu teuer sein. Es wird auch bald Abbestellungen geben. Das war nur ein kurzes Aufbäumen der LINKEN und GRÜNEN, und das "verpufft" eben schnell wieder, weil diese Parteien keine nachhaltigen Rezepte haben. Antworten
Weder Greenpeace noch andere Ökofundies werden mich erpressen können. Weil ich nach wie vor vom Sinn einer breit diversifizierten Stromversorgung bin. Allerdings ohne Kohle. Atomstrom ist für mich nach wie vor Clean Energy (Barack Obama), hat doch EHEC in Deutschland weit mehr Opfer verursacht. Und die radioaktiven Abfälle: In weniger als 100 Jahren werden die auch genutzt werden! Antworten
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