Schweiz

Bietet der Bundesrat der EU die Stirn?

Heute gibt der Bundesrat bekannt, wie es mit dem Bankgeheimnis weitergeht. Es stellt sich vor allem die Frage, wie er zum automatischen Informationsaustausch steht.

Kein Wechsel zum automatischen Informationsaustausch: Bundesrat Hans-Rudolf Merz beim Treffen auf Schloss Senningen mit den Finanzministern von Deutschland, Luxemburg, Österreich und Liechtenstein.

Kein Wechsel zum automatischen Informationsaustausch: Bundesrat Hans-Rudolf Merz beim Treffen auf Schloss Senningen mit den Finanzministern von Deutschland, Luxemburg, Österreich und Liechtenstein.
Bild: Keystone

Gestohlene CDs mit Bankkundendaten, die deutschen Bundesländern angeboten wurden, haben die Schweiz in Zugzwang gebracht. Gestern diskutierte der Bundesrat, wie es mit dem Bankgeheimnis weitergehen soll. Macht nun die Regierung an der heutigen Medienkonferenz auch Vorschläge zum automatischen Informationsaustausch?

Finanzminister Hans-Rudolf Merz, ein Hardliner in Sachen Bankgeheimnis, brachte das umstrittene Thema Anfang Februar zur Sprache. Die Frage, ob der automatische Informationsaustausch eingeführt werden solle, müsse diskutiert werden. Die EU sei weitgehend auf diesem Pfad. Zwei Länder machen jedoch nicht mit: Luxemburg und Österreich. «Man kann sich fragen, ob es Varianten und Abarten des automatischen Informationsaustausches gibt», sagte Merz. Solche Fragen müssten bei der Umsetzung der Finanzplatzstrategie beantwortet werden.

Grosser politischer Widerstand

Doch der politische Widerstand gegen ein solches System ist gross: «Das Bankgeheimnis muss verteidigt werden. Jede Änderung des demokratisch legitimierten Rechts muss dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden», sagt SVP-Vizepräsident Adrian Amstutz. CVP-Präsident Christophe Darbellay könnte sich als Lösung eine so genannte Abgeltungssteuer vorstellen.

Auch für die Finanzwirtschaft ist das Thema Informationsaustausch ein rotes Tuch: Die Banken wollen nicht einmal über Varianten nachdenken, wie ein Sprecher der Bankierverreinigung heute gegenüber Radio DRS betonte. Die Banken befürchten, «dass sonst hohe Vermögenswerte aus der Schweiz abfliessen». FDP-Nationalrätin Christa Markwalder geht nicht davon aus, dass der Bundesrat heute Varianten zum Informationsaustausch vorlegt. «Ich bin aber auch gespannt, was kommt», sagt die Berner Freisinnige.

Abgeltungssteuer ist für EU keine Alternative

Es ist vor allem die EU, die für die Einführung eines automatischen Informationsaustausches Druck macht. Langfristig werde sich die Schweiz dem automatischen Informationsaustausch nicht widersetzen können, sagte EU-Botschafter Michael Reiterer kürzlich gegenüber diversen Schweizer Medien. Die Abgeltungssteuer, die von den bürgerlichen Parteien und Banken als Alternative gehandelt wird, ist für den EU-Botschafter kein taugliches Modell. Diese Alternative habe die Wahrung der Anonymität zum Ziel – und nicht Transparenz.

Vor zehn Tagen - beim Treffen auf Schloss Senningen bei Luxemburg mit den Finanzministern von Luxemburg, Deutschland, Österreich und Liechtenstein - schloss Merz denn auch einen Wechsel der Schweiz zum automatischen Informationsaustausch ausdrücklich aus. Alles, was der Schweizer Finanzminister seinen Amtskollegen anbot, war eine Weiterentwicklung des Zinsbesteurungsabkommens in Richtung einer Abgeltungssteuer.

