Schweiz

Das Plumpsklo hat ab 2016 ausgedient

Von Gregor Poletti. Aktualisiert am 24.01.2012 12 Kommentare

Noch immer verfügen rund 30 Prozent der SBB-Bahnwagen über Plumpsklos. Nach den Vorfällen im Zürcher Hauptbahnhof beschleunigen die SBB nun die Umrüstung.

Soll ab 2016 Standard auf dem SBB-Schienennetz sein: Geschlossenes WC-System, wie hier in der Zugskomposition vom Typ Flirt.

Soll ab 2016 Standard auf dem SBB-Schienennetz sein: Geschlossenes WC-System, wie hier in der Zugskomposition vom Typ Flirt.
Bild: Keystone

Umrüstungen im Detail

Konkret werden folgende Umrüstungen und Eliminierungen vorgenommen.

Eurocity-Fahrzeuge: Bis Anfang 2014 werden die 114 noch mit den alten Toiletten versehenen Eurocity-Fahrzeuge umgerüstet.

Wagen EW I und EWII: Diese im Regionalverkehr eingesetzten Wagentypen werden relativ schnell aus dem Verkehr genommen, allein im laufenden Jahr werden 150 davon ausrangiert. Der Grund ist laut SBB-Sprecher Reto Kormann das Alter der Fahrzeuge und die fortschreitende Erneuerung der Regionalverkehrsflotte. Die meist grün lackierten Einheitswagen I wurden zwischen 1956 und 1967 gebaut, die Einheitswagen II wurden zwischen 1965 und 1976 gebaut. Spätestens Ende 2015 sollen diese Bahnwagen nicht mehr auf dem Schweizer Schienennetz verkehren.

S-Bahn Zürich: 215 Doppelstockfahrzeuge befinden sich aktuell im Umbau auf geschlossene WC. Bis Anfang 2017 sollen alle Wagen umgerüstet sein.

Bpm51: Die 180 Reisezugwagen 2. Klasse des Typs Bpm51 werden nicht mehr mit neuen Toiletten versehen, auch auf den Einbau von Klimaanlagen verzichtet die SBB. Ab 2016 wird dieser Wagentyp ausrangiert.

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Für anständige Toiletten in den Zügen habe man im hoch entwickelten Tourismusland Schweiz trotz stetig steigenden Bahnpreisen kein Geld, enervierte sich kürzlich eine Leserbriefschreiberin, sie schäme sich für die SBB. Der Auslöser ihrer Wut: Kot und Urin sickerten im letzten Herbst im Zürcher Hauptbahnhof durch und belästigten die Bauarbeiter im Untergrund – bis diese einen Streik einlegten. Selbst SBB-Chef Andreas Meyer musste kürzlich eingestehen, dass dies für ihn die unschönste Geschichte des vergangen Jahres gewesen sei. Und versprach in der Talk-Sendung «Schawinski», dass die Plumpsklos möglichst schnell aus dem Verkehr gezogen werden.

Beschleunigte Umrüstung

Auf Anfrage dieser Zeitung präsentiert die SBB nun erstmals den detaillierten Fahrplan für die Umrüstung und die Eliminierung dieser sogenannten Fallrohrtoiletten. SBB-Sprecher Reto Kormann bestätigt, dass man nach den Zürcher Vorfällen dieses Ärgernis beschleunigt aus dem Weg räumen will: «Ab 2016 verkehren keine Fahrzeuge mit offenen WC mehr im Regelverkehr, sondern nur noch im Zusatzverkehr an wenigen Tagen im Jahr.» Ende 2016 sollen nach der heutigen Planung nur noch rund 180 Wagen ohne geschlossene Toiletten im gelegentlichen Einsatz stehen.

Vor allem die älteren Wagentypen werden gar nicht mehr umgerüstet (siehe Infobox). Dies laut Kormann in erste Linie aus technischen Gründen: Erstens können die Gewichtslimiten (neue Toilettensysteme sind bedeutend schwerer als die Plumpsklos) nicht eingehalten werden. Zweitens hat es zu wenig Platz in diesen Wagentypen, um die neuen Systeme einzubauen.

80'000 Franken pro Wagen

Der Einbau eines geschlossenen WC-Systems verursacht Kosten von rund 80'000 Franken pro Eisenbahnwagen. Damit muss die SBB für die umzurüstenden Eurocity-Fahrzeuge und die Doppelstockfahrzeuge der S-Bahn Zürich rund 26 Millionen Franken hinblättern. Die neuen WC sind je zur Hälfte mit einem Bioreaktor oder mit einem Fäkalientank ausgerüstet. Der Bioreaktor ist eine Minikläranlage, welche die flüssigen von den festen Stoffen separiert, reinigt, hygienisiert und aufs Gleis entlässt, während die Feststoffe alle zwei bis drei Monate entfernt werden. Fäkalientanks müssen alle paar Tage geleert werden. Für die Leerung und Reinigung in den Unterhaltszentren beschaffen die SBB gegenwärtig automatisierte Einrichtungen.

Eisenbahnfahrzeuge mit solch geschlossenen WC-Systemen verkehren auf allen neuen Strecken (Mattstetten–Rothrist, Lötschberg- und dereinst auch im Gotthardbasistunnel). Fahrzeuge mit offenen WC können laut SBB-Sprecher Kormann auf allen anderen Strecken zum Einsatz kommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.01.2012, 06:56 Uhr

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12 Kommentare

simona troxler

24.01.2012, 10:47 Uhr
Melden 18 Empfehlung 0

Schön, dass auch die SBB tagtäglich etwas dazu lernt. Antworten


Christoph Lieberherr

24.01.2012, 11:11 Uhr
Melden 13 Empfehlung 0

2016 ? Das möchten wir zuerst mal sehen. Wenn man heute sieht, was für schmuddeliges Rollmaterial unterwegs ist (Sonntagabend Aarau - Zürich oder Chur-Zürich) dann glaubt man, wir seien in einer Jahrzehnte zurückreichenden Zeitreise. Und all das wollen die bis 2016 ablösen ? Glauben macht selig. Antworten



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