Schweiz
Bundesrat will Anleger besser schützen
Aktualisiert am 28.03.2012 18 Kommentare
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Private Anlegerinnen und Anleger sollen besser vor dem ungewollten Kauf riskanter Finanzprodukte geschützt werden. Der Bundesrat hat heute das Finanzdepartement beauftragt, gesetzliche Grundlagen zu erarbeiten.
Die internationale Entwicklung verlange generell einen verbesserten Kundenschutz im Finanzmarktrecht, schreibt der Bundesrat in einer Mitteilung. Er verweist zudem auf die Forderung der Finanzmarktaufsicht (Finma) nach klaren Verhaltensregeln.
Auch viele Schweizer Kunden verloren ihr Geld
Die Finma hatte kürzlich eine Verschärfung des Rechts gefordert. Wenn sich die Schweiz nicht an die strengere EU-Regulierung anpasse, drohe sie zu einem «Kundenschutz-Entwicklungsland» zu werden, sagte Finma-Direktor Patrick Raaflaub.
Nach Ansicht der Finma werden Kunden heute oft schlecht über Finanzprodukte informiert und ungenügend vor Risiken gewarnt. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers verloren auch viele Schweizer Kunden Geld. Sie waren sich nicht bewusst gewesen, in welche Art Finanzvehikel sie ihr Geld steckten.
Einbezug externer Experten
Der Bundesrat fürchtet aber auch um die Integrität und Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes. Unterschiedliche Regulierungsniveaus könnten sich stark negativ auswirken, warnt er. Weiter möchte er vermeiden, dass in der Schweiz gewisse Finanzprodukte je nach Anbieter unterschiedlichen Anforderungen unterstehen.
Das Finanzdepartement soll nun in Zusammenarbeit mit dem Justiz- und Polizeidepartement vertieft prüfen, welche Anpassungen notwendig sind. Es wird dabei externe Experten, Interessenvertreter und Direktbetroffene einbeziehen.
Kenntnisse der Anleger abklären
Die Finma hatte ein Paket mit 18 Massnahmen vorgeschlagen. Sie forderte höhere Anforderungen an die Dokumentation von Finanzprodukten sowie neue Pflichten für Finanzdienstleister in der Kundenberatung.
Nach dem Willen der Finma sollen Kundenberater beispielsweise zwingend abklären müssen, über welche Kenntnisse und Erfahrungen Privatanleger verfügen, welche Anlageziele sie verfolgen und wie ihre Vermögensverhältnisse aussehen.
Transparenz über Kosten und Prämien
Zudem sollen die Kundenberater deutlich machen müssen, wie hoch die Gebühren sind und welche Prämien sie erhalten, wenn sie ein bestimmtes Produkt verkaufen. Auch eine Prüfung für Kundenberater schlägt die Finma vor. Weiter sollen Banken künftig dokumentieren müssen, wie es zu einem Anlageentscheid kommt. Kunden sollen in diese Papiere Einsicht nehmen dürfen.
Die Stiftung für Konsumentenschutz hatte die von der Finma vorgeschlagenen Massnahmen grösstenteils gelobt. Kritik übten dagegen Banken und Versicherungen. Die Finma gehe von unmündigen und unwissenden Kunden aus und verkenne deren Eigenverantwortung, monierte die Bankiervereinigung.
(rbi/sda)
Erstellt: 28.03.2012, 14:43 Uhr
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18 Kommentare
Seit Jahrzehnten wird munter an der Regulierungsschraube gedreht - immer zum (angeblichen) "Schutz der Anleger" und mit der Begründung, dass sich dieser oder jener Skandal nie mehr wiederholen dürfe. Wer's glaubt, zahlt einen Taler, denn wer am meisten von zusätzlicher Regulierung profitiert ist offensichtlich: Der Regulator (FINMA), sowie Legal+Compliance der Anbieter, sicher nicht der Anleger. Antworten
Irgendwie ironisch. Ich kann für 100'000 ein Auto kaufen (nach Vermögensverhältnissen wird man so gut wie nie gefragt), erhalte es relativ problemlos auf Kredit (Leasing) und verliere garantiert über 5 Jahre 50%. Bei Finanzdienstleistern wird der Papierkrieg mit den Bürokraten hingegen erhöht und akribisch soll alles dokumentiert und erklärt werden und die Kosten für die Überwachung explodieren... Antworten
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