Privatsphäre muss gewahrt werden

Merz sieht keinen dringenden Handlungsbedarf. Vor den Bundeshausmedien verwies er jedenfalls auf die Finanzmarktstrategie des Bundesrates vom Dezember 2009, welche die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes stärken soll. Der Bundesrat vertrete darin die Meinung, dass es nicht im Interesse des Landes sei, unversteuertes Geld aus dem Ausland anzuziehen, erinnerte Merz. Die Massnahmen würden jetzt zügig dem Parlament zur Beratung unterbreitet. Der Aspekt «Wahrung der Privatsphäre» müsse bei Finanzgeschäften wie der Vermögensverwaltung berücksichtigt werden, präzisierte Merz weiter. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2010, 11:50 Uhr

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8 Kommentare

leo schale

25.02.2010, 17:48 Uhr
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@T. Frey, das sind typische Ausreden der CH "Schwarzgeldfreunde" «wenn wir nicht, dann eben anderen», etc... Warum hat wohl die angeblich so "ehrenwerte CH" ein grosses Interesse am BG? Die Absichten hinter diesem höchst unglaubwürdigen, scheinheiligen "Argument" ist doch wohl klar und ist sogar (fast) jedem einigermassen ehrlichen Schweizer bewusst. Antworten


T. Frey

25.02.2010, 14:38 Uhr
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Ich hoffe sehr, dass die CH der EU die Stirn bietet. Denn wenn nicht dann nimmt ein anderer Staat die sog.Schwarzgelder auf. Da bin ich überzeugt. Antworten


Bruno Ledermann

25.02.2010, 14:02 Uhr
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Solange in den U.S.A. wie auch in den meisten europ. Ländern (nota bene: Deutschland, Frankreich, Spanien, England, etc.) nicht versteuertes Geld von Banken akzeptiert wird, darf die CH ihren "Modi Operandi" nicht ändern. Nicht Steuermoral sondern Wirtschaftwettbewerb steht im Zentrum der Off-Shore Thematik. Wann wacht die CH Regierung endlich auf? Antworten


gerald gutberlet

25.02.2010, 13:01 Uhr
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es geht beim automat. infoaustausch doch nicht vorranig ums BG. es ist doch so wenn CHer banken vollen zugang zum EU binnenmarkt wollen müssen sie die gleichen regeln befolgen wie alle anderen banken in der eu , sonst hätten sie ja einen ungerechtfertigten vorteil gegnüber den anderen banken. aber es geht natürlich leichter wenn mann die freiheit verteidigt anstatt die echten gründe zu nennen Antworten


Stef Baumann

25.02.2010, 12:29 Uhr
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Ob der Bundesrat der EU die Stirn bietet? Selten so gelacht. Für die gibt es ja nichts schöneres als der EU jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Antworten


Beat Keller

25.02.2010, 12:17 Uhr
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Früher konnte man sich auf öffentliche Aussagen des Bundesrates weitgehend verlassen. Es ist schlimm, dass viele Leute in diesem Staat offenbar dieses Vertrauen in die Regierung nicht mehr haben. Ich kenne auch keine Partei, der ich solches zutrauen würde. Fass möchte man in die Klage über die guten alten Tage miteinstimmen. Aber noch schweigen die Chöre und hoffen. Antworten


lucius mayer

25.02.2010, 12:12 Uhr
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«Die Schweiz» (sprich die Bankokratie) kämpft nur Rückzugsgefechte in einem verlorenen Krieg. Wie wäre es mit einer wohl überlegten Flucht nach vorne? Dabei wäre Mindestbedingung, dass alle bisherigen «Schwarzgeldparadiese» (Beispiele: US-Bundesstaaten Delaware, Colorado, Wyoming) gleich behandelt werden. Antworten


Anton Stroppel

25.02.2010, 12:07 Uhr
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Hoffentlich findet der BR endlich sein Rückgrat wieder die Deutschen sollen mal ganz ruhig sein gestohlenen Daten klaufen ist nicht etwas was ein Rechtsstaat in Erwägung zieht. Antworten



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