Schweiz

Bitte melden: Wer kauft 3 Millionen Impfdosen?

Von Marc Badertscher. Aktualisiert am 08.01.2010 24 Kommentare

Halb Europa versucht, überzähligen Impfstoff gegen die Schweinegrippe abzustossen. Im Rennen vorne liegt das Bundesamt für Gesundheit.

Impfstoff im Überschuss: Nur knapp ein Fünftel der Bevölkerung hat sich impfen lassen.

Béatrice Devènes

Frankreich, Deutschland oder die Niederlande kämpfen mit dem gleichen Problem. Überall sitzen die Regierungen auf Millionen überflüssiger Dosen des Impfstoffs gegen die Schweinegrippe. Die Steuerzahler haben viel dafür bezahlt. Nun wollen die Behörden den Schaden begrenzen und den nicht benötigten Impfstoff weiterverkaufen.

Ein Klacks im Vergleich zu Frankreich

Einfach ist das nicht. Frankreich meldete bisher als einziges Land einen Vertragsabschluss. 300'000 Vakzine gehen an Qatar. Das ist ein Klacks angesichts der 96 Millionen, die Frankreich bei den Pharmafirmen bestellt hatte.

Besser kommt die Schweiz voran. Sie steht kurz vor dem Abschluss der ersten Verhandlungen. Rund 3 Millionen Dosen sollen nun verkauft werden, wie Recherchen zeigen. Insgesamt hatte die Schweiz 13 Millionen gekauft. «Die Gespräche sind fortgeschritten», sagt Patrick Mathys, Leiter der Sektion Pandemievorbereitung beim Bundesamt für Gesundheit. Zu welchem Preis die Impfstoffe abgegeben werden, will er mit Verweis auf Geheimhaltungsklauseln in den zu unterzeichnenden Verträgen nicht sagen. Bekannt ist nur, dass die Schweiz 84 Millionen Franken für die Rundum-Versicherung bezahlte. (Kein anderes Land leistete sich fast 2 Dosen pro Einwohner.) Zum vollen Preis dürften die Vakzine wegen des Verkaufsdrucks aus Frankreich und anderen Ländern nicht abgestossen werden können. Mathys sagt: «Es gibt Interessenten, und ein Markt besteht durchaus.»

Auch Spenden bringt Geld

In eigener Regie können die Behörden dabei nicht vorgehen. Mit am Tisch sitzen die Hersteller – im Fall Schweiz Novartis und die britische GlaxoSmithKline. Die Pharmakonzerne haben in den Verkaufsverträgen Klauseln eingebaut, die ihnen ein Mitspracherecht bei allfälligem Weiterverkauf garantieren. Dabei geht es um Haftungsfragen und darum, ob die Qualität der Impfstoffe beim Weitertransport gewährleistet ist.

Doch der Verkauf ist für die Behörden nicht der einzige Weg, um die überzähligen Impfdosen zu verwerten. Die Schweiz hat angekündigt, der Weltgesundheitsorganisation 1,3 Millionen Vakzine zu spenden. Paradoxerweise soll auch das Verschenken Geld in die Bundeskasse spülen.

Das geht so: Der betreffende Impfstoff liegt noch bei den Herstellern, die ihn wegen der Produktionsengpässe noch gar nicht ausliefern konnten. Nun verlangt die Schweiz für diesen Spenden-Impfstoff Neuverhandlungen. Natürlich möchten die Pharmakonzerne den einst vereinbarten vollen Preis. Aber die Regierungen sind für einmal in einer starken Position: Die Pharmakonzerne sind auch künftig auf Impfstoffbestellungen der Behörden angewiesen. Und die Trumpfkarte, wonach es an Impfstoff fehlte, ist ihnen verloren gegangen. Ein Einlenken der Hersteller liegt auf der Hand. «Oder wie würden Sie mit Ihren Kunden umgehen?», fragt ein in die Verhandlungen Involvierter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2010, 10:06 Uhr

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24 Kommentare

Martin Mayer

08.01.2010, 07:39 Uhr
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Es wär doch ganz einfach: die Verantwortlichen sollten die Konsequenzen ziehen. Jetzt mal ehrlich: es war doch von Anfang an klar, dass sich nicht jeder Schweizer 2 Impfdosen injeziert. Also wieso so viel bestellt? Unverständlich. Dass eine gewisse Menge bestellt wurde, das war sicher sinnvoll und ist auch gerechtfertigt. Antworten


Peter Bieler

08.01.2010, 08:05 Uhr
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Man weiss klar, dass jede Impfung erst dann garantiert schützt, wenn sie wiederholt wird. Die Info, dass eine einmalige Impfung auch ausreicht, wird von den Krankenkassen verbreitet, damit sie die Kosten tiefer halten können. Das ist kurzfristig gedacht. Unwissend glauben viele den KK! Übrigens: Bei der Spanischen Grippe war erst die Welle im zweiten Jahr wirklich tödlich... Warten wir mal ab. Antworten



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