Schweiz

Das Erfolgsproblem

Von Verena Vonarburg. Aktualisiert am 29.03.2011 44 Kommentare

Die Grünliberale Partei kämpft um Nachwuchs: Sie braucht dringend genügend gutes Personal. Und zieht dabei oft auch schwierige Leute an.

«Herausforderung der Wachstumsphase»: Martin Bäumle.

«Herausforderung der Wachstumsphase»: Martin Bäumle.
Bild: Keystone

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Fukushima hilft den Grünliberalen sehr. Fänden die eidgenössischen Wahlen vom Herbst schon heute statt, könnten die Grünliberalen massiv zulegen: Nicht weniger als sechs Prozentpunkte Zuwachs wären es gemäss dem Politbarometer der «SonntagsZeitung». Bei den Baselbieter Parlamentswahlen vom vergangenen Sonntag schafften die Grünliberalen – bisher im Landrat nicht vertreten – auf Anhieb drei Sitze und gehören mit BDP und SVP zu den Siegern. Im Nationalrat wollen die Grünliberalen ihre Sitzzahl mindestens verdoppeln: von drei auf sechs bis acht Sitze.

Explosionsartiger Erfolg

Die noch junge grün-bürgerliche Partei ist vor vier Jahren erstmals auf nationaler Ebene angetreten. Seither muss Parteipräsident Martin Bäumle, der die Grünliberalen zusammen mit Ständerätin Verena Diener gegründet hat, diesen fast schon explosionsartigen Erfolg managen. Das heisst vor allem: geeignetes Personal rekrutieren. Anders als die BDP, die sich als SVP-Abspaltung zu einem guten Teil auf frühere SVPler stützen kann, haben es die Grünliberalen hauptsächlich mit neuen Kräften zu tun – ein Risiko. Es gab denn auch schon Parteiausschlüsse, namentlich im Kanton Zürich, wo die Partei entstanden ist.

Im letzten November haben die Zürcher ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Winterthurer Grünliberalen nach einem Streit im Vorstand ausgeschlossen. Und in Wädenswil warf die Partei im Sommer ihren Gemeinderat nach «unüberbrückbaren Differenzen» hinaus. Er trat darauf der BDP bei. Für Schlagzeilen sorgte im August auch Urs Wagner, Gemeinderatspräsident von Opfikon. Er hatte in der 1.-August-Rede rassistische Aussagen gemacht und wurde ebenfalls ausgeschlossen.

Parteipräsident Bäumle will all diesen Fällen zum Trotz nichts von einem Personalproblem wissen. Den Fall des ehemaligen Opfiker Grünliberalen beurteilt er als «persönliches menschliches Schicksal, das zu diesem Verhalten geführt hat». Eine solche Entwicklung könne man nicht voraussehen. «Wir hatten keine Anzeichen.» Es sei ein Restrisiko, mit dem jede Partei leben müsse. Andere Parteipräsidenten hätten ihm gesagt, man kenne ähnliche Probleme. Der Fall habe aber bestätigt, dass es sich lohne, wachsam zu sein. «Wir wollen genau schauen, wen wir für welches Mandat vorschlagen.» Jemandem zu eröffnen, man sehe ihn in einer bestimmten Funktion nicht, brauche Mut, sei aber wichtig. «Man muss manchmal sagen, wo jemand seine Grenzen hat.» Bäumle weiss: Eine Partei, die derart stark wächst, kann schwierige Leute anziehen. Man habe zum Teil Personen mit klaren persönlichen Problemen nicht aufgenommen. Bei Karrieristen stelle sich auch die Frage des Opportunismus. «Wir haben nicht gern Trittbrettfahrer und Opportunisten in unseren Reihen», so Bäumle. Wenn aber jemand Potenzial zeige, dann sei seine Partei gerne bereit, ihm eine Chance zu geben. Der Präsident der Grünliberalen will allerdings nicht auf Prominente zugehen, um mit bekannten Quereinsteigern werben zu können.

Auch Bäumle kennen viele nicht

National bekannt sind bei den Grünliberalen eigentlich nur Bäumle und Diener. Die junge Zürcher Nationalrätin Tiana Moser hat dagegen politisch noch wenig von sich reden gemacht. Gleiches gilt für den dritten Nationalrat Thomas Weibel, ebenso ein Zürcher. Selbst Bäumle, den prägenden Kopf der Partei, kennen viele Schweizer nicht. 39 Prozent gaben im jüngsten «SonntagsZeitungs»-Rating an, Bäumle sei ihnen unbekannt.

Für die Wahlen vom Herbst baut man die politischen Einsteiger erst einmal mit Schulungen auf. Mehr Sorgen als die nationale Bühne bereiten dem Parteipräsidenten die unteren Chargen der Kantonsräte und Gemeindepolitiker. Denn wenn Grünliberale rasch in höhere Mandate gewählt werden, fehlen sie unten. Und Bäumle ist in Sorge, «dass man von unten nicht schnell genug wieder Leute aufbauen kann». Bäumle spricht von einer «Herausforderung der Wachstumsphase, die nicht ganz einfach ist». Sieben Neue in Bern könne seine Partei allerdings verkraften. Die Neuen müssten eben schnell lernen. Bäumle – ganz Wahlkämpfer – betont, er traue das seinen Leuten zu. Fast schwieriger sei es gewesen, vor vier Jahren im Zürcher Kantonsrat von zwei auf zehn Sitze katapultiert zu werden. Denn gewählt wurden damals politische Greenhorns.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.03.2011, 23:35 Uhr

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44 Kommentare

Martin Bundi

29.03.2011, 09:36 Uhr
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Ich finde Martin Baeumle sehr gut. Er vereinigt mehr Sachverstand und Intelligenz auf sich als der ganze Vorstand der SVP zusammengenommen (inkl. dessen Strategie-Orakel). Gleiches gilt wohl auch fuer die FDP.
Solche junge Politiker braucht die Schweiz. Nicht solche, die einfach immer wieder die gleichen Parteiparolen
herunterleiern a la Lukas Reiman oder N. Rickli.
Antworten


Daniel Kettiger

29.03.2011, 08:12 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Parteipräsident Martin Bäumle ist selber eine hochproblematische Persönlichkeit, ich würde ihn auch unter "schwierige Leute" klassieren. Kaum erstaunlich, dass er seinesgleichen anzieht und die Grünliberalen zum Sammelbecken konservativer Halbgrüner wird. Wenn es etwas wirklich nicht braucht, sind es die Grünliberalen! Antworten




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