Schweiz

Béglé will für seine Ehre kämpfen

Aktualisiert am 24.01.2010

Der aus dem Amt gedrängte Verwaltungsratspräsident der Post, Claude Béglé, prüft rechtliche Schritte gegen seine Kritiker. In einem Interview sagt er ausserdem: «Ich hatte bei der Post nicht einmal einen Vertrag».

«Ich wusste am Anfang nicht einmal, wie viel ich verdiene»: Claude Béglé.

«Ich wusste am Anfang nicht einmal, wie viel ich verdiene»: Claude Béglé.
Bild: Keystone

Seine Anwälte analysieren, «was man tun könnte.» Claude Beglé war am Dienstag als Verwaltungsratspräsident der Post zurückgetreten, nachdem ihm Bundesrat Leuenberger eröffnet hatte, dem Bundesrat am Mittwoch einen neuen Postpräsidenten vorzuschlagen.

Zuletzt war bekannt geworden, dass der Waadtländer auch mit einer indischen Firma einen Vertrag hatte. Diese hatte seinen Lohn auf ein Konto in Dubai überwiesen.

«Man hat mir vorgeworfen, ein Lügner zu sein, man hat mich angespuckt, meine professionelle und steuerliche Integrität in Frage gestellt», sagte Beglé dem «Matin Dimanche».

Er habe zwar kein Problem mit seinem Abgang, sagte er der «Sonntagszeitung», aber «ich kämpfe für meine Ehre und Glaubwürdigkeit».

Es stimme nicht, dass der in Indien eine 75-Prozent-Stelle innegehabt habe, sagte Beglé: «Die Abmachung war 30 Stunden pro Woche. Das ist bei mir nicht einmal ein halbes Wochenpensum.»

«Habe keine Steuern hinterzogen»

Auch den Vorwurf, er habe mit dem Dubai-Konto Steuern hinterziehen wollen, wies er zurück: «Ich wollte nie und habe nie Steuern hinterzogen. Im Vertrag steht meine Schweizer Adresse. Die indische Firma hat den Holdingssitz in Dubai und zahlte deshalb ausländische Mitarbeiter dort.»

Gefragt nach Fehlern sagte der ehemalige Post-Präsident, er würde nochmals das Gleiche tun, aber «ich würde den Faktor Geschwindigkeit mehr berücksichtigen.»

«Ich bot ihm an, jederzeit zurückzutreten»

Im Interview mit der «SonntagsZeitung» sagte Béglé, er habe für seinen Job als Postpräsident nie einen Arbeitsvertrag gehabt: «Ich bekam bis heute kein Papier, auf dem steht, dass Béglé Präsident der Post ist und auf dem ­beide Seiten unterschrieben. Ich wusste am Anfang nicht einmal, wie viel ich verdiene.»

Bereits am 8.?Januar habe im Bundesrat Moritz Leuenberger gesagt, dass sein Job zur Debatte stehe: «Er hat mir glaubhaft seine Unterstützung zugesichert, aber eingeräumt, dass er einen Plan B erarbeite. Er müsse für den Fall des Falles vorbereitet sein. Ich bot ihm an, jederzeit zurückzutreten, falls das nötig sein sollte.»

Beglés Auftreten kam nicht an

Beglé hatte der Post eine agressive Strategie im Ausland verordnen wollen und wurde dafür scharf kritisiert. Auch seine Aussage in einem Interview, die vergleichsweise kleine Schweizer Post müsse werden wie der Nahrungsmittelgigant Nestlé, war nicht goutiert worden.

Während des Machtkampfs innerhalb der Post wurde innerhalb eines Monats Post-Chef Michel Kunz ersetzt und zwei Verwaltungsräte nahmen ihren Hut. (bru/ddp)

Erstellt: 24.01.2010, 10:44 Uhr

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