Schweiz
Darbellay versuchts mit Glücksspiel
Von Erwin Haas. Aktualisiert am 28.04.2012 40 Kommentare
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Der Vorstand des Schweizer Casino-Verbandes (SCV), der die Interessen von 19 Schweizer Spielbanken vertritt, hat den CVP-Präsidenten und Walliser Nationalrat Christophe Darbellay für seinen Spitzenposten nominiert. Darbellays Wahl durch die Delegiertenversammlung am 1. Juni ist so gut wie sicher. Denn er ist der einzige Kandidat.
Tanz ums Goldene Kalb
«Er ist eine weitherum hochgeachtete und gut vernetzte Persönlichkeit, die unserem Präsidium gut ansteht», erklärt SCV-Geschäftsführer Marc Friedrich die Nomination. Für einige von Darbellays Parteikollegen kommt seine Berufung in die Glücksspielbranche allerdings überraschend. Steht das C im Parteinamen der Christlichdemokratischen Volkspartei künftig für Casino, wie ein Onlinekommentator meint? In der Partei wiegelt man zwar ab, aber die Meinungen über Darbellays Engagement sind gespalten.
Drei Mitglieder der CVP-Fraktion, die sich ohne Kenntnis von Darbellays Motiven nicht namentlich zu seiner Kandidatur äussern wollen, zeigen sich irritiert – quasi nach der traditionellen Ansicht, wonach das Zocken einem Tanz ums Goldene Kalb gleichkommt und nicht recht ins christliche Weltbild der CVP passt. Der Einsiedler CVP-Nationalrat Alois Gmür hingegen kann die Kandidatur nachvollziehen. Der Kanton Schwyz und seine Tourismusvereine würden vom Casino Zürichsee in Pfäffikon SZ sehr profitieren, sagt Gmür. Deshalb leuchtet es ihm ein, dass Darbellay aus dem Ferienkanton Wallis auch das Glücksspiel fördern will. «Ich glaube nicht, dass sein Casino-Präsidium in der CVP-Fraktion grosse Diskussionen auslösen wird.»
«Interessenkonflikt absehbar»
SVP-Nationalrat Lukas Reimann, der sich im Parlament für die Legalisierung des privaten Pokerspiels starkgemacht hatte und damit beim Schweizer Casino-Verband angeeckt war, sagt hingegen: Rückblickend sei klar, warum Darbellay den Vorstoss nicht mit unterschrieben habe. Dass Darbellay als CVP-Präsident, Nationalrat und gleichzeitiges Casino-Oberhaupt in Interessenkonflikte geraten werde, sei «absehbar».
Christophe Darbellay selbst war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen. Die Interessenbindungen des Walliser Agrarwissenschafters zeigen allerdings einen Mann ohne Berührungsängste. Der 41-Jährige steht nicht nur der Car-Fachgruppe des Schwerverkehrsverbands Astag vor, sondern ist (als passionierter Jäger) auch OK-Präsident des Eidgenössischen Schützenfests 2015 – und sitzt im Verwaltungsrat eines Sittener Restaurants, eines Weinproduzenten sowie eines Unternehmens, das sich der Entwicklung der Fotovoltaik verschrieben hat.
SCV-Geschäftsführer Marc Friedrich wehrt sich vehement gegen das Vorurteil, dass die Schweizer Casinobranche in irgendeiner Weise anrüchig sei. Es werde seriös wie in anderen Branchen des Unterhaltungssektors gearbeitet. Er betont: Das Spielbankenverbot wurde vom Schweizervolk 1993 mit einer Mehrheit von 72,4 Prozent aufgehoben. Die Casinos bieten Friedrich zufolge 2100 Arbeitsplätze, äufnen mit Abgaben die AHV und die Kantonskassen – letztes Jahr mit insgesamt 420 Millionen Franken – und gehören «zu den weltweit am strengsten regulierten und kontrollierten Unternehmen», so Friedrich. Studien der Eidgenössischen Spielbankenkommission als Aufsichtsbehörde hätten gezeigt, dass die getroffenen Massnahmen gegen die Spielsucht nützen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.04.2012, 09:55 Uhr
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